Schüler-Lehrer-Beziehung (Psychologie)

Schüler-Lehrer-Beziehung (Psychologie)

Beziehungsprobleme – Probleme mit Babys

Gute Beziehung zum Lehrer macht weniger aggressiv

09.08.2016 Eine im Fachblatt Journal of Youth and Adolescence veröffentlichte Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) und der Universitäten Cambridge und Toronto hat herausgefunden, dass das aggressive Verhalten von Heranwachsenden im wesentlichen von der Beziehung zu deren Lehrern abhängt.

Weniger Aggression, mehr prosoziales Verhalten

Die Forscher erfassten die Beziehungen zu den Lehrern, Aggressivität und prosoziales Verhalten – wie Altruismus und Empathie – bei 1.400 Zürcher Kindern über Befragungen der Eltern und Lehrer: seit dem Eintritt in die Primarschule (umfasst in der Schweiz die Schulen, die von Kindern der Klassen 1 bis 5 bzw. 6 besucht werden) im Jahr 2004 in regelmässigen Abständen.

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Bild: John Hain

Die Befunde zeigten bei Schülern mit einem guten Verhältnis zum Lehrer ein ausgeprägteres altruistisches und empathisches Verhalten (18%). Bei diesen Kindern wurde auch ein weniger aggressives Verhalten (38% weniger) beobachtet als bei den Schülern, die ein ambivalentes oder schlechtes Verhältnis zum Lehrer hatten.

„Dass die Beziehung zur Lehrperson das soziale Verhalten der Schüler beeinflusst, hatten wir erwartet“, sagte Studienautor Manuel Eisner von der Universität Cambridge, Professor of Comparative and Developmental Criminology. „Unerwartet ist jedoch, wie stark diese Beziehung das Verhalten der Kinder beeinflusst.“

Nicht nur ein Zusammenhang

Die Studie konnte aufgrund ihres Designs nicht nur eine Korrelation zeigen – wie „braver Schüler mag Lehrer“ und umgekehrt, sondern erlaubte es auch die ‚reinen‘ Effekte der Lehrer-Schüler-Beziehung zu analysieren, sagten die Forscher.

Kulturelle Störfaktoren, Geschlecht, Erziehungsstil, früheres Problemverhalten konnten als Risikofaktoren in dieser Studie ausgeschlossen werden. „Wir haben zwar Zürcher Schüler untersucht, aber aufgrund unseres Verfahrens und der Tatsache, dass andere Studien bei jüngeren Kindern zu ähnlichen Resultaten kamen, glauben wir, dass sich unsere Ergebnisse breit verallgemeinern lassen“, sagte Koautor Denis Ribeaud.

Mindestens so wichtig wie Gewaltpräventionsprogramme

Die Langzeitstudie konnte auch demonstrieren, dass sich positive Effekte im Alter von zehn Jahren auch noch vier Jahre später zeigten und, dass eine gute Schüler-Lehrer-Beziehung eine mindestens ebenso starke – wenn nicht sogar größere – Auswirkung wie übliche Gewaltpräventionsprogramme bei der Unterstützung von prosozialem und Reduktion von aggressivem Verhalten hatte.

„Diese Programme sind sehr gut und aus unserer Sicht unverzichtbar. Unsere Resultate sollten aber in die Lehrer-Aus- und Weiterbildung einfliessen – damit macht man effektive Gewaltprävention“, erläuterte Eisner.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Cambridge, Universität Toronto, ETH Zürich, Journal of Youth and Adolescence – doi: 10.1007/s10964-016-0534-y; August 2016

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