Persönlichkeitsveränderung (Psyche, Psychologie)

Persönlichkeitspsychologie

Persönlichkeitsveränderung (Psyche, Psychologie)





Psychotherapie, Psychopharmaka verändern die Persönlichkeit

Beweis für die Veränderbarkeit der Persönlichkeitseigenschaften

06.01.2017 Eine Überprüfung von 207 Studien mit mehr als 20.000 Menschen fand heraus, dass therapeutische Behandlungsmaßnahmen die Persönlichkeit der Patienten im Durchschnitt deutlich weniger neurotisch und etwas extravertierter machten.

Persönlichkeit ist nicht statisch

Die Metaanalyse widerlegt damit die Idee bzw. Vorstellung einer von Geburt oder Kindheit an festgelegten und statisch bleibenden Persönlichkeit, schreiben die Psychologie-Professoren Brent Roberts der Universität Illinois, Daniel Briley und Phil Chow von der Universität Virginia, Rong Su von der Purdue und Patrick Hill von der Carleton Universität.

Dies ist wirklich der endgültige Beweis dafür, dass die Annahme einer unveränderbaren Persönlichkeit falsch ist, sagte Roberts. Die Psychologen sagen nicht, dass sich die Persönlichkeit drastisch umorganisiert. Man nimmt nicht einen Introvertierten und wandelt ihn einfach in einen Extravertierten. Aber die Befunde demonstrieren, dass sich die Persönlichkeit wirklich entwickelt und entwickelt werden kann, sagen sie.

Neurotizismus und emotionale Stabilität

Persönlichkeitspsychologen halten Neurotizismus und den Gegenpart – die emotionale Stabilität – für sehr wichtige Persönlichkeitseigenschaften zusammen mit Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, Offenheit und Extraversion (die Big Five).

Sehr neurotische Menschen neigen zu größerer Besorgnis, Launenhaftigkeit und Depressivität im Vergleich zu anderen, und sie nehmen Ereignisse eher als Bedrohung war, sagte Roberts.

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Bild: Kathleen Bergmann

Einige klinische Psychologen sehen Neurotizismus im Kern jeder Form von Psychopathologie, ob es Drogensucht und Alkoholmissbrauch, Psychopathie, Depression oder Panikstörung ist, sagte er. Es ist nicht überraschend, dass die Forscher die größten Veränderungen beim Neurotizismus feststellen konnten, denn diese Persönlichkeitseigenschaft werde von den Therapeuten normalerweise angegangen.

Sind Persönlichkeitsänderungen möglich?

Das Studium der Persönlichkeit ist heikel, weil viele Menschen der Ansicht sind, dass die Persönlichkeit statisch für den Rest des Lebens bleibt, sobald man erstmal erwachsen ist.

Aber auch wenn es viele Belege dafür gibt, dass die Persönlichkeit im Laufe des Lebens relativ stabil ist, hat es nie irgendwelche Beweise dafür gegeben, dass die Menschen vollkommen unveränderlich, vollkommen stabil bleiben, sagte er.

Der Impuls für die neue Analyse kam aus der Überlegung, dass viele klinische Studien die Persönlichkeitseigenschaften von Teilnehmern zu Beginn und am Ende der Behandlung erfassen.

Die überprüften Studien beinhalteten Interventionen wie Kognitive Verhaltenstherapie, supportive oder psychotherapeutische Beratung, psychopharmakologische Behandlungen (z.B. mit Antidepressiva) oder eine Kombination mehrerer Ansätze, im Krankenhaus oder ambulant.

Charakterveränderungen durch Interventionen

Die Behandlungen waren deutlich mit Veränderungen der Charaktereigenschaften (gemessen durch psychologische Tests vor, während und nach den Behandlungen) im Laufe von durchschnittlich 24 Wochen verbunden, schreiben die Forscher.

Emotionale Stabilität war der primäre Charakterzug (gefolgt von Extraversion), der Veränderungen aufgrund der Therapien zeigte. Die Therapieformen (Psychopharmaka, Psychotherapie) unterschieden sich in ihren persönlichkeitsverändernden Effekten nicht sonderlich.

Patienten mit Angststörungen veränderten sich am meisten, stellte das Psychologen-Team fest. Drogensüchtige veränderten sich wenigsten.

Das Ausmaß der Änderung

Das Ausmaß der Veränderung bei der emotionalen Stabilität „war nach unseren Standards dramatisch“, sagte Roberts. Nach ungefähr drei Monaten Behandlung nahm die selbstberichtete emotionale Stabilität der Teilnehmer durchschnittlich um ungefähr die Hälfte dessen zu, was ansonsten im Verlauf des gesamten erwachsenen Lebens erreicht werden würde, sagte er.

„In Bezug auf unsere Erwartungen ist das ein bemerkenswertes Ausmaß an Änderung“, sagte er im Fachblatt Psychological Bulletin.

In ungefähr 50 der Studien wurden die Behandelten auch noch lange nach dem Ende der Therapie beobachtet, und sie schienen die Persönlichkeitsänderungen beibehalten zu haben, sagte Roberts. Die Interventionen verändern also nicht nur einfach die Stimmung, es scheint ein langfristiger Nutzen, eine langfristige Änderung der Persönlichkeit zu sein, schließt der Psychologe.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: University of Illinois, Psychological Bulletin – DOI: 10.1037/bul0000088; Jan. 2017

Der Wunsch und die Umsetzung: Persönlichkeitsveränderungen sind nicht so einfach

09.02.2020 Die meisten Menschen haben einen Aspekt ihrer Persönlichkeit, den sie gerne ändern würden, aber ohne Hilfe kann dies schwierig sein laut einer im Journal of Research in Personality veröffentlichten Studie.

Persönlichkeit eines Menschen ist in Stein gemeißelt

Im Gegensatz zu der einstmals populären Vorstellung, dass die Persönlichkeit eines Menschen mehr oder weniger in Stein gemeißelt ist, hat die psychologische Wissenschaft bewiesen, dass sich Persönlichkeiten im Laufe des Lebens verändern, oft in Übereinstimmung mit wichtigen Lebensereignissen.

Es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass Schüler in höheren Bildungseinrichtungen eher verträglich und gewissenhaft, und Menschen nach der Heirat weniger extrovertiert und im Ruhestand verträglicher sind.

Es ist zwar bekannt, dass sich Persönlichkeiten als Reaktion auf Lebensumstände verändern können, doch die Forscherin Erica Baranski vom Fachbereich Psychologie der University of Arizona fragte sich, ob Menschen zu jedem Zeitpunkt aktiv und vorsätzlich Aspekte ihrer Persönlichkeit verändern können, nur weil sie dies wünschen.

Sie und ihre Kollegen untersuchten zwei Gruppen von Menschen: etwa 500 Personen aus der Allgemeinbevölkerung im Alter von 19 bis 82 Jahren, die online an der Forschung teilnahmen und etwa 360 Studenten.

Big Five

Bei beiden Gruppen wurde mit Hilfe des „Big Five Inventory“ fünf wichtige Persönlichkeitsmerkmale erfasst:

  • Extraversion,
  • Gewissenhaftigkeit,
  • Freundlichkeit / Verträglichkeit,
  • Offenheit für Erfahrungen und
  • Neurotizismus / emotionale Stabilität.

Die Teilnehmer wurden dann gefragt, ob sie irgendeinen Aspekt ihrer Persönlichkeit ändern wollten. Wenn sie mit Ja antworteten, wurden sie gebeten, eine offene Beschreibung dessen anzuführen, was sie ändern wollten.

Die am meisten gewünschten Persönlichkeitsveränderungen

In beiden Gruppen gaben die meisten Menschen an, dass sie Extrovertiertheit, Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität steigern wollten. Die Studenten wurden sechs Monate und die allgemeine Bevölkerungsgruppe wurde ein Jahr später erneut befragt.

Keine der beiden Gruppen hatte die Persönlichkeitsziele erreicht, die sie sich zu Beginn der Studie gesetzt hatten, und einige sahen sogar Persönlichkeitsveränderungen in die entgegengesetzte Richtung.

Unerwünschte Änderungen in der Persönlichkeit

Während die allgemeine Bevölkerungsgruppe zwischen der ersten und der zweiten Runde der Datenerhebung keine Veränderung der Persönlichkeitsmerkmale zeigte, zeigte die Gruppe der Hochschulstudenten einige Veränderungen; diese gingen jedoch entweder in die entgegengesetzte Richtung als gewünscht oder betrafen andere Persönlichkeitsmerkmale als die, die die Person zu verändern beabsichtigte.

Gewissenhaftigkeit

Insbesondere die Studenten, die den stärksten Wunsch nach mehr Gewissenhaftigkeit äußerten, zeigten sechs Monate später tatsächlich weniger Gewissenhaftigkeit. Das könnte daran liegen, dass diese Personen von Anfang an ein geringes Maß an Gewissenhaftigkeit zeigten, wodurch sie von Anfang an benachteiligt wurden, sagte Baranski.

Extraversion

Darüber hinaus zeigten Studenten, die extrovertierter sein wollten, in der Folgezeit eine Zunahme bei Verträglichkeit und emotionaler Stabilität statt beim Persönlichkeitsmerkmal Extraversion.

Baranski sagte, dass sie sich vielleicht als Teil ihrer Bemühungen, sozialer und extrovertierter zu werden, tatsächlich darauf konzentrierten, verträglicher und weniger sozial ängstlich zu sein – Verhaltensweisen, die direkter mit der Verträglichkeit bzw. der emotionalen Stabilität zusammenhängen.

Baranski sagte, dass die College-Studenten vielleicht mehr Veränderungen gezeigt hätten als die allgemeine Bevölkerung, weil sie sich in einer starken Umbruchphase ihres Lebens befanden. Dennoch entsprachen die Veränderungen, die sie erreichten, nicht den Zielen, die sie sich selbst gesetzt hatten.

Der Wunsch allein reicht nicht

Insgesamt veranschaulichen die psychologischen Befunde, wie schwierig es für Menschen sein kann, Aspekte ihrer Persönlichkeit allein aufgrund von Wünschen zu verändern.

Das bedeutet nicht, dass die Menschen nicht die Veränderungen vornehmen können, die sie sich wünschen. Vielleicht brauchen sie dazu nur Hilfe von außen – von einem Psychologen, einem Freund oder vielleicht sogar einer mobilen App, die sie an ihre Ziele erinnert, vermutet die Psychologin.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Journal of Research in Personality – https://doi.org/10.1016/j.jrp.2019.103910

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