Empathie, Mitgefühl für Tiere

Empathie, Mitgefühl für Tiere

Tiere – Psychologie

Gibt es eine Verbindung zwischen den eigenen Haustieren und der Ernährungsweise? Wer besitzt eher Mitgefühl / Empathie für Tiere?

15.04.2018 Menschen, die mit einer größeren Vielfalt von Haustieren aufwachsen, wechseln als Erwachsene deutlich wahrscheinlicher zu einer vegetarischen Ernährung und zeigen damit mehr Mitgefühl / Empathie laut einer psychologischen Studie, die im Fachblatt Appetite erschien.

Sydney Heiss und Julia Hormes vom Fachbereich Psychologie der Albany Universität untersuchten die Faktoren, die eine Rolle bei der Entscheidung spielen, im Erwachsenenalter auf Tierprodukte zu verzichten und damit Mitgefühl für Tiere zu zeigen.

Wer ernährt sich eher vegan bzw. vegetarisch?

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Bild: Frank Kellner

Die beiden befragten 325 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren, die von Social-Media-Webseiten zur Ernährung (darunter auch zu den Themen Vegetarismus und Veganismus) rekrutiert wurden.

Von den Teilnehmern wurden demographische Informationen erfasst und welcher vegetarischen Ernährung sie folgten: also, ob sie sich vorwiegend

  • karnistisch“ (Fleisch aßen),
  • „flexitarisch“ (meist vegetarisch, aber isst manchmal Fleisch),
  • „semi-vegetarisch“ (isst einige Tiere bzw. Fleischprodukte, verzichtet aber auf andere),
  • „pescetarisch“ (isst Fisch, Eier und Milchprodukte, aber verzichtet auf andere Fleischprodukte),
  • „Lacto-ovo-vegetarisch“ (isst Eier und Milchprodukte, verzichtet aber auf jegliches tierisches Fleisch),
  • „vegan“ (keine tierischen Produkte) oder
  • „roh-vegan“ (konsumiert ausschließlich ungekochte nicht-tierische Produkte) ernährten.

Haustiere in der Kindheit

Heiss und Hormes bewerteten dann die Überzeugungen und Einstellungen der Personen in Bezug auf die Verwendung von Tieren in Lebensmitteln, Kleidung und Forschung und befragten sie zu ihrem Besitz und ihrer Beziehung zu Haustieren in der Kindheit.

Die Teilnehmer wurden nach der Anzahl und Art ihrer Haustiere in der Kindheit gefragt, wie oft sie für die Pflege ihrer Tiere verantwortlich waren, wie nahe sie sich dem/den Tier(en) fühlten, etc.

Überzeugungen und Einstellungen auf Tierverwertung bzw. -Konsum

Nach einer statistischen Analyse aller Antworten fand das Psychologinnen-Duo:

  • Befragte, die Haustiere in der Kindheit besaßen, ernährten sich deutlich wahrscheinlicher im Erwachsenenalter vegetarisch oder vegan, als Personen ohne Haustiere in der Kindheit.
  • Teilnehmer, die mehrere Haustiere besaßen (d.h. Hamster, Hunde und Katzen, im Gegensatz zu nur Hunden oder nur Katzen), verzichteten eher auf eine breitere Palette von tierischen Produkten (z.B. Verzicht auf alle tierischen Produkte im Gegensatz zu nur Fleisch) als diejenigen, die weniger Haustiere besaßen.
  • Eine größere Vielfalt von Haustieren führte zu einem stärkeren Widerstand gegen die Ausbeutung von Tieren, was wiederum zu einem geringeren Konsum von Tierprodukten führte.
  • Die Nähe zum Haustier war ein wichtiger Indikator für die Wahrscheinlichkeit, als Erwachsener auf tierische Produkte zu verzichten.

Mitgefühl für Tiere in der Nutzhaltung

Es scheint, als ob sich Menschen, die verschiedene Arten von Haustieren hatten, leichter in Tiere in der Nutzhaltung oder in der Forschung einfühlen konnten, sagt Heiss. Zum Beispiel kann jemand, der nur einen Hund hatte, Schwierigkeiten haben, Empathie für eine Kuh zu empfinden, während jemand, der mit Nutztieren aufgewachsen ist, sich empathischer gegenüber allen Tieren zeigen kann.

Obwohl Studien dazu bereits existieren und eine mögliche Verbindung zwischen Haustierbesitz und der Einschränkung des Konsums von Tierprodukten nahelegen, stellt Hormes fest, dass es einen entscheidenden Unterschied zu dieser jüngsten Studie gibt.

Nähe zu einem Haustier in der Kindheit

Frühere psychologische Forschungen haben gezeigt, dass die Nähe zu einem Haustier in der Kindheit der Schlüsselfaktor ist, der ein erhöhtes Einfühlungsvermögen und Vegetarismus im Erwachsenenalter voraussagt, schreibt Hormes.

Die aktuellen Ergebnisse legen nahe, dass es mehr als einen Weg zum Vegetarismus im Erwachsenenalter gibt – die Verbindung zwischen der Zahl der Haustiere in der Kindheit, den ethischen / moralischen Bedenken in Bezug auf die Tötung / Verwendung / Konsum von Tieren und der Ausprägung des Vegetarismus sind deutlich, schließen die Psychologinnen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Albany Universität; Appetite (2017). DOI: 10.1016/j.appet.2017.12.005

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