Soziale Medien: Entzug, Entzugserscheinungen

Soziale Medien / Social Media
Entzug, Entzugserscheinungen

Suchtkrankheiten und Abhängigkeit

Selbst eine kurze Abstinenz von Social Media verursacht Entzugserscheinungen

14.11.2018 In vielen Fällen reicht eine siebentägige Auszeit von den Social-Media-Plattformen wie Facebook und WhatsApp aus, um Entzugserscheinungen – wie bei Drogen zu beobachten sind – hervorzurufen laut einer in Cyberpsychology, Behavior and Social Networking veröffentlichten Forschungsarbeit.

Craving, Langeweile und Stimmungsveränderungen

Die Studie konnte klassische Entzugserscheinungen beobachten: darunter

  • deutlich erhöhtes Craving (Verlangen),
  • Langeweile und
  • einen Einfluss auf die Stimmung.

Überraschenderweise konnten 90 der 152 Teilnehmer sieben Tage lang nicht auf die sozialen Online-Medien verzichten, ohne “rückfällig” zu werden.

Nur wenige waren bereit für den Entzug

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Bild: Gerd Altmann

An der Studie nahmen 152 Personen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren teil, davon 70% Frauen.

Zur Tatsache, dass mehr als 1.000 Menschen die Einladung zur Teilnahme gesehen haben, aber nur etwa 30% von ihnen an einer Teilnahme interessiert waren und letztlich knapp 15% bereit waren, Zeit außerhalb von Social Media zu verbringen, sagte Stefan Stieger vom Fachbereich für Psychologie und Psychodynamik von der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, dass dies auf Teilnehmer der Studie deute, die es einfacher finden würden, auf Social Media zu verzichten.

Dies weise wiederum daraum hin, dass deren Entzugserscheinungen leichter sein könnten als bei anderen Menschen, die eine stärkere Abhängigkeit von den sozialen Medien aufwiesen. Also könnte der Effekt auf andere Menschen noch viel ausgeprägter sein.

Auswirkungen auf die Stimmung

Bei den Auswirkungen auf die Stimmung der Probanden standen die Beobachtungen der Forscher im Widerspruch zu ihren intuitiven Annahmen. Obwohl die anschließende Analyse ergab, dass diese Beobachtungen statistisch nicht signifikant waren, zeigte die Studie, dass nicht nur das Gefühl der positiven Stimmung bei einigen Teilnehmern – wie erwartet – verringert wurde, sondern das Gleiche galt auch für negative Empfindungen.

Dies war sowohl unerwartet als auch überraschend, da es nicht mit typischen Entzugserscheinungen übereinstimmt, bei denen ein stärkeres Gefühl negativer Stimmungen zu erwarten wäre.

Viele wurden rückfällig

Ebenso überraschend war die Zahl der Teilnehmer, die während der siebentägigen Abstinenzzeit einen Rückfall erlitten und Social Media nutzten. Obwohl dies nur selten (im Durchschnitt weniger als zweimal) und für kurze Zeit (durchschnittlich drei Minuten) der Fall war, haben fast 60% der Probanden während des Entzugs “betrogen” und waren rückfällig geworden.

Dies ist aus Sicht von Stieger ein Zeichen dafür, wie tief eingebettet die sozialen Online-Medien im Alltag verankert sind und wie schwierig es daher ist, an einer Zusage festzuhalten, auf soziale Medien zu verzichten, auch bei denen, die zum Entzug bereit sind.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking (2018). DOI: 10.1089/cyber.2018.0070

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