Testosteron und Gehirn, Psyche

Testosteron und Gehirn, Psyche

Psychoneuroendokrinologie

Denken Frauen nach Testosteronbehandlung eher wie Männer?

07.09.2015 Aus den Ergebnissen einer Studie mit Frau-zu-Mann Transsexuellen folgt, dass Sprache und Interaktion in den Gehirnen von Männern und Frauen wahrscheinlich anders gehandhabt werden.

Eine neue auf dem Kongress des European College of Neuropsychopharmacology vorgestellte Forschungsstudie zeigt, dass es bei Transsexuellen (Frau-zu-Mann) nach der Behandlung mit Testosteron zu Veränderungen in der Gehirnstruktur kommt.

Bildgebende Verfahren zeigten, dass Testosteronbehandlung – als Teil der Geschlechtsumwandlung – der mit Sprache und Wortgewandtheit verbundenen Gehirnstrukturen und Wege verändert. Dieses Ergebnis unterstützt die Annahme, dass Frauen im Allgemeinen anders mit Sprache und Interaktion umgehen als Männer.

Wortflüssigkeit

Das Geschlechtshormon Testosteron übt einen wesentlichen Einfluss auf menschliches Verhalten und Erkennungsvermögen aus. Frühere Studien haben gezeigt, dass Testosteron einen besonderen Einfluss auf die Wortflüssigkeit bzw. Wortgewandtheit hat. Aber diese Untersuchungen waren (aufgrund ethischer Gründe) limitiert, da es unmöglich gewesen ist, die direkte Wirkung des Hormons auf die Gehirnstruktur zu beobachten.

broca-wernicke

Langfristige Veränderungen im Gehirn

Nun hat eine einzigartige Studie die longitudinalen (im Laufe der Zeit) Veränderungen in den Gehirnen von Frau-zu-Mann-Transsexuellen – die kontinuierlich Hoch-Dosis-Hormontherapie als Teil ihrer sexuellen Umwandlung erhielten – zeigen können.

Bei dieser Therapie kam es zu Strukturveränderungen in Regionen des Gehirns, die eine wichtige Rolle bei der Wortflüssigkeit spielen. Dies hat weitreichende Auswirkungen, denn daraus folgt, dass Männer und Frauen Sprache und Interaktion generell anders handhaben könnten.

Broca- und Wernicke-Areal

Die Forscher aus Wien und Amsterdam arbeiteten mit 18 Frau-zu-Mann-Transsexuellen (27,6 ± 6,4 Jahre). Die Gehirne der Teilnehmer wurden vor und 4 Wochen nach der Testosteronverabreichung mit MRT gescannt.

Die Ergebnisse zeigten, dass durch die Testosteronbehandlung das Volumen der grauen Substanz in zwei bestimmten Regionen des Gehirns – dem Broca- und dem Wernicke-Areal, die hauptsächlich für die Sprachverarbeitung verantwortlich sind – reduziert wurde. Zur gleichen Zeit wurde die neuronale Bahn (weiße Substanz), die diese zwei Regionen über die Capsula extrema verbindet, stärker.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: European College of Neuropsychopharmacology; Sept. 2015

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