ADHS: Computergestütztes kognitives Training nicht wirksam

Metaanalyse untersuchte Wirksamkeit von computergestütztem kognitiven Training bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

ADHS: Computergestütztes kognitives Training nicht wirksam

29.03.2023 Eine umfassende Überprüfung von Forschungsergebnissen unter der Leitung des Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience (IoPPN) am King’s College London und der University of Southampton im Auftrag der European ADHD Guidelines Group (EAGG) ergab, dass es wenig bis gar keine Belege dafür gibt, dass computergestütztes kognitives Training für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) von Nutzen ist.

Das computergestützte kognitive Training ist ein Online-Tool zur Verbesserung kognitiver Prozesse wie Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit und Hemmungskontrolle (die Fähigkeit, Aufmerksamkeit, Verhalten, Gedanken und Gefühle zu kontrollieren). Es wurde als Behandlungsoption vorgeschlagen, um die Symptome von Hyperaktivität/Impulsivität und Unaufmerksamkeit zu verringern, die den Kern von ADHS ausmachen.

Das Review-Team führte eine Metaanalyse von 36 randomisierten kontrollierten Studien durch (Studien, in denen Personen nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugewiesen werden, um eine bestimmte Maßnahme zu testen), in denen die Auswirkungen des kognitiven Trainings am Computer auf die Behandlungsergebnisse bei Personen mit ADHS untersucht wurden.

Die in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry veröffentlichte Studie ergab, dass das kognitive Training nicht zu einer klinisch bedeutsamen Verringerung der ADHS-Gesamtsymptome oder der spezifischen Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptome führt. Es kann jedoch in einigen Fällen zu einer leichten Verbesserung der Unaufmerksamkeit führen.

In den meisten Studien absolvierten die Teilnehmer das computergestützte kognitive Training zu Hause. Einige absolvierten das Training in der Schule, in einem Labor, in einer Klinik/einem Krankenhaus oder in einem gemischten Setting (Wechsel zwischen mehreren). Bei einer begrenzten Anzahl von kognitiven Prozessen – insbesondere beim Arbeitsgedächtnis (der Fähigkeit, Informationen kurzfristig im Gedächtnis zu behalten und zu verarbeiten) – kam es nach einem speziellen Arbeitsgedächtnistraining zu einigen Verbesserungen. Dies könnte für die Untergruppe der Personen mit ADHS, die auch Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis haben, von Nutzen sein.

Die Autoren erklären, dass die Ergebnisse die Verwendung des kognitiven Trainings am Computer in seiner derzeitigen Form als eigenständige Behandlung von ADHS-Symptomen nicht unterstützen und dass neue Ansätze, die auf andere Prozesse abzielen, erforscht werden sollten, um wirksame Interventionen für ADHS zu entwickeln.

© Psylex.de – Quellenangabe: Molecular Psychiatry (2023). DOI: 10.1038/s41380-023-02000-7

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