Bevölkerungsstudie zu Schuldgefühlen bei Erwachsenen

23.12.2020 Forschende der Fachhochschule Erfurt und der SRH Hochschule für Gesundheit haben erstmalig Daten zum Thema Schuldgefühle in der Allgemeinbevölkerung erhoben und ausgewertet, die nun in zwei Artikeln veröffentlicht wurden. Unter der Leitung von Professor Dr. Tobias Luck, Fachhochschule Erfurt, sowie Prof. Dr. habil. Claudia Luck-Sikorski, SRH Hochschule für Gesundheit, waren bundesweit 1003 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 97 Jahren telefonisch befragt worden.

Menschen sind fähig, ein breites Spektrum verschiedener Emotionen zu erleben. Innerhalb dieses Spektrums sind komplexe Emotionen wie Liebe, Neid oder Schuldgefühle für die Forschung besonders faszinierend. Vor allem Schuldgefühle verdienen eine erhöhte Aufmerksamkeit: einerseits können sie nützlich sein, indem sie beispielsweise zu Entschuldigungen oder Versuchen der Wiedergutmachung gegenüber anderen Menschen führen und so den sozialen Zusammenhalt stärken. Andererseits können Schuldgefühle für Betroffene sehr unangenehm und belastend sein und so zu weiteren psychischen Beeinträchtigungen führen. Trotz dieser möglichen Auswirkungen ist bisher nur wenig über Schuldgefühle in der Allgemeinbevölkerung bekannt.

Die Forscher*innen konnten zeigen, dass gut zwei Drittel (68,5%) der Erwachsenen in Deutschland schon einmal Schuldgefühle in ihrem Leben empfunden haben. Zum Befragungszeitpunkt gab zudem jeder zehnte Erwachsene (10,6%) an, auch aktuell Schuldgefühle zu empfinden. Bei einem Viertel dieser Erwachsenen waren die Schuldgefühle sogar „eher stark“ oder „sehr stark“. Weder für die aktuellen noch für die im gesamten Lebenslauf empfundenen Schuldgefühle gab es Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Die Ergebnisse widerlegen somit typische Vorurteile einer stärkeren Emotionalität von Frauen. Ein starker Zusammenhang zeigte sich hingegen zwischen aktuellen Schuldgefühlen und depressiven Empfindungen. So erfüllten rund ein Viertel (24,9%) der befragten Personen mit aktuellen Schuldgefühlen die Diagnosekriterien für das Vorliegen einer klinischen Depression. Bei den Erwachsenen ohne aktuelle Schuldgefühle waren es lediglich 5%. Insbesondere zu diesem möglichen Einfluss von Schuldgefühlen auf das Depressionsrisiko und entsprechenden Behandlungsstrategien sind weitere Studien notwendig.

Quellenangabe: SRH Hochschule für Gesundheit

Ähnliche Artikel / News / Themen




Schreiben Sie einen Kommentar / Ihre Erfahrung zu diesem Thema. Aus Lesbarkeitsgründen bitte Komma, Punkt und Absatz setzen (keine persönlichen Angaben - wie Name, Anschrift etc).

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren