Strategien und Techniken der Betrüger

Die Tricks der Täuscher: Forscher ergründet die Strategien und Techniken hinter Betrugsmaschen

17.07.2020 Von den Anrufen angeblicher Enkel oder falscher Polizisten bis hin zu den enormen Renditeversprechen der großen Finanzschwindler – Betrugsmaschen haben Konjunktur. Der Soziologe Dr. Christian Thiel erforscht in seinem DFG-geförderten Projekt die Strategien und Techniken, die dahinterstecken. Oft sind die grundlegenden Tricks schon Hunderte Jahre alt. Warum wir trotzdem immer noch darauf hereinfallen.

Von den Anrufen angeblicher Enkel oder falscher Polizisten bis hin zu den enormen Renditeversprechen der großen Finanzschwindler – Betrugsmaschen haben Konjunktur. Wer auf solch abstrusen Unsinn hereinfällt, der muss leichtgläubig und naiv sein – so erklärt der Außenstehende dies und irrt sich damit gewaltig. Denn Betrugsmaschen sind mehr als simple Täuschungstricks. Nicht umsonst werden sie seit Jahrzehnten, manche sogar seit Jahrhunderten erfolgreich angewendet. „Die überzeugende Kraft entsteht nicht durch einen einzelnen Trick, sondern durch den komplexen Ablauf – wie beim Zauberkunststück. Hier spielt die Dramaturgie, die Geschichte, die Show eine größere Rolle als der Trick selbst“, meint der Soziologe Dr. Christian Thiel. Er erforscht seit mehreren Jahren, warum diese Maschen nach wie vor erfolgreich sind.

Im zweiten Schritt nahm er besonders typische und weit verbreitete Betrugsmaschen – u.a. den Enkeltrick, den Romance Scam und den Kapitalanlagebetrug – in den Blick und führte dazu ausführliche Interviews mit Opfern, Tätern und der Polizei, analysierte Strafverfahrensakten – ihm ist wichtig, das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Alle Aussagen strukturiert er, sucht Gemeinsamkeiten und Muster.

„Der Prozess der Irreführung besteht aus mehreren Phasen, in denen jeweils verschiedene Techniken kombiniert werden“, sagt der Soziologe. In der Anbahnungsphase wird das Opfer ausgewählt, in der Verstrickungsphase werden verschiedene Täuschungssignale kombiniert – einzeln sind sie nicht unbedingt glaubwürdig, aber in ihrer Gesamtheit.

Der Höhepunkt ist erreicht, wenn das Betrugsopfer vertrauensvoll sein Vermögen übergibt. Oft folgt darauf die Ruhigstellung, damit das Opfer sich keine Hilfe sucht oder zur Polizei geht. So wird es beispielsweise in eine Situation gebracht, dass es selbst ein unmoralisches Angebot angenommen hat oder vor Scham sich nicht an die Polizei wendet. Jede der Phasen umfasst ein Set an Taktiken und Strategien, die quasi einen Werkzeugkasten des Betrugs bilden.

Erst ist das Gespräch harmlos, dann erzählt der „Enkel“ vom geplanten Hauskauf, der nur stattfinden kann, wenn er heute eine wichtige Anzahlung macht, für die er gerne von der Großmutter Geld borgen würde. Die Geschichte wird von einem vermeintlichen Notar, der danach anruft, weiter mit Details gefüttert und mehr Dramatik angereichert. „Es können noch mehr Akteure auf den Plan treten, bis das Opfer nach mehreren Stunden das Geld übergibt“. Betrugsmaschen sind einerseits Zeichen der Zeit – so kamen in der Corona-Pandemie beispielsweise schnell die ersten Enkeltrick-Varianten auf, in denen der angebliche Enkel dringend Geld wegen einer Covid-19-Erkrankung benötigt hat.

Kurz danach betritt ein zweiter Betrüger, ein angeblicher Hundezüchter, die Bühne. Er zeigt sich angetan von dem Hund und identifiziert diesen sofort als wertvollen Rassehund, den er für 500 Dollar abkaufen würde und hinterlässt seine Telefonnummer beim Wirt. Dieser wittert die Chance und nötigt den Hundebesitzer, als dieser zurückkehrt, ihm den Hund zu verkaufen. Der Wirt zahlt, doch der vermeintliche Hundezüchter ist nicht erreichbar und der Hund wertlos. Heutige Variationen dieses Tricks zielen auf Banker und Risikokapitalgeber; statt eines Hund geht es um Ölfelder und Schürfrechte.

Quellenangabe: Universität Augsburg – Thiel, Christian (2020): Liebesschwindel im Cyberspace: aktuelle Forschungsergebnisse zum Phänomen des Romance Scam im Überblick. In: Thomas-Gabriel Rüdiger, Petra Saskia Bayerl (Hg.): Cyberkriminologie: Kriminologie für das digitale Zeitalter. Wiesbaden: Springer VS, S. 241-267.DOI: 10.1007/978-3-658-28507-4_10

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