Anthropomorphismus (Psychologie)

Sozialpsychologie - Kognitive Psychologie

Definition

Anthropomorphismus (Fachbegriff für Vermenschlichung): Dabei werden Tieren, Gegenständen, Göttern, Maschinen etc. menschliche Eigenschaften, Gefühle und Absichten zugeschrieben. Das Anthropomorphisieren gilt als eine angeborene Tendenz der menschlichen Psychologie.

Personifizierung ist die damit verbundene Zuordnung der menschlichen Form und Eigenschaften zu abstrakten Begriffen wie Nationen, Emotionen und Naturkräften wie Jahreszeiten und das Wetter.

Beide haben alte Wurzeln beim Erzählen von Geschichten und in der Kunst und die meisten Kulturen besitzen traditionelle Fabeln mit vermenschlichten Tieren als Charaktere. Die Menschen schreiben auch normalerweise Wild- und ihren Haustieren menschliche Emotionen und Verhaltensmerkmale zu.

Vermenschlichung hilft bei sozialer Zurückweisung

Das bloße Denken an ein Haustier kann bei sozialer Ablehnung trösten
(aber nicht alle Menschen können davon profitieren).

08.05.2016 Eine in der Zeitschrift Anthrozoös veröffentlichte Studie der Arcadia University zeigt, dass Personen, die Tieren oder leblosen Gegenständen eher menschenähnliche Qualitäten zuweisen, bei sozialer Zurückweisung bzw. Isolation durch das bloße Denken an Tiere auch eher getröstet werden.

Die Forscher untersuchten die Fragestellung, ob Tiere eine einzigartige Fähigkeit haben, Menschen zu trösten, oder es vom Anthropomorphismus (auch Vermenschlichung: die Übertragung menschlicher Eigenschaften auf Tiere, Götter, Naturgewalten etc.
zur Definition) abhängt.

In drei getrennten Studien sollten die Teilnehmer frühere Erlebnisse sozialer Ablehnung, sozialer Akzeptanz oder einer körperlichen Verletzung (Kontrolle) noch einmal durchleben; danach wurde ihr Wohlbefinden erfasst.

Anschließend wurden sie dann gebeten, Fotos von

anzuschauen und den dort abgebildeten Objekten Namen zu geben, wonach erneut ihr Wohlbefinden gemessen wurde.

Anthropomorphisierung von Katzen, Hunden, Spielzeug

Über alle drei Versuche berichteten die Teilnehmer, die sich Namen für die Tiere ausdachten, über weniger negative Gefühle und ein abgeschwächtes Gefühl der Zurückweisung als diejenigen, die sich keine Namen ausgedacht hatten.

Ein ähnlich verbessertes Wohlbefinden nach sozialer Zurückweisung zeigten auch die Teilnehmer, die sich einen Namen für das fotografierte Spielzeug ausgedacht hatten; keine Auswirkungen dagegen hatte das Ausdenken eines Namens für die abgebildeten Menschen.

Rolle des Anthropomorphismus

Um die Rolle des Anthropomorphismus in diesem Phänomen zu untersuchen, maß Studie 3 auch die anhaltende Tendenz der Teilnehmer, Dinge und Tiere zu vermenschlichen, wobei die Probanden nur Tiere oder Spielzeug anschauten.

Es zeigte sich, dass sich das Wohlbefinden von zurückgewiesenen Teilnehmern schon allein dadurch verbesserte, wenn sie einfach nur die Fotos von Katzen oder Hunden ansahen (ohne sie zu benennen) und sie dispositionell geneigt waren, Tiere zu vermenschlichen.

Zusammengefasst legen diese Ergebnisse nahe, sagte Studienautorin Christina M. Brown vom Fachbereich für Psychologie, dass bereits ein kurzes Denken an Katzen oder Hunde eine wirksame Strategie zur Verbesserung der eigenen Gefühle bei sozialer Ablehnung ist, und dass generelle Vorgänge - bei denen Anthropomorphismus beteiligt ist - diese verbessernde Wirkung erzielen können.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Arcadia University, Anthrozoös - DOI:10.1080/20414005.2015.1067958; Mai 2016

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Vermenschlichter Gott?

08.05.2016 Kommentar von Fragender:

Daraus ergibt sich auch eine interessante Fragestellung: Spendet Gott einigen Menschen Trost, weil er von ihnen vermenschlicht wird? Oftmals wenden sich ja Menschen auch gerade einem Gott zu, wenn sie soziale Zurückweisung erfahren.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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