Psychose und Glutathion im Gehirn

Psychose und Glutathion im Gehirn

Psychische Erkrankungen / Störungen

Zusammenhang zwischen dem Antioxidans Glutathion in den Gehirnen von Menschen mit Psychose und dem Ansprechen auf die Behandlung

10.06.2020 Sobald Patienten mit einer Psychose mit der Behandlung beginnen, geht es einigen innerhalb von Wochen besser, während es bei anderen Monaten dauern kann.

Um diese Diskrepanz zu verstehen und zu beeinflussen, untersuchten Lena Palaniyappan und ihr Team spezifische Chemikalien (Glutamat and Glutathion) im Gehirn mit dem Ziel, die Zeit des Ansprechens auf Medikamente zu verkürzen.


Bild: Gerd Altmann

Frühere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Patienten mit der ersten psychotischen Episode und frühem Ansprechen auf die Medikamente insgesamt bessere Ergebnisse erzielen. Dazu gehören eine Linderung der Psychosesymptome und der Alltagsfunktionen sowie ein kürzerer Krankenhausaufenthalt.

Das Forscherteam vom Schulich and Lawson Health Research Institute untersuchte speziell den Antioxidantienspiegel im Gehirn und fand heraus, dass diese Chemikalien, die den Körper von normalen Stoffwechsel-Biprodukten befreien – den sogenannten freien Radikalen – die Ergebnisse einer frühzeitigen Behandlung bei Psychosen verbessern können.

Sie untersuchten insbesondere einen Bereich des Gehirns – den sogenannten cingulären Cortex – der gut mit einem Netzwerk von Regionen verbunden ist, die bei der Entstehung von Psychosesymptomen eine wichtige Rolle spielen.

Verbesserung durch Glutathion

Die in Nature Molecular Psychiatry veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass Patienten mit höheren Konzentrationen eines Antioxidans namens Glutathion schneller auf Psychosemedikamente ansprachen und bessere Ergebnisse erzielten.

Sie errechneten, dass ein 10-prozentiger Anstieg des Antioxidans Glutathion zu einer Verkürzung der Dauer des Krankenhausaufenthalts um mindestens sieben Tage führen könnte.

Ein höherer Glutamatspiegel war dagegen mit schwerwiegenderen funktionellen Beeinträchtigungen verbunden.

Der Gehalt an Antioxidantien im Gehirn variiert von Person zu Person natürlich, und diese Schwankungen können auf die Wahl des Lebensstils wie Sport und Ernährung zurückgeführt werden.

Es gibt auch Möglichkeiten, diese Werte pharmazeutisch zu erhöhen. Ein Nahrungsergänzungsmittel namens N-Acetyl-Cystein (NAC) sowie Brokkoli-Extrakte können die Antioxidantien im Gehirn erhöhen, wenn sie über einen längeren Zeitraum verabreicht werden.

Die Forscher setzten MRT-Bildgebung ein, um die Antioxidantienspiegel von Glutathion und den von Glutamat im Gehirn von 37 neuen Patienten des Programms zur Prävention und Frühintervention von Psychosen (Prevention and Early Intervention for Psychoses Program, PEPP) am London Health Sciences Centre zu untersuchen.

Die Antioxidansspiegel wurden vor Beginn der Behandlung einer Psychose untersucht und nach der Behandlung sechs Monate lang weiterverfolgt.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Nature Molecular Psychiatry – https://doi.org/10.1038/s41380-020-0704-x

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