Hochstapler-Syndrom, Impostor-Phänomen

Hochstapler-Syndrom, Impostor-Phänomen

Psychologie-Lexikon – Psyche

Definition

Definition: Das Hochstapler-Syndrom (auch bekannt als Betrügerphänomen, Impostor-Phänomen, Impostor-Syndrom, Mogelpackungs-Syndrom oder Betrugssyndrom) ist ein psychologisches Muster, bei dem Menschen an ihren Leistungen zweifeln und eine anhaltende, oft verinnerlichte Angst haben, als „Betrüger“ oder eben „Hochstapler“ entlarvt zu werden.

Der Begriff wurde von den klinischen Psychologinnen Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes geprägt.

Personen, die das Syndrom aufweisen, sind trotz positiven Feedbacks von außen zu ihrer Kompetenz nach wie vor davon überzeugt, dass sie hochstapeln und den Erfolg, den sie erreicht haben, nicht verdienen.

Der Nachweis des Erfolges wird als Glück, Zufall oder als Ergebnis der Täuschung anderer, die denken, sie seien intelligenter und kompetenter, als sie selbst glauben, abgetan.

Während sich die frühe psychologische Forschung auf die Prävalenz bei sehr leistungsfähigen Frauen konzentrierte, wurde inzwischen festgestellt, dass das Betrügersyndrom sowohl Männer als auch Frauen etwa gleich häufig betrifft.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen mit Impostor-Syndrom

15.06.2018 Eine im Fachblatt Personality and Individual Differences veröffentlichte Forschungsarbeit stellt fest, dass Personen mit Hochstapler-Syndrom (auch Impostor-Phänomen, Impostor-Syndrom, Betrüger-Phänomen genannt – s. Definition) tendenziell anders mit negativen Rückmeldungen und Verantwortung umgehen.

Das Syndrom ist ein psychologisches Phänomen, bei dem die betroffenen Personen nicht fähig sind, ihre Leistung bzw. Erfolge zu verinnerlichen. Auch wenn andere ihnen sagen, dass sie eine gute Arbeit machen, glauben Menschen mit Hochstaplersyndrom, sie hätten sich ihren Erfolg betrügerisch ‚ergaunert‘ und diesen nicht verdient.

Rebecca L. Badawy von der Youngstown State Universität und Kollegen befragten dazu Studenten mit diesem Syndrom. Auch wurden die Teilnehmer mit einem weiteren Fragebogen getestet, wie sie auf negative Rückmeldungen bei der Bearbeitung von Aufgaben reagierten.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Laut den Ergebnissen arbeiteten Männer mit Impostor-Phänomen nicht mehr so gut, sobald sie negatives Feedback erhielten und sich für ihre Leistung bei den Vorgesetzten bzw. Autoritätspersonen verantworten mussten.

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Bild: Gerd Altmann

Die befragten Frauen mit Mogelpackungs-Syndrom zeigten dagegen keine Performanceeinbrüche. Sie strengten sich nach schlechten Rückmeldungen sogar noch mehr an.

Männer würden dadurch größeren Stress erleiden und rascher aufgeben, schreiben die Studienautoren. Die weiblichen Teilnehmer strengten sich dagegen mehr an, wenn ihre Resultate begutachtet werden sollten bzw. wenn sie negatives Feedback erhielten.

Die Wissenschaftlerinnen erklären sich die Ergebnisse damit, dass Frauen sich mehr anstrengen, weil sie beziehungsorientiert sind. Männer würden sich dagegen eher an Kompetenz und Leistung orientieren.

Die Schlüsselbefunde:

  • Männer mit Betrügerphänomen können auf Leistungsreize stärker reagieren als Frauen.
  • Männer mit Impostor-Phänomen zeigten während der Aufgabe eine größere Ängstlichkeit als weibliche.
  • Männer mit Impostor-Syndrom verringerten ihre Anstrengungen und zeigten schlechtere Ergebnisse als Frauen, wenn sie zur Rechenschaft gezogen wurden.
  • Frauen mit Hochstapler-Syndrom erhöhten den Arbeitsaufwand und waren bei negativem Feedback besser als Männer.
  • Die Besorgnis über geschlechtsspezifische Verstöße kann diese Zusammenhänge erklären.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Personality and Individual Differences – https://doi.org/10.1016/j.paid.2018.04.044

Verbindung zwischen Perfektionismus und psychologischen Problemen beim Impostor-Syndrom

10.04.2019 Eine in Personality and Individual Differences veröffentlichte Forschungsarbeit mit knapp 170 Befragten bestätigte die Theorie, dass das sogenannte Impostor-Syndrom (Definition) die Verknüpfung zwischen Perfektionismus und psychischer Belastung vollständig vermittelt.

Die Antworten der Befragten erlaubten es der psychologischen Studie mit den Wissenschaftlern um Kenneth Wang von der National Research University Higher School of Economics, den Zusammenhang zwischen Perfektionismus und Imposter-Syndrom mit dem Grad der Angst zu ermitteln. Ihre statistische Analyse der Mediation bestätigte die Hypothese, dass das ‚Betrügersyndrom‘ ein Vermittler zwischen Perfektionismus und Angst ist.

Maladaptiver Perfektionismus

Eine Person, die an maladaptivem (negativem) Perfektionismus leidet, konzentriert sich auf das, was sie nicht erreicht hat, und fürchtet die ‚Aufdeckung‘. Tatsächlich führen diese Gefühle zur Entwicklung des Hochstapler-Syndroms. Letzteres wiederum verursacht psychische Belastung, sei es Angst, Stress oder Depression.

Adaptiver Perfektionismus hingegen führt nicht zu einem Impostorphänomen und seinen psychologischen Folgen, schließen die Psychologen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Personality and Individual Differences – https://dx.doi.org/10.1016/j.paid.2019.02.005

Hochstapler-Syndrom: Häufigkeit und Coping (Bewältigungsstrategien)

24.09.2019 Eine im The Journal of Vocational Behavior veröffentlichte Studie zeigt, dass die Wahrnehmungen von Impostorismus (Definition) recht verbreitet sind, und dass es gute und schlechte Möglichkeiten gibt, mit dem sogenannten Hochstapler-Syndrom umzugehen.

Häufigkeit, Prävalenz des Impostorismus

Die von Richard G.Gardner von der Universität Nevada und Kollegen durchgeführte Forschungsarbeit zeigt, dass 20 Prozent der Studenten in ihrer Stichprobe unter sehr starken Gefühlen des Imposter-Phändomens litten.

Die Forscher führten Interviews mit Studenten in einem akademischen Eliteprogramm, um die verschiedenen Bewältigungsmechanismen (Coping) zu verstehen, die die Teilnehmer benutzten, um mit diesen Emotionen fertig zu werden.

Positives Coping mit dem Hochstapler-Syndrom

Eine bestimmte Methode hob sich von den anderen ab: die Suche nach sozialer Unterstützung durch Personen außerhalb ihres akademischen Umfelds.

Die psychologischen Befunde legen nahe, dass sich die Befragten, wenn sie andere Studenten in ihrem Hauptfach „erreichen“, eher schlechter als besser fühlten. Wenn der Student jedoch die Familie, Freunde außerhalb seines Hauptfachs oder sogar Professoren „erreichte“, wurden die Wahrnehmungen des Imposter-Syndroms verringert.

Unterstützende Personen außerhalb der sozialen Gruppe scheinen in der Lage zu sein, den Betroffenen zu helfen, das Gesamtbild zu sehen und ihre Referenzgruppen zu ‚rekalibrieren‘, vermuten die Wissenschaftler.

Negative Bewältigungsversuche

Neben der Suche nach sozialer Unterstützung hat die Studie auch negative Wege aufgezeigt, wie Studenten mit Impostorismus umgehen. Einige versuchten, ihre Psyche durch Flucht in z.B. Videospiele abzulenken, verbrachten aber am Ende mehr Zeit mit Spielen als mit Lernen.

Andere versuchten zu verbergen, wie sie sich wirklich in der Nähe ihrer Peers fühlten, und taten so, als wären sie selbstbewusst und erfreut über ihre Leistung, während sie sich tief im Inneren fragten, ob sie tatsächlich dazu gehörten.

Beziehung zur Leistung beim Impostor-Phänomen

Überraschenderweise zeigt die Studie auch, dass den Wahrnehmungen des Impostorismus eine signifikante Beziehung zur Leistung fehlt. Das bedeutet, dass Menschen, die unter dem Betrügersyndrom leiden, immer noch in der Lage sind, ihre Arbeit gut zu machen, aber sie glauben einfach nicht an sich selbst.

Die Forscher erklären auch, dass soziale Faktoren das Impostor-Syndrom mehr beeinflussen als die tatsächlichen Fähigkeiten oder Kompetenzen des Betroffenen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: The Journal of Vocational Behavior – https://doi.org/10.1016/j.jvb.2019.103337

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