Vertrauen (Psychologie) III

Vertrauen (Psychologie)

Sozialpsychologie

Forschung/Newsartikel zum Vertrauen aus psychosozialer Sicht (zwischenmenschliches Vertrauen).

Gesichtsmerkmale, die Vertrauen erwecken, können unsere Intuition täuschen

28.07.2016 Forscher der University of British Columbia berichten im Fachblatt Psychology, Crime & Law, dass bestimmte Gesichtsmerkmale – womit nicht der Gesichtsausdruck (die Mimik) gemeint ist – beeinflussen können, ob man jemanden als vertrauenswürdig einstuft.

Aussehen wichtiger als Verhalten und Aussagen?

Psychologie-Professor Stephen Porter und Alysha Baker stellten in zwei Studien fest, dass Menschen oft Vertrauen und Zuverlässigkeit einer Person allein nach bestimmten Gesichtsmerkmalen beurteilen.

Die Befunde dieser und vorheriger Studien der Forscher legen nahe, dass das physische Äußere größere Implikationen für die angenommene Vertrauenswürdigkeit und andere Charakterzüge haben kann, als wie man sich verhält und was man sagt, erläuterte Porter. Die Auswirkungen in den sozialen Beziehungen, am Arbeitsplatz und im Strafrecht sind enorm.

In den Studien sollten die Teilnehmer ein Video anschauen, allein auditiv vorgetragene Gesuche anhören oder ein Foto von Menschen begutachten, die öffentlich um die Rückkehr einer vermissten verwandten Person baten. Sie sollten dann ihre persönlichen Einschätzungen zur allgemeinen Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit dieser Personen abgeben.

Beeinflussende Gesichtsmerkmale

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Bild: Katrin Baustmann

Viele Informationen, die unsere Eindrücke über die Zuverlässigkeit einer Person nähren, werden vom Gesicht abgeleitet, sagte Baker. Insbesondere gibt es bestimmte Gesichtsmerkmale, die einen Menschen vertrauenswürdiger aussehen lassen – wie höhere Augenbrauen, ausgeprägtere Wangenknochen, ein runderes Gesicht.

Andere Eigenschaften lassen einen weniger vertrauenswürdig aussehen – wie z.B. nach unten gezogene Augenbrauen oder ein schmaleres Gesicht, sagte sie.

Intuition ist fehleranfällig

Die Studien zitierten bei dem Experiment zwei echte Kriminalfälle: einen mit einer 81-jährigen Frau, und einen mit einem Vater eines vermissten neunjährigen Mädchens. Die Leute glaubten dem öffentlichen Appell der Seniorin nach Gerechtigkeit, auch wenn später festgestellt wurde, dass sie ihren Mann ermordet hatte. Viele schätzten den Vater als Lügner ein – basierend auf seinen Gesichtsmerkmalen – auch wenn er sich später als unschuldig erwies.

Wenn wir einem Menschen begegnen, bilden wir uns automatisch und sofort einen Eindruck darüber, ob er / sie unseres Vertrauens würdig ist – weil, diese Art der Bewertung evolutionär unserem Überleben diente. Zum Beispiel, eine Bewertung als ‚Freund oder Feind‘, sagte Baker.

Besonders problematisch im Rechtssystem

Wir sind uns normalerweise nicht über diese schnelle Entscheidung bewusst, und sie kann als ‚Intuition‘ erlebt werden, aber im Rechtssystem kann das sehr problematisch sein, weil diese ersten Eindrücke häufig grundlos sind und zu einer voreingenommenen Urteilsfindung führen können, sagte sie.

Baker warnt, dass in einem juristischen Rahmen Menschen mit einem weniger vertrauenswürdigem Aussehen härter beurteilt werden und andere Strafen erhalten könnten als diejenigen mit einem vertrauenswürdigeren Aussehen.

Dies ist z.B. in den Vereinigten Staaten vorgekommen, wo wenig vertrauenswürdig ausschauende Männer mit größerer Wahrscheinlichkeit die Todesstrafe erhielten als vertrauenserweckende Menschen, die wegen des gleichen Verbrechens verurteilt wurden.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: University of British Columbia, Psychology, Crime & Law – DOI: 10.1080/1068316X.2016.1190844; Juli 2016

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