Leaky-Gut-Syndrom und die Psyche

Leaky-Gut-Syndrom und die Psyche

Psychosomatik, Somatoforme Störungen, Persönlichkeitspsychologie

News und Forschungsartikel, die sich mit den Auswirkungen des Leaky-Gut-Syndroms auf die Psyche bzw. umgekehrt beschäftigen.

Schwere Ehekonflikte können den Darm für Krankheitserreger durchlässig machen

17.08.2018 Bei verheirateten Paaren, die sich auf schlimme Weise bekämpfen, tritt eher das Leaky-Gut-Syndrom (beeinträchtigte „undichte Darmschleimhaut“) auf – eine Erkrankung, bei der Bakterien ins Blut freigesetzt und krankheitsverursachende Entzündungen hervorrufen werden können.

Die im Fachblatt Psychoneuroendocrinology veröffentlichte Studie beleuchtet damit zum ersten Mal die Verbindung zwischen dieser Darmerkrankung und dem schlechten psychischen Zustand einer Ehe/Beziehung.

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Bild: Gerd Altmann

Die Wissenschaftler um Janice Kiecolt-Glaser vom Fachbereich medizinische Psychologie von der Ohio State Universität rekrutierten 43 gesunde verheiratete Paare, befragten sie zu ihrer Ehe und regten sie dann an, einen Konflikt – der eine große Meinungsverschiedenheit auslösen würde – auszutragen und zu lösen. Sensible Themen waren Geld und Schwiegereltern.

Die Forscher ließen die Paare für diese Diskussionen allein, filmten die 20-minütigen Interaktionen und beobachteten später, wie die Paare miteinander den Konflikt austrugen. Sie kategorisierten deren verbales und nonverbales Konfliktverhalten, mit besonderem Interesse an den Feindseligkeiten wie dramatisches Augenrollen oder Kritik am Partner.

Dann verglichen die Forscher das Blut, das vor den Streitigkeiten entnommen wurde, mit dem Blut nach den ‚Kämpfen‘.

Biomarker für das Leaky-Gut-Syndrom

Männer und Frauen, die während der beobachteten Diskussionen feindseligeres Verhalten zeigten, hatten höhere Werte eines Biomarkers für das Leaky-Gut-Syndrom – LPS-bindende Proteine – als die sanfteren Teilnehmer. Der Nachweis eines undichten Darms war noch größer bei Studienteilnehmern, die besonders feindselige Interaktionen mit ihrem Ehepartner und zuvor eine Depression oder eine andere Stimmungsstörung hatten.

Frühere Studien haben gezeigt, dass bei Eheproblemen die Wundheilung verlangsamt und das Risiko für entzündungsbedingte Krankheiten wie Depressionen, Herzerkrankungen und Diabetes erhöht sein können.

Bakterien im Blutkreislauf

Durch die Suche nach einem Biomarker, der mit Bakterien im Blutkreislauf verbunden ist, konnte das Team Hinweise auf ein Leaky-Gut-Syndrom finden, eine bislang kaum untersuchte Erkrankung, bei der die Darmauskleidung durchlässiger wird und die Freisetzung von teilweise verdauter Nahrung und Bakterien in den Blutkreislauf ermöglicht.

Die Teilnehmer der Studie waren zwischen 24 und 61 Jahre alt und mindestens drei Jahre verheiratet.

In der Leaky-Gut-Studie fanden die Forscher einen starken, signifikanten Zusammenhang zwischen Feindseligkeit und dem Biomarker LBP, der das Vorhandensein von Bakterien im Blut anzeigt.

Anzeichen für Entzündung (Inflammation)

Und es gab einen starken Zusammenhang zwischen diesem Biomarker und Anzeichen einer Entzündung. Im Vergleich zu den Teilnehmern mit dem niedrigsten LBP hatten diejenigen mit dem höchsten LBP einen um 79 Prozent höheren Gehalt an C-reaktivem Protein, dem primären Biomarker für Entzündung.

Die Forscher untersuchten auch einen weiteren Biomarker für Bakterien, das sogenannte lösliche CD14, und eine Handvoll etablierter Entzündungsmarker. Sie fanden Belege dafür, dass die Biomarker eines Leaky-Gut dem Anstieg der Entzündung entsprachen.

Risikofaktor Depression

Darüber hinaus war der Einfluss feindseliger Verhaltensweisen auf die potenziell problematische Biomarker-Aktivität im Blutkreislauf für die Teilnehmer, die zuvor an einer Depression erkrankt waren, von größerer Bedeutung.

Dies kann auf anhaltende psychologische und physiologische Anfälligkeiten bei Menschen hinweisen, die unter Depressionen und anderen Stimmungsstörungen gelitten haben, schreiben die Forscher.

Psyche, Sympatisches Nervensystem und Darmflora

Koautor Michael Bailey sagte, es gäbe eine etablierte Verbindung zwischen psychischen Stress, dem sympathischen Nervensystem und Veränderungen bei den Mikroben im Darm.

Mit einem Leaky Gut werden die Strukturen, die normalerweise wirklich gut darin sind, die Abfallstoffe in unserem Darm zu halten – wie teilweise verdaute Nahrung, Bakterien und andere Produkte – abgebaut und diese Barriere wird weniger effektiv.

Und Bakterien im Blut fördern Inflammation und könnten die Psyche beeinträchtigen oder sogar die psychische Gesundheit schädigen – eine beunruhigende Schleife könnte dadurch ausgelöst werden, sagte Bailey.

Die Forscher wiesen darauf hin, dass Entzündung mit zunehmendem Alter zunimmt, und da das Durchschnittsalter in dieser Studie bei 38 Jahren liegt, könnten die negativen Ergebnisse bei älteren Menschen ausgeprägter sein.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Psychoneuroendocrinology. 2018 Aug 4;98:52-60. doi: 10.1016/j.psyneuen.2018.08.007

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