Arbeitsplatzunsicherheit und die Psyche

Arbeitsplatzunsicherheit und die Psyche

Arbeitspsychologie, Wirtschaftspsychologie, Persönlichkeitspsychologie

Arbeitsplatzunsicherheit wirkt sich negativ auf Persönlichkeit und psychische Gesundheit aus

28.02.2020 Eine in Journal of Applied Psychology veröffentlichte Studie zeigt, dass chronische Arbeitsplatzunsicherheit die Persönlichkeit und psychische Gesundheit der Betroffenen zum Schlechteren verändern kann.

Befragte, die über mehr als vier Jahre Arbeitsplatzunsicherheit ausgesetzt waren, zeigten sich emotional weniger stabil, weniger verträglich und weniger gewissenhaft, stellten die Forscher um Chia-Huei Wu fest.

Die Daten von 1.046 Beschäftigten, die an der Umfrage zu Haushalt, Einkommen und Arbeitsdynamik in Australien über einen Zeitraum von 9 Jahren teilgenommen haben, wurden analysiert.

Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit


Bild: pixabay

Arbeitsplatzunsicherheit und die andere berufsbezogenen Variablen (d.h. Arbeitskontrolle, Zeitbedarf und Arbeitsstress) wurden in allen Jahren gemessen, und die Persönlichkeit wurde im ersten, fünften und neunten Jahr erfasst.

Die Ergebnisse zeigen, dass chronische Arbeitsplatzunsicherheit über vier oder fünf vorangegangene Jahre hinweg eine leichte Zunahme bei Neurotizismus (begünstigt psychische Störungen) und eine leichte Abnahme der Verträglichkeit in beiden Zeiträumen sowie eine leichte Abnahme der Gewissenhaftigkeit im ersten Zeitraum voraussagte.

Definition

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin definiert Arbeitsplatzunsicherheit (Job Insecurity) als sowohl subjektive (quantitative) Arbeitsplatzunsicherheit mit „Befürchtungen von Beschäftigten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren“ und als (qualitative) Arbeitsplatzunsicherheit „als wahrgenommene Bedrohung, wichtige und wertgeschätzte Charakteristika des Arbeitsplatzes zu verlieren“.

Chronischer Arbeitsstress

Die Forscher stellten auch fest, dass chronischer Arbeitsstress den Zusammenhang zwischen chronischer Arbeitsplatzunsicherheit und der Zunahme von Neurotizismus, aber nicht die Veränderungen anderer Persönlichkeitsmerkmale im ersten Zeitrahmen erklärte.

Ähnliche Ergebnisse wurden erzielt, als der gesamte 9-Jahres-Zeitraum untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigten im Allgemeinen keine Auswirkungen der chronischen Arbeitsplatzunsicherheit in Bezug auf Extraversion und Offenheit (die Merkmale, die die Plastizität widerspiegeln).

Diese Studie zeigt, dass Arbeitsplatzunsicherheit wichtige Auswirkungen auf Psyche bzw. die Persönlichkeit hat, wenn sie über einen längeren Zeitraum besteht, schließen die Forscher.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Journal of Applied Psychology (2020). DOI: 10.1037/apl0000488

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