Misokinesie: Hassen Sie es, wenn Menschen unruhig sind?

Studie zur Misokinesie: Hassen Sie es, wenn Menschen rumzappeln; Sie sind nicht allein

01.09.2021 Werden Sie unruhig, ärgerlich oder frustriert, wenn Sie andere zappeln sehen? Wenn ja, leiden Sie vielleicht an Misokinesie – oder dem „Hass auf Bewegungen“.

Nach neuen in Scientific Reports veröffentlichten Forschungsergebnissen der University of British Columbia zeigt etwa ein Drittel der Bevölkerung dieses psychologische Phänomen, das durch eine starke negative emotionale Reaktion auf den Anblick der kleinen, sich wiederholenden Bewegungen anderer Menschen gekennzeichnet ist.

Die Studie

Diese Studie ist die erste ihrer Art über Misokinesie, sagt der Hauptautor Sumeet Jaswal, Doktorand am Fachbereich für Psychologie der UBC. Überraschenderweise gab es bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema.

Für die Studie führten die Forscher drei separate Experimente durch, an denen insgesamt 4.100 Personen teilnahmen. Die Teilnehmer sollten angeben, ob sie empfindlich auf die Unruhe bzw. Gezappel anderer Menschen reagieren, und die emotionalen und sozialen Auswirkungen dieses Phänomens bewerten.

Die Forscher fanden heraus, dass ein Drittel der Teilnehmer empfindlich reagierte, wenn sie andere herumzappeln sahen.

Wut, Angst oder Frustration

Diese Teilnehmer wurden emotional negativ beeinflusst und erlebten Reaktionen wie Wut, Angst oder Frustration, sagt der Hauptautor der Studie, Dr. Todd Handy, ein Psychologieprofessor an der UBC. Sie waren auch sozial beeinträchtigt und berichteten über Schwierigkeiten und verminderte Freude in sozialen Situationen, bei der Arbeit und im Lernumfeld. Einige gehen deshalb sogar weniger sozialen Aktivitäten nach, sagt er.

Der Psychologie fügt hinzu, dass diese Auswirkungen mit dem Alter zuzunehmen scheinen, da die älteren Erwachsenen über ein breiteres Spektrum an Problemen berichteten.

Spiegelneuronen

Die Forscher wollen herausfinden, ob Spiegelneuronen bei Personen mit Misokinesie eine Rolle spielen. Spiegelneuronen werden aktiviert, wenn sich eine Person bewegt, aber sie werden auch aktiviert, wenn jemand sieht, wie sich andere bewegen. Daher kommt auch der Begriff „Spiegel“, denn wir „spiegeln“ die Bewegungen anderer in unserem Gehirn.

Ein Grund dafür, dass Menschen unruhig sind und herumzappeln, ist, dass sie ängstlich oder nervös sind. Wenn Personen mit Misokinesie das sehen, spiegeln sie es möglicherweise und fühlen sich ebenfalls ängstlich oder nervös, vermuten die Psychologen.

Die Forscher hoffen, dies in ihrer zukünftigen Forschung genauer zu untersuchen und herauszufinden, ob es eine genetische Komponente für diese Empfindlichkeit gibt.

An die ‚Misokinesiker‘

Menschen, die unter Misokinesie leiden, sagen die Autoren: Ihr seid nicht allein. Euer Problem ist weit verbreitet und es ist real. Als Gesellschaft müssen wir erkennen, dass viele von Euch im Stillen unter dieser visuellen Belastung leiden, die sich nachteilig auf Eure Fähigkeit auswirken kann, zu arbeiten, in der Schule zu lernen und soziale Situationen zu genießen, sagt Dr. Handy.

Es handelt sich um ein weit verbreitetes Probleme, über das noch nie jemand wirklich gesprochen hat. Wenn wir diese Diskussion in Gang bringen, gibt es Grund zur Hoffnung auf ein besseres Verständnis und bessere Ergebnisse.

© Psylex.de – Quellenangabe: Sci Rep 11, 17204 (2021). https://doi.org/10.1038/s41598-021-96430-4




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