Prokrastination Erfahrungen, Erfahrungsberichte

Prokrastination Erfahrungen, Erfahrungsberichte

Prokrastination – Psychische Probleme

Den inneren Schweinehund überwinden

11.10.2018 Kommentar von Reen:

Ich möchte gerne das Thema im Hinblick auf die Psychologie ansprechen, welches eines meiner Hauptprobleme darstellt:

Ich neige dazu private Dinge die erledigt werden müssen (egal wie wichtig) und die mir nicht unbedingt Spaß machen vor mir herzuschieben. Es handelt sich dabei aber nicht um Antriebslosigkeit. Ist das dann trotzdem diese Prokrastination?

Sobald ich weiß ich muss etwas erledigen baut sich bei mir eine Art innerer Widerstand auf, der mich förmlich dazu „zwingt“ stattdessen lieber etwas anderes zu machen, was mir Spaß macht oder mich interessiert.

Bewusst gibt mir das in dem Moment widerrum ein Gefühl der Erleichterung à la „aus den Augen, aus dem Sinn“. Das Phänomen tritt übrigens auch bei völlig banalen Dingen auf z.B. wenn mich ein Gast um etwas zu trinken bittet. Wenn ich es allerdings von mir aus bemerke und selbstständig für Nachschub sorge, dann hab ich diesen Widerstand nicht.

Ich habe mit Hilfe meines Psychotherapeuten lange gebraucht um herauszufinden, dass dieses Verhalten einer der Hauptursachen für meine psychischen Probleme: Angst-/Panikstörung ist. Mein Unterbewusstsein straft mich nämlich extrem mit dem schlechten Gewissen, weil ich etwas nicht erledigt habe, was ich hätte erledigen müssen.

Ich habe es selbst lange Zeit nicht in Verbindung bringen können, da die Auswirkungen (also akute PA und sonstige Symptome) nicht zeitnah waren. Es lief dann eher so ab, dass ich dieses Verhalten über Wochen und Monate an den Tag gelegt habe, mich dabei gut fühlte und dann kam irgendwann urplötzlich der Rückfall mit der Brechstange.

Seitdem mir der Zusammenhang klar ist und ich versuche mein Handeln bewusster wahrzunehmen merke ich auch zeitnah das schlechte Gewissen und die aufkommenden Symptome bzw. den inneren Druck.

Mein Problem ist nur ich schaff es trotzdem nicht diesen inneren Schweinehund zu überwinden. Wenn ich mir vornehme Dinge immer sofort zu erledigen und nicht mehr aufzuschieben, dann funktioniert das i.d.R. nur 1-2 Wochen und danach falle ich wieder in den alten Trott zurück.

Ich bin ja wirklich guter Dinge, dass es ein Lernprozess ist, welcher nur seine Zeit braucht. Gleichzeitig macht mir genau das aber wieder Sorgen.

Hat jemand von euch ähnliche Probleme mit dieser „Aufschieberitist“? Für jegliche Tipps bin ich natürlich dankbar.

21.10.2018 Kommentar von Prokrastinator:

Ich habe genau die gleichen Probleme und ich merke auch deutlich dass das mit meinem Gemütszustand zusammenhängt.

Ne Lösung habe ich deswegen auch nicht parat……ne Frage aber: Wie sieht es mit Fixterminen bei dir aus? Verabredungen zu der und der Zeit, Arzttermine – alles, was so zu einem bestimmten Zeitpunkt sein „muss“?

Ich nenne das von dir Beschriebene „meine Muss-Allergie“ und es macht das Leben verdammt schwer, denn selbst schöne Dinge werden zur Qual dabei.

11.11.2018 Kommentar von Reen:

Kommt drauf an… wenn es ein Termin ist, der mir quasi aufgezwungen wird, dann hab ich damit ein Problem. Wenn ich allerdings aus eigenem Antrieb einen Termin mache, dann nicht. Hängt wohl damit zusammen, dass ich ein Kontrollfreak bin.
Sobald auch nur annähernd ein Kontrollverlust da ist (hier: ich mache nicht den Termin sondern andere) geh ich in die Veteidigungshaltung.

Was ich halt auch gemerkt habe Prokrastination macht nicht nur das eigene Leben schwer, sondern evtl. auch das von Freunden, der Familie und den Partnern.

01.02.2019 Kommentar von cora:

ich hab auch ständig mindestens ‚eine leiche im keller; habe da auch so meine Erfahrungen

04.02.2019 Kommentar von Reen:

Ja die Prokrastination passt da sehr gut, da es bei mir auch wirklich chronisch ist. An unklarer Prioritätensetzung oder schlechter Organisation liegts allerdings nicht. Ganz im Gegenteil ist die Organisation alleine schon aus beruflicher Sicht meine große Stärke.
Was da eher ins Schwarze trifft ist die erhöhte Impulsivität und die Abneigung gegen Langeweile. Perfektionismus passt im Hinblick auf den Kontrollverlust auch ganz gut.

07.02.2019 Kommentar von gnu:

Bei mir war das Prokrastinieren schon so extrem ausgeprägt, daß es an die existentielle Substanz gegangen war. Sprich: Ich habe irgendwann meine Erwerbstätigkeit einfach eingestellt.

Nicht irgendwelche Dinge getan, die mehr Freude machten, sondern irgendwas anstatt der Pflichten halt, so sinnlos es gerade auch war, nur um das nicht tun zu müssen, wovon ich noch nicht einmal begriffen hatte, daß ich da nicht länger Bock drauf hatte – … um mal etwas salopp meine Erfahrung zu beschreiben … 😉

Meiner Ansicht nach läßt sich ein Bezug zu diesem natürlichen Pflichtgefühl auch mit verhaltenstherapeutischen „Krücken“ nicht wieder homogen herstellen.

Bei mir war’s nun definitiv der Job, welcher eigentlich mal mein Traumjob gewesen war. Vielleicht war mir auch der Erfolg zu Kopf gestiegen und das leicht verdiente Geld. Das erklärt (mir) aber noch nicht, daß ich diese Verweigerungshaltung jetzt gegen ganz alltägliche und banale Pflichten genauso anwende.

Kann Dir leider aber auch keinen Rat da geben. Bin selber noch am Suchen.

08.02.2019 Kommentar von mup:

Ich kenne diese Aufschieberitis auch … Bei mir sind es gerade die Dinge, die mir wichtig sind. Irgendwie möchte ich für die besonders viel Zeit haben, mich intensiv und gut drum kümmern (=Perfektionismus 😉 ). Mal eben „zwischendurch“ lieber nicht, also aufschieben und zack: Zeitproblem…

Diese Glas-Gast-Erfahrung kenne ich auch und ich glaube bei mir liegts dadran, zulange im Leben Dinge einfach unhinterfragt getan zu haben. Dinge, die ich, w e n n ich sie damals hinterfragt h ä t t e, nicht gern getan/abgelehnt hätte. Habe ich aber nicht, sondern funktioniert.

D a s will ich heute n i c h t mehr. Also n i c h t einfach dem Gast das Wasser geben, weil „man es tut“, sondern weil ich es will, weil i c h es als richtig empfinde…
Alles auf die Gefahr hin, auch unhöflich, auffallend zu sein.
Schwer in Worte zu fassen.

09.02.2019 Kommentar von marc:

ja sowie Druck da ist baut sich ein innerer Gegendruck – eben das Aufschieben – auf. Kenn ich auch sehr gut.

Welche Erklärung hat denn dein Therapeut für diese quasi Trotzhaltung parat gehabt? Würde mich mal interessieren.

12.02.2019 Kommentar von Reen:

Er sagt es hängt im weiteren Sinne damit zusammen, dass ich unter der Angst des Kontrollverllustes leide.

14.02.2019 Kommentar von marc:

hmm, versteh ich nicht.

Er meint also nach meiner Interpretation, dass wenn äußere Umstände irgendeine Entscheidung oder Handlung erfordern, ich sozusagen nicht mehr Herr meiner Person bin?

An meiner freien Entscheidung hält mich doch aber keiner ab. Das erklärt für mich nicht die Antihaltung und Prokrastination, die man auf äußeren Druck entwickelt und unter der ich auch schon viel Bockmist gebaut habe.

16.02.2019 Kommentar von Reen:

Natürlich hält mich anschließend keiner von der freien Entscheidung ab, trotzdem wurde die Situation, dass eine Handlung bzw. Entscheidung nötig ist aufgezwungen und nicht durch mich herbeigerufen. Klar, jetzt kann man sagen, dass es unmöglich ist dies immer zu vermeiden… das weiß ich auch. Trotzdem hab ich das Problem

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