Semantische Distanz und Kreativität

Kreativere Menschen können Ideen mit größeren „Abständen“ dazwischen denken

22.07.2021 Können Sie drei Wörter nennen, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen? Wie wäre es mit vier, fünf oder sogar zehn? Einem internationalen Forscherteam der McGill University, der Harvard University und der University of Melbourne zufolge könnte diese einfache Übung, bei der nicht verwandte Wörter benannt und dann die semantische Distanz zwischen ihnen gemessen wird, als objektives Maß für Kreativität dienen.

Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie verwendet die Divergent Association Task (DAT), ein vierminütiger Test mit zehn Wörtern, um einen Aspekt des kreativen Potenzials zu messen.

Die DAT wurde ursprünglich von Jay Olson entwickelt, inspiriert von einem Spiel aus der Kindheit, bei dem es darum ging, an nicht zusammenhängende Wörter zu denken. Er fragte sich, ob eine ähnliche Aufgabe als einfacher und eleganter Weg dienen könnte, um divergentes Denken zu messen, also die Fähigkeit, verschiedene Lösungen für ein Problem mit offenem Ausgang zu finden.

Während Studien über Kreativität und ihre Natur nicht neu sind, ist über den Prozess selbst relativ wenig bekannt.

Kreativität ist grundlegend für das menschliche Leben, erklärt Olson. Je besser wir ihre Komplexität verstehen, desto besser können wir die Kreativität in all ihren Formen fördern.

Eine leichtere und einfachere Art, Kreativität zu testen

Mit Hilfe des DAT baten die Forscher die Teilnehmer, 10 Wörter zu nennen, die sich möglichst stark voneinander unterscheiden. Ein Rechenalgorithmus ermittelte dann den durchschnittlichen semantischen Abstand zwischen den Wörtern. Je verwandter die Wörter waren (z. B. „Katze“ und „Hund“), desto kürzer war die semantische Differenz im Vergleich zu weniger verwandten Wörtern (z. B. „Katze“ und „Buch“).

Die erste Studie des Teams zeigte moderate bis starke Korrelationen zwischen der semantischen Distanz und zwei häufig verwendeten Kreativitätsmaßen (der Alternative Uses Task und der Bridge-the-Associative Gap Task). In einer nachfolgenden Studie mit 8.500 Teilnehmern aus 98 Ländern variierten die semantischen Distanzen nur geringfügig nach demographischen Variablen, was darauf hindeutet, dass das Maß in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen eingesetzt werden kann.

Insgesamt korrelierte die semantische Distanz mindestens so stark mit etablierten Kreativitätmesswerten wie diese Maße untereinander. Viele herkömmliche Kreativitätsmessungen erfordern zeitintensive und subjektive Bewertungsprozeduren, was große und multikulturelle Auswertungen schwierig macht.

Unsere Aufgabe misst nur einen Bruchteil einer Form von Kreativität, sagt Olson. Aber diese Ergebnisse ermöglichen Kreativitätsbewertungen in größeren und vielfältigeren Stichproben mit weniger Verzerrungen, was uns letztendlich helfen wird, diese grundlegende menschliche Fähigkeit besser zu verstehen.

© psylex.de – Quellenangabe: Proceedings of the National Academy of Sciences (2021). DOI: 10.1073/pnas.2022340118




Schreiben Sie einen Kommentar / Ihre Erfahrung zu diesem Thema. Aus Lesbarkeitsgründen bitte Punkt und Komma nicht vergessen (keine persönlichen Angaben - wie Name, Anschrift etc).

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren