Unternehmensgründung (Psychologie)

Unternehmensgründung (Psychologie)

Psychologie-Lexikon – Wirtschaftspsychologie

News aus der Forschung zur Wirtschaftspsychologie, die beleuchten, welche psychologischen Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmensgründung wichtig sind, wie z.B. Motivation, Strategien, psychische Faktoren.

Pessimismus lohnt sich im Hinblick auf die Unternehmensgründung

10.10.2018 Optimistisches Denken führt Menschen dazu, Unternehmen zu gründen, die keine realistische Aussicht auf finanziellen Erfolg haben, zeigt eine neue Forschungsarbeit, die erklären kann, warum z.B. nur fünfzig Prozent der Unternehmen in Großbritannien die ersten fünf Jahre überleben.

Optimismus vs. Pessimismus

Die im Fachblatt European Economic Review veröffentlichte psychologische Studie, die Menschen auf dem Weg von der bezahlten Beschäftigung zur Gründung eines eigenen Unternehmens verfolgte, ergab, dass Unternehmer mit überdurchschnittlichem Optimismus rund 30 Prozent weniger verdienen als solche Unternehmer, die eher pessimistisch blieben. Viele der Optimisten wären gut beraten gewesen, angestellt zu bleiben, schließen die Studienautoren.

mann mit krawatte
Bild: Unsplash (pixabay)

Die in der European Economic Review veröffentlichte Studie der Universität Bath, der London School of Economics and Political Science und der Cardiff Universität untersuchte die finanziellen Folgen der Unternehmensgründung für Optimisten – Menschen, die dazu neigen, ihre Chancen auf Erfolg zu überschätzen und das Risiko eines Scheiterns / Versagens zu unterschätzen.

Aussichtslose Unternehmungen

Trotz der Tatsache, dass Unternehmer im Durchschnitt weniger verdienen, länger arbeiten und mehr Risiken tragen als ihre Kollegen in einer bezahlten Beschäftigung, denken Optimisten fälschlicherweise eher als Pessimisten, dass sie eine gute Geschäftsmöglichkeit gefunden haben, und dass sie das Zeug dazu haben, sie erfolgreich zu nutzen.

Realisten und Pessimisten fahren weniger wahrscheinlich mit ihrem aussichtslosen unternehmerischen Vorhaben fort.

Eine zu optimistische Einstellung

Studien berichten übereinstimmend, dass etwa 80 Prozent der Bevölkerung eine zu optimistische Einstellung haben. Dies kann den Ehrgeiz und die Ausdauer erhöhen, andere zur Zusammenarbeit ermutigen und die Leistung allgemein verbessern. Bedenklich ist jedoch, dass die Wahl auf der Grundlage fehlerhafter Bewertungen auch zur Teilnahme an Aktivitäten führt, die zum Scheitern verurteilt sind.

Dr. Chris Dawson schreibt, dass zu viele Menschen zu unbedacht Unternehmen starten bzw. gründen, zumindest im Hinblick auf die persönliche Rendite. Als Gesellschaft feiern wir Optimismus und unternehmerisches Denken, aber wenn die beiden zusammenkommen, lohnt es sich, einen Realitäts-Check durchzuführen.

‚Die Höhle des Löwen‘

Jede Episode von Dragon’s Den der BBC (die deutsche Kopie nennt sich ‚Die Höhle des Löwen‘) bietet Beispiele für ein solches Wunschdenken. Pessimismus mag im Allgemeinen nicht als wünschenswertes Merkmal angesehen werden, aber er schützt die Menschen davor, schlechte unternehmerische Projekte zu verfolgen.

Die Studie analysierte Daten aus 18 Jahren der British Household Panel Survey – einer großen Längsschnittstudie – die Optimismus als Verzerrung bei der Vorhersage persönlicher finanzieller Ergebnisse (während die Teilnehmer noch im Beschäftigungsverhältnis standen) und deren Auswirkungen auf die unternehmerische Rendite. Interessant wären allerdings auch die psychologischen Auswirkungen gewesen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: European Economic Review – dx.doi.org/10.1016/j.euroecorev.2018.08.007