Imagination von Selbstverletzung kann den Drang dazu verstärken

Bildhafte Vorstellung von Selbstverletzungen: Untersuchung mentaler Flash-Forward-Bilder als direkte und beeinflussbare Ursache für nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten

Imagination von Selbstverletzung kann den Drang dazu verstärken

23.04.2024 Lebhafte mentale Bilder von Selbstverletzungen können nach neuen Forschungsergebnissen junge Menschen einem erhöhten kurzfristigen Risiko aussetzen, sich selbst zu verletzen.

Eine in der Fachzeitschrift Suicide and Life-Threatening Behavior veröffentlichte Studie wirft ein neues Licht auf die Faktoren, die die Schwankungen des aktuellen Selbstverletzungsrisikos beeinflussen.

Es ist laut den Autoren die erste Studie dieser Art, die in Echtzeit das Auftreten von Selbstverletzungsphantasien sowie den Drang zur Selbstverletzung und das tatsächliche selbstverletzende Verhalten verfolgt.

Unter Selbstverletzung versteht man die absichtliche Beschädigung des eigenen Körpers zur Bewältigung intensiver und unerwünschter Emotionen und psychischer Belastungen, jedoch ohne Suizidabsicht.

Die Studie

An der in Australien durchgeführten Studie nahmen 43 junge Menschen im Alter von 17 bis 24 Jahren teil, die über eine Vorgeschichte von selbstverletzendes Verhalten berichteten. Sie sollten mit ihren Mobiltelefonen sieben Mal am Tag – in unterschiedlichen Abständen zwischen 30 Minuten und 2,5 Stunden – 14 Tage lang auf kurze Umfragen über die Art ihrer Gedanken und Handlungen antworten.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Auftreten von mentalen Selbstverletzungsbildern eng mit den Schwankungen des Drangs zur Selbstverletzung zusammenhängt.

Von den mehr als 450 Berichten über Imaginationen von Selbstverletzungen, die in den Umfragen erfasst wurden, enthielten mehr als 83 % Darstellungen dessen, was während des Akts der Selbstverletzung passiert, während fast 60 % „gefühlt“ den Drang der Person, sich selbst zu verletzen, verstärkten.

Wichtig ist, dass die subjektiven Gefühle der Teilnehmer über die Auswirkungen dieser mentalen Bilder mit den objektiven Veränderungen des Selbstverletzungsrisikos im Laufe der Zeit übereinstimmten. Häufigere mentale Bilder von Selbstverletzungen sagten eine stärkere Zunahme des Drangs und die Wahrscheinlichkeit voraus, diesem Drang in naher Zukunft nachzugehen.

Die Studie baut auf Forschungsergebnissen auf, wonach mentale Bilder das Potenzial haben, als neuartiges Interventionsziel für verschiedene alternative Bewältigungsverhaltensweisen zu dienen, einschließlich solcher, bei denen ein Risiko für selbstverletzendes Verhalten besteht.

Nach Ansicht der Autoren um Studienleiterin Dr. Julie Ji von der University of Plymouth werden ihre Ergebnisse Wissenschaftlern und Klinikern dabei helfen, wirksamere Interventionen zu entwickeln, die jungen Menschen helfen können, die sich selbst nicht mehr verletzen wollen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Suicide and Life-Threatening Behavior (2024). DOI: 10.1111/sltb.13081

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