Ist zwanghaftes Horten erblich?

Zwanghaftes Horten (Messie-Syndrom):
Vererbung

Psychische Störungen – Zwangsstörungen

Ist zwanghaftes Horten erblich?

Die Symptome zwanghaften Hortens bleiben aufgrund einer gewissen Erblichkeit einigermaßen stabil während des Heranwachsens.

Die Symptome des Messie-Syndroms bzw. zwanghaften Hortens scheinen während der Adoleszenz stabil zu bleiben, vor allem aufgrund der genetischen Auswirkungen laut einer im Fachblatt PLOS ONE veröffentlichten Studie.

Ausmaß genetischer Faktoren


Messie Wohnzimmer; Shadwwulf at en.wikipedia

Menschen mit Messie-Syndrom haben extreme Schwierigkeiten, sich von ihren Besitztümern zu trennen, und manchmal können sich mehr Sachen ansammeln, die sie nicht brauchen, was zu Anhäufungen von ungenutzen Dingen oder Müll in ihrer Lebensumgebung führt, was die Betroffenen in ihrem Leben beeinträchtigt und belastet.

Während die Effekte des zwanghaften Hortens meist in einer klinischen Umgebung mit Erwachsenen untersucht wurden, legen vorherige Studien nahe, dass Messie-Symptome schon früher in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter auftreten können, obwohl wenig darüber bekannt ist, was diese Symptome verursacht.

Zwillingsstudie

Um zu untersuchen, wie genetische und psychosoziale Faktoren diese Symptome bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beeinflussen, untersuchten Volen Ivanov vom Karolinska Institutet und Kollegen potenzielle Messie-Symptome in drei großen Kohorten identischer (eineiiger) und zweieiiger Zwillinge im Alter von 15, 18 und 20-28 mit einem Fragebogen.

Die Teilnehmer bewerteten sich auf einer Skala hinsichtlich Messie-Indikatoren wie:

  • Unordnung / Chaos im Schlaf- und Wohnzimmer,
  • Probleme, Besitztümer wegzuwerfen,
  • Distress und Beeinträchtigung und
  • übermäßigen Erwerb von Besitztümern.

Vererbbarkeit

Die Forscher analysierten dann die Ähnlichkeit der Punkte der Zwillingspaare für identische und für zweieiige Zwillinge, um die Messie-Erblichkeit zu beurteilen.

Über alle drei Kohorten fanden die Psychiater, dass Symptome zwanghaften Hortens vererbbar und moderat stabil zwischen 15 und 18 Jahren waren, und genetische Effekte einen Großteil der Stabilität bei den Symptomen erklären konnten.

Heritabilitätsabschätzungen

  • Die Heritabilitätsabschätzungen (Bewertungen der Vererbbarkeit) für Messie-Symptome im Alter von 15, 18 und 20-28 betrugen 41% (95% Konfidenzintervall [CI]: 36-45%), 31% (95% CI: 22-39%) und 29% (95% CI: 24-34%). D.h., die Umwelteinschätzungen gewannen mit zunehmendem Alter an Einfluss.
  • Quantitative Geschlechtsunterschiede entstanden bei Zwillingen im Alter von 15 Jahren, bei denen die Erblichkeit bei Jungen 33% (95% CI: 22-41%) und 17% (95% CI: 0-36%) bei Mädchen betrug.
  • Gemeinsame Umweltauswirkungen spielten bei allen Gruppen mit Ausnahme der Mädchen im Alter von 15 Jahren eine vernachlässigbare Rolle, bei denen sie einen erheblichen Teil der Varianz ausmachten (22%, 95% CI 6-36%).
  • Die longitudinalen bivariaten Analysen zeigten einen deutlichen phänotypischen Zusammenhang von Hortungssymptomen zwischen 15 und 18 Jahren (0,40; 95% CI: 0,36-0,44) und eine starke, aber unvollkommene genetische Korrelation (0,75; 95% CI: 0,57-0,94).
  • Die bivariative Erblichkeit wurde von der Analyse auf 65% geschätzt (95% CI: 50-79%).

Die Wissenschaftler hoffen, dass diese Erkenntnisse dazu beitragen, die Entwicklung von Behandlungen für junge Menschen mit Messie-Symptomen voranzutreiben, und die potenzielle Progression zur Störung zwanghaften Hortens im Erwachsenenleben verhindern zu können.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Karolinska Institutet, PLOS ONE – https://doi.org/10.1371/journal.pone.0179541; Juni 2017

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