Selbstverletzendes Verhalten: Häufigkeit

Selbstverletzendes Verhalten, Selbstverletzungen:
Häufigkeit, Inzidenz

Psychische Störungen – Selbstschädigendes Verhalten

Das Eisbergmodell zur Häufigkeit selbstverletzenden Verhaltens

19.12.2017 Forscher haben ein ‘Eisbergmodell’ zur Häufigkeit von Selbstverletzungen entwickelt, das zeigt, wie groß das Problem in der Gesellschaft, insbesondere bei jungen Mädchen, ist und wie wichtig schulische Präventionsmaßnahmen sind.

Das Team der Universität Oxford verwendete nationale Daten zu Suizid, Krankhaus-Daten zu Selbstverletzungen aus fünf Krankenhäusern und Daten über selbstverletzendes Verhalten aus einer groß angelegten Schulumfrage, um die relative Auftretenshäufigkeit (Inzidenz) von tödlichem und nicht tödlichem selbstverletzenden Verhalten (SVV) bei 12- bis 17-jährigen Jugendlichen in England abzuschätzen und beschrieb diese in Form eines Eisbergmodells, mit:

  1. tödlichen Selbstverletzungen z.B. Selbstmord, ein offenkundiges, aber ungewöhnliches Verhalten (die Spitze des Eisbergs);
  2. SVV, das zu einer Registrierung bei klinischen Diensten führt, insbesondere bei Allgemeinkrankenhäusern, und das ebenfalls offenkundig, aber üblich ist; und
  3. SVV, das in der allgemeinen Bevölkerung auftritt, das zwar üblich, aber weitgehend verborgen bleibt (der untergetauchte Teil des Eisbergs).

Die geschätzten Häufigkeiten

rothaariges Mädchen
Bild: Georg Hodan

Die geschätzten Häufigkeiten der tödlichen und nicht tödlichen Selbstverletzungen zeigen, dass es für jeden Jugendlichen, der durch Suizid starb, ungefähr 370 Heranwachsende gab, die sich ins Krankenhaus wegen selbstschädigenden Verhaltens begaben, und 3.900 Jugendliche, die über Selbstverletzungen in der allgemeinen Bevölkerung berichteten.

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass jedes Jahr in England etwa 21.000 Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren nach SVV ein Krankenhaus aufsuchen und 200.000 Selbstverletzer nicht das Krankenhaus aufsuchen.

Die Wissenschaftler zeigen weiter, dass die Suizidrate bei jugendlichen Männern zwar doppelt so hoch war wie bei Frauen, die Inzidenz von Fällen, die im Krankenhaus landen und ambulanten nicht-tödlichen Selbstverletzungen bei Frauen jedoch wesentlich höher war als bei Männern.

Jüngere Jugendliche

Bemerkenswert ist, dass die Selbstverletzungshäufigkeit in der Gesellschaft bei jüngeren Heranwachsenden (12-14 Jahre alt) so hoch war wie bei älteren Jugendlichen (15-17 Jahre alt), einem Alter, in dem selbstverletzendes Verhalten vermutlich seinen Höhepunkt erreicht, schreiben die Forscher um Professor Keith Hawton und Dr. Galit Geulayov vom Centre for Suicide Research im Fachblatt The Lancet Psychiatry.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: University of Oxford; The Lancet Psychiatry – DOI: 10.1016/S2215-0366(17)30478-9; Dez. 2017

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