Vertrauen (Psychologie) II

Vertrauen (Psychologie)

Sozialpsychologie

Forschung/Newsartikel zum Vertrauen aus psychosozialer Sicht (zwischenmenschliches Vertrauen).

Vertrauen lässt Herzen synchroner schlagen

10.09.2015 Forscher der Aarhus Universität untersuchten die Beziehung zwischen Herzrate und Vertrauen.

Sie gaben 37 Teilnehmerpaaren die Aufgabe, zusammen Lego-Autos zu bauen. Während die Teilnehmer einer Kontrollgruppe nur die Lego-Aufgabe ausführen sollten, spielte die zweite Gruppe ein Investment-Spiel aus der Spieltheorie (das sogenannte Public Goods Game oder auch Öffentliche-Güter-Spiel). Das Spiel hatte das Ziel, das Element des Vertrauens in das Experiment einzubringen.

„Wenn Menschen Vertrauen zwischen sich aufbauen, synchronisieren sich ihre Herzen und schlagen wie eines. Vertrauen ist ein notwendiger Bestandteil für erfolgreiche Zusammenarbeit und für unsere Gesellschaft“, sagte Studienautor Panagiotis Mitkidis.

Die Studie zeigte, dass es eine größere physiologische Reaktion in der Form einer Zunahme der Synchronizität bei den Herzfrequenzen der Teilnehmer in der ‚Vertrauensgruppe‘ gab – verglichen mit der Kontrollgruppe.

Spiel des Vertrauens

Das Spiel beinhaltete eine simulierte finanzielle Investition der Teilnehmer. Sie hatten die Möglichkeit, etwas oder all ihr Geld in einen gemeinsamen Pool zu investieren, aus dem jeder die ‚Gewinne‘ bekäme (die Summe wurde in jedem Spiel multipliziert).

Das Spiel wurde so aufgebaut, um sicherstellen, dass der Gewinn für die Gruppe als Ganzes größer war, wenn alle Teilnehmer einander vertrauten und ihr gesamtes Geld investierten.

Herzen schlagen wie eines

Die Studie ergab, dass die Synchronisation der Herzfrequenz deutlich höher in der ‚Vertrauensgruppe‘ war. Die Erregung der Herzrate (in Schlägen pro Minute gemessen) war ebenfalls bedeutend höher, wenn vertraut wurde.

Mitkidis erwähnt, dass das Vertrauenselement die erhöhten Herzraten in der Vertrauensgruppe erklären kann, weil die Teilnehmer ein gewisses Risiko eingehen, wenn sie sich mit dem Investitionsspiel beschäftigen. Die Aufregung durch die Aufgabe selbst könnte möglicherweise die Zunahme der Herzfrequenz erklären, aber nicht die Synchronisation.

Die Ursache für die synchronen Herzschläge ist unbekannt. Panagiotis Mitkidis schreibt in der Zeitschrift Journal of Physiology and Behavior, dass Synchronizität in einer autonomen Physiologie ein Zeichen für Beziehung, Verbundenheit und die Verbesserung der Gruppendynamik ist.

Ein weiterer Indikator dafür ist, dass die Synchronizität der Herzrate eine deutliche Vorhersagevariable für Erwartungen im ‚Öffentliche-Güter-Spiel‘ ist – ein Hinweis auf Präferenzen und Überzeugungen hinsichtlich des Verhaltens der anderen.

Die meisten früheren Studien zum Vertrauen haben die hormonelle Basis (z.B. die Wirkung von Oxytocin auf das Sozialverhalten) und nicht die physiologischen Reaktionen – wie die Herzfrequenz – untersucht. Folglich führt die Studie neue Methoden ein, das Sozialverhalten zu studieren.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Aarhus Universität, Journal of Physiology and Behavior; Sept. 2015

Vertrauenswürdigkeit: Erscheinungsbild wichtiger als Reputation

Unsere Entscheidungen, Leuten unser Geld anzuvertrauen, oder jemanden als glaubwürdig einzustufen, basieren eher darauf, wie sie aussehen, als auf ihr Verhalten, laut einer Studie der Universität von Warwick.

Aussehen ist wichtiger als der Ruf

In einer vor kurzem, in der Zeitschrift PLoS One, herausgegebenen Studie, versuchten Forscher der Warwick Business School, des University College London und des Dartmouth College, USA, mit einer Serie von Versuchen herauszufinden, ob Menschen Entschlüsse treffen, die auf der Vertrauenswürdigkeit der Gesichter Anderer basierten.

aussehen-vertrauen
Bild: Erscheinungsbild vs. Reputation

Sie stellten fest, dass Menschen wahrscheinlicher einem Anderen Geld leihen, wenn dessen Gesicht generell als vertrauenswürdig wahrgenommen wird, sogar wenn ihnen negative Informationen über den Ruf dieser Person erzählt worden war.

Das Team verwendete einen Computeralgorithmus, um einen Satz von 20 Gesichter-Paaren an entgegengesetzten Enden einer Vertrauenswürdigkeitsskala zu erschaffen. Diese Computersoftware modifiziert die scheinbare Vertrauenswürdigkeit von Gesichtern durch Ändern der Merkmale.

Der Versuch zur Vertrauenswürdigkeit

Die Forscher waren in der Lage, die ‚unfakeable‘ Merkmale (jene, die sich auf die Form des Gesichts bezogen) experimentell zu manipulieren, so dass ein Gesicht vertrauenswürdig oder unzuverlässig aussah. Diese 40 Gesichter wurden dann bei einer Serie von Vertrauens-Versuchen mit menschlichen Teilnehmern benutzt.

Jedem Teilnehmer wurde eine Geldsumme gegeben und gesagt, dass sie einen Teil des Betrags oder alles in einen Treuhänder investieren konnten, dessen Gesicht auf dem Bildschirm erschien.

Jeder Betrag, den sie investierten, würde sich verdreifachen und es wurde Ihnen gesagt, dass es dem Treuhänder dann überlassen würde, zu entscheiden, wie viel er ihnen zurückgeben würde. So bekamen die Teilnehmer einen Anreiz nur in Treuhänder zu investieren, von denen sie glaubten, dass sie mehr als den investierten Betrag zurückzugeben bereit sein werden.

Menschen vertrauen eher dem Aussehen als dem Verhalten / Charakter

Die Forscher stellten fest, dass 13 von 15 Teilnehmern, im Durchschnitt mehr in die vertrauenswürdigen Personen investierten.

In einem zweiten Versuch gaben die Forscher den Freiwilligen Informationen darüber, ob die Treuhänder eine gute oder schlechte ‚Vergangenheit‘ hatten – also einen guten oder schlechten Ruf. Sogar mit diesem Insiderwissen war der Durchschnittsbetrag, der in Jene investiert wurde, die ‚vertrauenswürdig‘ aussahen, 6% höher.

Dr. Chris Olivola von der University of Warwick’s Warwick Business School sagte: „Treuhänder mit positiver bzw. negativer Reputation profitierten gleichstark durch vertrauenswürdig aussehende Gesichtsmerkmale. Der Versuchung, Fremde nach ihren Gesichtern zu beurteilen, ist schwer zu widerstehen.

Vertrauen: Instinkt siegt über Vernunft

Vertrauenswürdigkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften für soziale und ökonomische Interaktionen, und unsere Studie prüfte, ob die Menschen potenziell kostspielige Maßnahmen im Einklang mit ihren Urteilen hinsichtlich gesichtsbasierter Vertrauenswürdigkeit ergreifen.

„Es scheint, dass wir immer noch bereit sind, unseren eigenen Instinkten zu folgen, wenn wir überlegen, dass jemand so aussieht, als ob wir ihm vertrauen können“.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: PLoS One. Mai 2012



Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren