Schizophrenie: Infektionen

Schizophrene Störungen

Schwere Infektionen treten bei Schizophrenen häufiger auf

06.04.2017 Menschen mit Schizophrenie haben ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen laut einer auf dem European Congress on Psychiatry in Florenz vorgestellten Studie der Syddansk Universitet.

Die vorläufigen Studienbefunde weisen (die Richtung einer Kausalität konnte nicht bestimmt werden) auf ein zum Teil stark vergrößertes Risiko für Infektionen aller Art hin, sagte Studienautorin Monika Pankiewicz-Dulacz. Dessen sollten sich Patienten und Kliniker bewusst sein und entsprechende Vorkehrungen treffen (Hygiene, Ernährung, Lebensstil, Medikamente, Behandlung von Begleiterkrankungen und Impfungen), schlossen die Forscher.

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Bild: Arek Socha

Die Forscher untersuchten die Daten von fast 894.000 Menschen in Dänemark. Fast 8.000 Menschen aus dieser Gruppe hatten Schizophrenie. Alle waren zwischen 1975 und 1990 geboren worden.

Die Studienautoren fanden, dass die Rate ansteckender Krankheiten 36 Prozent bei Schizophrenen und 25 Prozent bei Nicht-Schizophrenen betrug.

Personen mit Schizophrenie hatten somit allgemein ein um 63 Prozent erhöhtes Risiko für eine schwere Infektion im Vergleich zur übrigen Bevölkerung.

Spezifische Infektionen

Die Raten bestimmter schwerer Infektionen bei Personen mit Schizophrenie und denen in der allgemeinen Bevölkerung:

Die Forscher berücksichtigten einige Störfaktoren, die die Daten hätten beeinflussen können; trotzdem blieb ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen: z.B. ein doppelt so hohes Risiko für Tuberkulose, Haut-, urologische oder genitale Infektionen.

Die Forscher fanden auch, dass Süchte und andere Gesundheitsprobleme die wichtigsten Faktoren für eine schwere Infektion waren. Jeder erhöhte das Infektionsrisiko um das 2,7-fache sowohl bei schizophrenen als auch gesunden Personen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Syddansk Universitet, European Congress on Psychiatry; April 2017

Schizophrene zeigen eine abnormale Immunantwort auf Epstein-Barr-Virus-Infektion

13.01.2019 Eine im Schizophrenia Bulletin veröffentlichte Studie zeigt, dass Menschen mit Schizophrenie auch höhere Werte an Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) haben, ein Herpesvirus, das infektiöse Mononukleose, die sogenannte Mono oder Monoinfektion, verursacht.

EBV

Die Forscher schlagen zwei Erklärungen für den Zusammenhang von erhöhten Immunreaktionen bei Patienten mit Schizophrenie und EBV-Infektion vor:
Schizophrenie könnte das Immunsystem dieser Patienten verändern und sie anfälliger für EBV machen, oder EBV-Infektionen könnten das Risiko für eine schizophrene Störung erhöhen.

EBV verursacht zunächst Fieber und geschwollene Lymphknoten und wird häufig durch Mundkontakt wie Küssen übertragen. In schweren Fällen kann es sich auf das zentrale Nervensystem ausbreiten und eine chronische Infektion verursachen. Die Forscher wollten den Zusammenhang zwischen EBV-Infektionen und Schizophrenie untersuchen.

Erhöhte Antikörperwerte

Die Wissenschaftler führten eine Studie mit 743 Personen durch - 432 mit einer Schizophreniediagnose und 311 ohne Vorgeschichte einer psychiatrischen Störung als Kontrollgruppe. Rund 55 Prozent der Teilnehmer waren Männer.

Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass Menschen, die sowohl Hinweise auf ein erhöhtes genetisches Risiko für Schizophrenie als auch auf einen erhöhten Antikörperspiegel gegen EBV hatten, eine mehr als achtmal höhere Wahrscheinlichkeit hatten, zur Schizophreniegruppe zu gehören - im Vergleich zu den Kontrollen.

Etwa 10 Prozent der Personen mit Schizophrenie hatten sowohl erhöhte Antikörper als auch ein erhöhtes genetisches Risiko - verglichen mit etwas mehr als 1 Prozent bei den Kontrollteilnehmern.

Prävention und Behandlung

Die Wissenschaftler beobachteten also bei Personen mit Schizophrenie eine ungewöhnliche Reaktion auf eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Dies deutet darauf hin, dass die Prävention und Behandlung des Epstein-Barr-Virus (derzeit gibt es allerdins keine zugelassenen Medikamente) einen Ansatz für die Vorbeugung und Behandlung schwerer psychiatrischer Störungen wie Schizophrenie darstellen könnte, schließen die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Schizophrenia Bulletin - DOI: 10.1093/schbul/sby164

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