Nahtoderfahrungen: eine Überlebensstrategie?

Studie untersuchte den evolutionspsychologischen Ursprung von Nahtoderfahrungen

02.07.2021 Nahtoderfahrungen sind aus allen Teilen der Welt, verschiedenen Zeiten und zahlreichen kulturellen Hintergründen bekannt. Diese Universalität legt nahe, dass sie einen biologischen Ursprung und Zweck haben könnten, aber was genau das sein könnte, war bisher weitgehend unerforscht.

Eine neue Studie, die gemeinsam von der Universität Kopenhagen (Dänemark) und der Universität Lüttich (Belgien) durchgeführt und in Brain Communications veröffentlicht wurde, zeigt, wie Nahtoderfahrungen beim Menschen durch evolutionspsychologische Mechanismen entstanden sein könnten.

Thanatose

Unter Einhaltung eines vorgegebenen Protokolls untersuchten die Wissenschaftler die Annahme, dass Thanatose der evolutionäre Ursprung von Nahtoderfahrungen ist, sagt Daniel Kondziella, Neurologe am Rigshospitalet, dem Universitätskrankenhaus in Kopenhagen.

Wenn Tiere von einem Raubtier angegriffen werden, können sie als letzten Verteidigungsmechanismus den Tod vortäuschen, um ihre Überlebenschancen zu verbessern, ein Beispiel ist das Opossum. Dieses Phänomen wird als Thanatose bezeichnet, auch bekannt als „death-feigning“ oder tonische Unbeweglichkeit. Als Überlebensstrategie, so Kondziella weiter, ist Thanatose wahrscheinlich so alt wie die Kampf-oder-Flucht-Reaktion.

Charlotte Martial, Neuropsychologin von der Coma Science Group an der ULiège erklärt, dass sie zunächst zeigen, dass Thanatose eine hochgradig erhaltene Überlebensstrategie ist, die an allen wichtigen Knotenpunkten in einem Kladogramm (Schema, dass Stammbäume darstellt) vorkommt, das von Insekten über Fische, Reptilien, Vögel und Säugetiere bis hin zum Menschen reicht.

Thanatose beim Menschen

Sie zeigen dann, dass Menschen, die von großen Tieren wie Löwen oder Grizzlybären, menschlichen Raubtieren wie Sexualstraftätern und ‚modernen‘ Prädatoren (Raubtieren) wie Autos bei Verkehrsunfällen angegriffen werden, sowohl Thanatose als auch Nahtoderfahrungen erleben können. Außerdem zeigen die Forscher, dass sich die Phänomenologie und die Auswirkungen von Thanatose und Nahtoderfahrungen überschneiden.

Evolutionäre Grundlage von Nahtoderfahrungen

Koautor Steven Laureys, dies lege nahe, dass Thanatose die evolutionäre Grundlage von Nahtoderfahrungen ist und dass ihr gemeinsamer biologischer Zweck der Nutzen des Überlebens ist.

Die Autoren schlagen vor, dass der Erwerb der Sprache den Menschen in die Lage versetzte, diese Ereignisse von einem relativ stereotypen Todesgefühl unter prädatorischen (räuberischen) Angriffen in die reichhaltigen Wahrnehmungen umzuwandeln, die Nahtoderfahrungen bilden und sich auf nicht-prädatorische Situationen erstrecken.

Mechanismen zur Einleitung von Nahtoderfahrungen

Bemerkenswert ist, dass die vorgeschlagenen zerebralen Mechanismen hinter dem „death-feigning“ nicht unähnlich den angenommenen Mechanismen zur Einleitung von Nahtoderfahrungen sind, einschließlich der Intrusion von Rapid-Eye-Movement-Schlaf in den Wachzustand, sagt Kondziella. Dies unterstütze die Idee, dass evolutionäre Mechanismen eine wichtige Information für die Entwicklung eines vollständigen biologischen Rahmens für Nahtoderfahrungen sein könnten.

Die Wissenschaftler glauben durch ihre Arbeit, Nahtoderfahrungen einen biologischen Zweck zuordnen zu können, nämlich dem Nutzen des Überlebens.

Die Forscher schließen: Schließlich sind Nahtoderfahrungen per Definition Ereignisse, die immer überlebt werden, ohne Ausnahme.

© psylex.de – Quellenangabe: Brain Communications, fcab132, https://doi.org/10.1093/braincomms/fcab132

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