Geruch, Duft (Tod, gute Laune)

Geruch, Duft (Tod, gute Laune)

Biologische Psychologie

Psychologie des Riechens, des Geruchs, der Düfte: News und Forschungsartikel, die sich mit dem Erfahren, Wahrnehmen von Gerüchen beschäftigen.

Der Geruch guter Laune

28.05.2015 Kann Fröhlichkeit über den Schweiß übertragen werden und andere mit positiven Emotionen anstecken? Ein Labor-Experiment mit „Duftproben“ gibt Aufschluss.

Fröhlichkeit kann leicht erkannt werden: ein breites Lächeln, ein lautes Lachen, eine lange Umarmung. Doch nach einer in Psychological Science veröffentlichten Studie kann diese Emotion auch über einen nicht so offensichtlichen Weg von anderen erfahren werden: über den verströmten Geruch.

Chemikalien im Schweiß

Laut einem europäischen Forscherteam kann Fröhlichkeit Chemikalien hervorbringen, die über den Schweiß abgesondert werden, und dieses Schweißsignal wird von anderen Personen um uns erschnüffelt.

Die Versuche zeigen, dass wir die fröhlichen Emotionen anderer nicht nur einatmen und dadurch wahrnehmen, sondern dass wir tatsächlich selbst dadurch fröhlicher werden, sagt Psychologe Gun Semin (Utrecht Universität, Universität Istanbul und Instituto Superior de Psicologia Aplicada in Lisbon).

Schon frühere Forschungsergebnisse demonstrierten, dass negative Emotionen wie Angst oder Ekel über Gerüche im Schweiß übermittelt werden können, bemerkten die Forscher.

Das Experiment

Semins Team wollte untersuchen, ob dies auch auf positive Emotionen übertragbar ist. Sie entnahmen 12 jungen Männern Schweißproben, nachdem diese bestimmte Videos gesehen hatten. Die Videos waren so konzipiert, dass sie eine Reihe von Emotionen herbeiführten, einschließlich Fröhlichkeit und Angst.

Alle Männer waren gesund, medikamentenfrei, Nichtraucher, tranken keinen Alkohol, aßen keine stark riechenden Nahrungsmittel und übten keine sexuellen Aktivitäten während der Studiendauer aus.

36 gesunde junge Frauen rochen an den Proben, während ihre Reaktionen überwacht wurden. Die Geruchsgruppe, erklärten die Forscher, war auf Frauen beschränkt, weil Frauen normalerweise einen besseren Geruchssinn als Männer haben und auch in Bezug auf emotionales Signaling empfindlicher sind.

Verhaltenssynchronisation

Nach der Mimik-Analyse der Geruchsgruppe schloss das Forscherteam, dass es tatsächlich zu einer sogenannten „Verhaltenssynchronisation“ zwischen dem emotionalen Zustand der Schweiß-gebenden Person und der Reaktion der Person, die diesen Schweiß gerochen hat, kam.

Das heißt: die Gesichter der Frauen, die „fröhlichen Schweiß“ rochen, zeigten Gesichtsmuskelaktivitäten, die für Fröhlichkeit typisch waren.

Schweiß produzierte jedoch nicht immer eine ansteckende Reaktion bei der Schnüfflerin. Frauen, die berichteten, eine „angenehme“ oder „intensive“ Reaktion auf eine Schweißprobe zu haben, zeigten diese Reaktionen in ihren Gesichtsausdrücken nicht.

Was ist es genau, was den „fröhlichen Schweiß“ ansteckend macht? Diesem Geheimnis sind die Forscher bei dieser Studie nicht auf die Spur gekommen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Utrecht University, Universität Istanbul, Psychological Science; Mai 2015

Geruch des Todes kann Fight-or-flight-Reaktion auslösen

27.10.2015 Die aktuelle Forschung des Psychologen Dr. Arnaud Wisman an der Universität Kent legt nahe, dass Menschen – wie andere Spezies – bestimmte Gerüche als besonders bedrohlich wahrnehmen können.

Putrescin

Wisman fand heraus, dass Putrescin – die vom verwesenden Körper produzierte bzw. freigesetzte Chemikalie – eine Fight-or-flight-Reaktion (Kampf-oder-Flucht-Reaktion) beim Menschen hervorrufen kann.

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Bild: Paul McGowan

In vier verschiedenen Versuchen waren Menschen bewusst und unbewusst Putrescin ausgesetzt worden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Putrescin als (unbewusstes) Signal für die Auslösung von Bedrohungsreaktionen dienen kann. Selbst ein kurzer Kontakt mit Putrescin löste eine Steigerung der Wachsamkeit aus, gefolgt von der Bereitschaft zu flüchten (flight) oder sich aggressiv auf einen Kampf (fight) vorzubereiten, wenn Flucht nicht möglich ist.

Diese in der Zeitschrift Frontiers in Psychology veröffentlichten Ergebnisse, zeigen zum ersten Mal, dass ein Geruch einer spezifischen chemischen Verbindung (Putrescin) als ein Bedrohungssignal wahrgenommen werden kann. Bisher kamen fast sämtliche Belege für chemische Gefahrensignale von Chemikalien, die über den Körperschweiß ausgesendet werden.

Offene Verhaltensänderung durch Chemikalie

Die Forscher nehmen an, ihre Studie zeige als erste, dass eine bestimmte chemische Verbindung eine offene Verhaltensänderung bei Menschen herbeiführen könne.

Eines der Resultate durch die Putrescin-Isolation in den Bedrohungsprozessen ist, dass die Befunde bei der Bestimmung helfen können, welche sensorischen und neuronalen Bahnen eine Rolle bei der chemosensorischen Gefahrenerkennung und Verarbeitung spielen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Kent, Frontiers in Psychology; Okt. 2015

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