Studie: Schlaf und längere Bettzeit können depressive Symptome verschlechtern

09.10.2020 Schlaf und Depression hängen eng zusammen: Schlaf oder im Bett dösen führen bei einigen Patienten nicht zu Erholung, sondern zu einer Verschlechterung der depressiven Symptome. Das zeigt die neueste Studie des Forschungszentrums Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Schlafentzug in Kliniken oder eine leichte Reduktion der Bettzeit, die Patienten zuhause vornehmen können, sind unterstützende Wege zur Behandlung.

Langzeitanalyse zu Schlaf und Depression

Dabei zeigt sich: bei 11 dieser Patienten geht in statistisch signifikanter Weise eine längere Bett- oder Schlafzeit mit einer Verschlechterung der Depression einher. Wobei bei 6 von ihnen eine vorhergehende längere Bettzeit zu mehr depressiven Symptomen führt und diese damit möglicherweise sogar verursacht werden.

„Wenn Betroffene bei sich den Zusammenhang zwischen Depression und Bettzeit verstehen, dann können in Rücksprache mit dem Behandler daraus ganz individuelle Therapieempfehlungen abgeleitet werden. Beobachtet ein Patient beispielsweise, dass er sich nach längeren Bett- oder Schlafzeiten noch erschöpfter fühlt, so kann eine Verkürzung der Bettzeit auf circa 8 Stunden sinnvoll sein“, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg-Professur an der Universität Frankfurt/M. die Ergebnisse.

Aktuell arbeitet die Stiftung Deutsche Depressionshilfe an einer App, die Patienten zur Dokumentation des Schlafverhaltens und der Stimmung zur Verfügung gestellt werden kann. Die App soll 2021 kostenfrei zugänglich sein.

Der zugrundeliegende Mechanismus kann gut am Beispiel von übermüdeten Kindern verdeutlicht werden: Müde Kinder werden plötzlich überaktiv und sind voller Energie. Der Körper braucht eigentlich Schlaf.

Dem steuert das müde Kind jedoch entgegen, indem es eine reizintensive Umgebung schafft, die das Einschlafen verhindert. Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben ebenso eine erhöhte Einschlafneigung, wie in Studien gezeigt wurde. In einer ruhigen Umgebung, z.B. im Schulunterricht, neigt der Organismus zum Einschlafen und steuert gegen, indem er – ähnlich wie bei den übermüdeten Kindern – durch Hyperaktivität und Ablenkbarkeit eine reizintensive Umwelt schafft.

Sie neigen dazu, früher ins Bett zu gehen, morgens länger liegen zu bleiben und sich auch tagsüber hinzulegen – immer in der Hoffnung, zu entspannen und wieder zu Kräften zu kommen. Allerdings beginnt ein Teufelskreis: Denn Schlaf führt bei vielen Betroffenen zu einer Zunahme der Depression, da nach dem Schlaf die Wachheit gestärkt und die Anspannung besonders hoch ist. Bei vielen Betroffenen sind deshalb morgens die Depressionssymptome am stärksten.

Die Mehrheit der Patienten erlebt dabei, dass sich in den frühen Morgenstunden die Stimmung plötzlich aufhellt und die oft seit Monaten bestehende Erschöpfung und auch die Hoffnungslosigkeit abklingen.

Dieser Effekt hält jedoch nur bis zum nächsten Schlaf an. „Der Schlafentzug zeigt den Erkrankten, dass die Depression durchbrochen werden kann und vermittelt dadurch wieder Hoffnung“ erläutert Hegerl. Auch Sport ist eine gute unterstützende Maßnahme bei Depression, da Bewegung müde macht und der hohen Wachheit entgegenwirkt.

„Für Patienten ist es hilfreich zu merken, dass die Stimmung meist schlechter ist, wenn sie länger im Bett bleiben. Sie können mit dem Arzt klären, ob es sinnvoll wäre, trotz Erschöpfungsgefühl später ins Bett zu gehen und morgens zeitiger aufzustehen und die Bettzeit auf circa 8 Stunden zu begrenzen“, empfiehlt Prof. Ulrich Hegerl.

Quellenangabe: Stiftung Deutsche Depressionshilfe

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