Mitgefühl wird gerne vermieden, weil es viel Aufwand erfordert

Menschen vermeiden es oft, Mitgefühl für andere zu empfinden, da es ein großer (kognitiver) Aufwand sei

01.09.2021 Mitgefühl hilft beim Aufbau von Beziehungen und der Entwicklung von Sympathie für andere, wenn sie Not leiden, aber eine neue Forschungsarbeit legt nahe, dass manche Menschen aktiv Mitgefühl vermeiden, wenn sie die Wahl haben.

In einer Reihe von Studien fanden die Psychologen heraus, dass Menschen sich oft dafür entschieden, kein Mitgefühl für andere zu empfinden, weil sie es als mental zu anstrengend empfinden.

Die Forscher fanden jedoch auch heraus, dass Menschen gegenüber nahestehenden Personen, z. B. einem Familienmitglied, sich eher für Mitgefühl entschieden und dass es ihnen in diesem Zusammenhang leichter fiel, Mitgefühl zu empfinden.

Studienautor Julian Scheffer von der University of California, Berkeley, sagte, dass neue Wege gefunden werden müssen, um die Menschen zu ermutigen, sich zu öffnen und Mitgefühl für andere zu empfinden – insbesondere in Zeiten der Trennung und Not.

Die Psychologen wollten untersuchen, wie Menschen sich auf diese emotionalen Prozesse einlassen, ob sie sich ihnen nähern oder sie vermeiden und warum dies der Fall ist.

Mitgefühl und Empathie

Um diese Fragen zu untersuchen, führten die Forscher eine Reihe von Experimenten mit einer Teilnehmerzahl von 62 bis 215 durch. Sie entwarfen drei virtuelle Kartendecks, aus denen die Teilnehmer auswählen konnten und die ihnen Anweisungen für ihre Reaktion auf andere Menschen gaben – eines, das sie aufforderte, Mitgefühl für die Person auf der Karte zu empfinden, eines, das sie aufforderte, Empathie zu empfinden, und eines, das sie aufforderte, objektiv zu bleiben und die Person einfach zu beschreiben.

Mitgefühl und Empathie (Einfühlungsvermögen) mögen zwar Ähnlichkeiten aufweisen, so Scheffer, aber manche unterscheiden Mitgefühl als Gefühle der Fürsorge oder Sympathie für eine andere Person, während man bei der Empathie davon ausgeht, dass man das Leiden und die Erfahrungen einer anderen Person annimmt, als wären es die eigenen.

Die Experimente

Bei den ersten beiden Studien wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe wurde gebeten, zwischen dem Mitgefühls- und dem objektiven Deck zu wählen, während die andere Gruppe zwischen dem Empathie- und dem objektiven Deck wählen sollte.

In der ersten Studie entschieden sich die Teilnehmer nur in 25 % der Fälle für den Mitgefühlsstapel und in der zweiten Studie in 21 % der Fälle für den objektiven Stapel. Außerdem wählten sie in beiden Studien in etwa 30 % bzw. 29 % der Fälle das Empathiedeck.

Als Nächstes wurden die Teilnehmer gebeten, zwischen dem Mitgefühls- und dem Empathiestapel zu wählen. Diesmal entschieden sich die Teilnehmer eher für Einfühlungsvermögen als für Mitgefühl. Wenn sie jedoch zwischen den Decks Empathie, Mitgefühl und Objektivität wählen konnten, entschieden sich die Teilnehmer eher für die Objektivität.

Einige Psychologen und Philosophen haben behauptet, dass Mitgefühl einfacher ist als Empathie (Einfühlungsvermögen), so Cameron. Eine Möglichkeit, diese Annahme zu testen, besteht darin, sie direkt miteinander zu vergleichen und die Teilnehmer vor die Wahl zu stellen. Als wir die Menschen fragten, ob sie Mitgefühl empfinden wollten, zumindest für Fremde, wollten sie das in der Regel nicht und fanden es schwieriger als Empathie.

Schließlich wurden den Teilnehmern wieder die gleichen Kartenspiele wie in den vorangegangenen Experimenten vorgelegt, aber dieses Mal enthielten sie keine Bilder von Fremden, sondern Karten mit den Namen von Personen, die die Teilnehmer entweder sehr gut kannten oder mit denen sie gerade vertraut waren.

Fremde und Angehörige

Die Psychologen fanden heraus, dass die Menschen eher bereit waren, Mitgefühl für ihre Angehörigen als für Fremde zu empfinden, und dass dies mit geringeren Schwierigkeiten beim Mitgefühl für nahe Angehörige zusammenhing, so Scheffer. Mitgefühl ist möglicherweise wünschenswerter, wenn es sich auf vertraute Personen richtet, und wird möglicherweise als weniger schwierig empfunden.

Scheffer hofft, dass die Ergebnisse, die kürzlich im Journal of Experimental Psychology: General veröffentlicht wurden, Aufschluss darüber geben, warum manche Menschen sich dagegen sträuben, Mitgefühl für andere zu empfinden, obwohl es als ein allgemein positives Gefühl gilt.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Experimental Psychology: General, 2021; DOI: 10.1037/xge0001073

Ähnliche News, Artikel




Schreiben Sie bitte einen Kommentar / Ihre Erfahrung zu diesem Thema. Aus Lesbarkeitsgründen Punkt und Komma nicht vergessen (keine persönlichen Angaben - wie Name, Anschrift etc).

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren