PTBS: Gene und Vererbung

PTBS: Gene und Vererbung

Hinweis auf Vererbung der Anfälligkeit

08.05.2017 Eine große neue im Fachblatt Molecular Psychiatry publizierte Studie des Psychiatric Genomics Consortium stellt die ersten molekularen genetischen Belege zur Verfügung, dass genetische Einflüsse eine Rolle bei der Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach einem Trauma spielen.

Gemeinsame genetische Überlappung mit anderen psychischen Störungen

Der Forschungsbericht erweitert frühere Befunde, die zeigten, dass es eine gemeinsame genetische Überlappung zwischen PTBS und anderen psychischen Störungen wie Schizophrenie gibt.

Sie zeigen auch, dass das genetische PTBS-Risiko für Frauen am größten ist.

Ursache für Resilienz

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Bild: Gerd Altmann

Kriegsgefangene, in Kämpfe verwickelte Personen und Vergewaltigungsopfer – viele Personen, die extremen traumatischen Erlebnissen ausgeliefert wurden, entwickeln keine Posttraumatische Belastungsstörung, schreiben die Wissenschaftler. Warum?

Die Forscher um Karestan Koenen, Professor für psychiatrische Epidemiologie an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, nehmen an, dass die genetische Variation ein wichtiger Faktor für das Risiko der Entstehung von PTBS bzw. der Resilienz ist.

Die neue Studie analysierte die Daten von 20.070 Menschen aus 11 multiethnischen Studien aus verschiedenen Teilen der Welt und unterstützt die Annahme, dass die Genetik einen gewissen Anteil bei der Entwicklung von PTBS hat – der vorher bereits durch Zwillingsstudien dokumentiert worden war.

Genetische Anfälligkeit bei Frauen

Mit Hilfe von Genom-weiten Daten fanden die Forscher, dass unter europäisch-amerikanischen Frauen der Einfluss genetischer Faktoren für die Entwicklung von PTBS 29 % beträgt, was mit dem Einfluss bei anderen psychiatrischen Störungen vergleichbar ist.

Im Gegensatz dazu war das genetische Risiko bei Männern für PTBS wesentlich niedriger.

Schizophrenie, Bipolare Störung, Depression

Die Forscher fanden starke Belege dafür, dass Personen mit einem höheren genetischen Risiko für einige psychische Erkrankungen – einschließlich Schizophrenie, und in einem geringeren Ausmaß Bipolare Störung und klinische Depression – auch ein höheres genetisches Risiko für die Entwicklung von PTBS nach einem traumatischen Ereignis hatten.

Es wurden jedoch keine Einzelnukleotid-Polymorphismen (Variation eines einzelnen Basenpaares in einem DNA-Strang) gefunden, die die genomweite Bedeutung in der transethnischen (Gesamt-) Metaanalyse übertrafen und die Forscher konnten keine bislang gemeldeten Verknüpfungen replizieren.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Harvard Universität, Molecular Psychiatry – doi: 10.1038/mp.2017.77; April 2017

Große Studie zeigt, dass PTBS eine starke genetische Komponente hat

20.10.2019 Eine in Nature Communications veröffentlichte Forschungsarbeit stellt fest, dass PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) eine starke genetische Komponente hat, die anderen psychiatrischen Erkrankungen ähnlich ist.

Die Genetik macht zwischen fünf und 20 Prozent der Variabilität des PTBS-Risikos nach einem traumatischen Ereignis aus, schreiben die Wissenschaftler.

Polygene Erkrankung

Auch soll PTBS, wie andere psychische Erkrankungen und viele andere menschliche Merkmale, hochpolygen sein, d.h. mit Tausenden von genetischen Varianten im gesamten Genom verknüpft sein, die jeweils einen kleinen Beitrag zur Erkrankung leisten.

Sechs Genomregionen, die als Loci-Harbor-Varianten bezeichnet und stark mit dem Erkrankungsrisiko verbunden scheinen, sollen einige Hinweise auf die biologischen Mechanismen geben, die an der PTBS beteiligt sind.

Drei der sechs Genorte waren spezifisch für bestimmte angestammte Hintergründe – zwei europäische und ein afrikanischer – und drei wurden nur bei Männern entdeckt.

Entzündungs- und Immunmechanismen

Die sechs Loci deuten darauf hin, dass Entzündungs- und Immunmechanismen an der psychischen Erkrankung beteiligt sein können, was mit den Ergebnissen früherer Studien übereinstimmt.

Genomweit hatte eine beträchtliche Anzahl von Varianten eine gewisse Verknüpfung mit PTBS, was zeigt, dass die Erkrankung sehr polygen ist. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Erblichkeit der PTBS – der Grad des Einflusses der Genetik auf die Variabilität des PTBS-Risikos in der Population – zwischen fünf und 20 Prozent liegt, mit einer gewissen Variabilität nach Geschlecht. Diese Ergebnisse galten für verschiedene Abstammungsgruppen.

Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen, Verhaltensweisen und körperlichen Merkmalen

Da viele Verhaltensmerkmale und psychiatrische Störungen eine gemeinsame genetische Basis haben, suchte das Team auch nach genetischen Zusammenhängen zwischen PTBS und 235 anderen Erkrankungen, Verhaltensweisen und körperlichen Merkmalen.

Sie fanden signifikante Überschneidungen mit 21, einschließlich Depressionen, Schizophrenie, Neurotizismus, Schlaflosigkeit, Asthma und koronarer Herzkrankheit.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Nature Communications – https://dx.doi.org/10.1038/s41467-019-12576-w

Die Expression bestimmter Gene kann die Anfälligkeit für eine posttraumatische Belastungsstörung beeinflussen

04.06.2020 Die Ergebnisse einer in Cell Reports veröffentlichten Studie deuten darauf hin, dass es bei der Anfälligkeit für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) eine Rolle spielen könnte, ob bestimmte Gene ein- oder ausgeschaltet werden.

Konfrontiert mit wiederholten, lang andauernden oder schweren Psychotraumata scheinen einige Personen anfälliger für PTBS zu sein, während andere widerstandsfähiger sind. Die Feststellung, welche Personen anfällig für PTBS sein könnten – und warum – kann Psychologen helfen, wirksame Interventionen zu entwickeln.

Zur Untersuchung verwendeten die Wissenschaftler genetische Daten von 195.684 Personen (29.539 mit PTBS und 166.145 ohne PTBS), die von der Psychiatric-Genomics-Consortium-PTSD-Gruppe (PGC-PTSD) gesammelt wurden, um die Expressionsmuster von Genen im Gehirn und anderen Geweben auf der Grundlage von Modellen des maschinellen Lernens vorherzusagen.

Das Team fand zwei Gene, von denen genetisch vorhergesagt wurde, dass sie bei Personen mit PTBS im Vergleich zu Personen ohne PTBS auf verschiedenen Ebenen exprimiert werden.

SNRNP35 und ZNF140

Personen mit PTBS neigten in der Studie dazu, eine geringere Expression eines Gens namens SNRNP35 im Gehirn und eine höhere Expression eines Gens namens ZNF140 im Blut aufzuweisen.

Die Forscher stellten fest, dass die Expression von SNRNP35 in einer Hirnregion, die an der Stressbewältigung beteiligt ist, wichtig zu sein scheint.

Was das ZNF140-Gen betrifft, so ist bekannt, dass das von diesem Gen kodierte Protein die Expression von Genen in Immunzellen, die im Blut zirkulieren, beeinflusst. Daher kann eine höhere Expression von ZNF140 die Immunantwort des Körpers beeinflussen, um die Anfälligkeit für PTBS zu erhöhen.

Die Studie bietet Informationen zur Entwicklung von biologischen Tests und potenzielle Ziele für die Behandlung mit Medikamenten, sagte der Hauptautor Nikolaos P. Daskalakis vom McLean Hospital.

Weitere Studien sind erforderlich, um die detaillierten Mechanismen hinter den Auswirkungen verschiedener Gene auf die Anfälligkeit für PTBS und die Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) zu untersuchen, schließen die Autoren.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Cell Reports (2020). DOI: 10.1016/j.celrep.2020.107716

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