Kommunikation in der Beziehung

Kommunikation in der Beziehung

Sozialpsychologie – Beziehungspsychologie

Führt eine gute Kommunikation tatsächlich zu einer zufriedeneren Beziehung?

11.07.2016 Einer der Top-Gründe, warum Paare eine Paartherapie bzw. Paarberatung aufsuchen, ist das Kommunikationsproblem zwischen ihnen. Sagt also eine bessere Kommunikation eine gute Beziehung voraus?

Die Antwort scheint nicht ganz so einfach laut einer im Fachblatt Journal of Marriage and Family veröffentlichten Studie des psychologischen Fachbereichs der Universität Georgia.

Kein kausaler Zusammenhang

Obwohl Kommunikation und Beziehungszufriedenheit miteinander zusammenhängen, war die Beziehungskommunikation kein guter Parameter, um die Zufriedenheit der Partner mit ihren Beziehungen im Laufe der Zeit zu bestimmen, sagte Studienleiter Psychologie-Prof. Justin Lavner.

Obwohl die Kommunikation in der Beziehung in einem gewissen Ausmaß die Zufriedenheit für einige Paare voraussagen konnte, verlangt der Mangel an einer definitiven kausalen Beziehung nach zusätzlicher Aufmerksamkeit für andere Faktoren, die die Beziehungszufriedenheit beeinflussen können – wie Stressfaktoren der Umgebung, welche Aktivitäten und Interaktionen ein Paar zeigt, und die Persönlichkeitsmerkmale der individuellen Partner.

Andere Faktoren wichtig

Es ist absolut richtig zu sagen, dass zufriedene Paare tatsächlich positiver kommunizieren, genausowie, dass Paare, die besser kommunizieren, im Durchschnitt zufriedener sind, sagte er. Aber es ist sehr viel schwieriger zu sagen, was das andere nach sich zieht, obwohl das wirklich wichtig ist.

beziehungskonflikt
Bild: Gerd Altmann

Wir müssen nachdenken, welches die anderen Faktoren sind, die eine zufriedenstellende Beziehung bestimmen und wie diese Faktoren voraussagen, wie sich Partnerschaften langfristig entwickeln.

Vorhersagevariable in der Theorie

Frühere Forschungsarbeiten und Theorien betonten die Kommunikation – oder den Mangel daran – als ein Prädiktor (Vorhersagevariable) für Beziehungszufriedenheit oder Trennung.

Lavner und seine Koautoren untersuchten, ob die Kommunikation wirklich die Ursache oder Folge von Zufriedenheit in der Partnerschaft ist, oder einfach nur damit verbunden ist.

Ergebnisse der Langzeitstudie

Mehr als 400 jungverheiratete Paare in Los Angeles nahmen an der drei Jahre langen Studie teil, in der sie viermal bewertet wurden. Bei jeder – bei ihnen zu Hause durchgeführten – Sitzung nahmen die Teilnehmer zuerst an drei unterschiedlichen Aufgaben teil, die die Kommunikation maßen, und füllten dann einen Fragebogen zu ihrer Zufriedenheit mit ihrer Ehe aus.

Die Kommunikationsaufgaben sollten bestimmen, ob das Paar positive, negative oder wirksame Kommunikationsformen benutzte, während z.B. Probleme in ihrer Ehe aufgegriffen wurden und besprochen wurde, wie man sie lösen könnte.

Generell waren die Zusammenhangsmaße ziemlich stark, und zeigten – wie einigermaßen erwartet:

Positivität, Negativität und Effektivität

Je zufriedener man grundsätzlich ist, desto besser kommuniziert man mit dem Partner, sagte Lavner. Diese Resultate zeigten: Paare, die zufriedener waren, demonstrierten auch ein höheres Ausmaß an Positivität, weniger Negativität und mehr Effektivität, sagte er.

Überraschenderweise gab es keine starke kausale Verbindung, die zeigte, dass eine gute Kommunikation zur Zufriedenheit in der Beziehung führte, sagte Lavner.

Die Befunde deuteten zwar leicht darauf hin, dass Kommunikation ein Prädiktor für die Beziehungszufriedenheit ist, aber sie waren längst nicht so stark, wie man hätte annehmen müssen, wenn sie der Annahme in der eingangs erwähnten Theorie über deren Wichtigkeit folgt. Insgesamt war dieses Muster nicht so robust, wie die Theorie uns weismachen will, sagte Lavner.

Zufriedenheit beeinflusst eher Kommunikation als umgekehrt

Tatsächlich konnte in der Mehrheit der Fälle weder die Kommunikation die Zufriedenheit der Paare voraussagen, noch konnte die Zufriedenheit die Kommunikation voraussagen, stellte Lavner fest.
Und doch konnte eher die Zufriedenheit die Kommunikation voraussagen als umgekehrt, sagte er.

Ein weiterer überraschender Befund war: Wenn ein Effekt stärker als der andere war, zeigte sich die Beziehungszufriedenheit als der stärkere Prädiktor der Kommunikation.

Dies steht im Gegensatz zu bisher angenommenen Annahmen: In diesen wird immer postuliert, dass die Konzentration auf die Kommunikation auch eine Zufriedenheit nach sich zieht. Dies dürfte Fragen hinsichtlich Paarberatung bzw. Paartherapie aufwerfen, die sich oftmals zuerst auf die Verbesserung der Kommunikation konzentrieren.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Georgia, Journal of Marriage and Family – DOI: 10.1111/jomf.12301; Juli 2016

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