ADHS und Autismus: Retina als Biomarker?

Diskrete Wavelet-Transformationsanalyse des Elektroretinogramms bei Autismus-Spektrum-Störung und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

18.06.2022 Es wird oft gesagt, dass „die Augen alles verraten“, aber unabhängig von ihrem äußeren Ausdruck könnten die Augen auch auf neurologische Entwicklungsstörungen wie Autismus-Spektrum-Störungen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) hindeuten laut neuen Forschungsergebnissen der Flinders University und der University of South Australia.

In der ersten Studie dieser Art fanden die Forscher heraus, dass die Aufzeichnungen der Netzhaut (Retina) unterschiedliche Signale für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) aufzeigen können und somit einen potenziellen Biomarker für beide Erkrankungen darstellen.

Untersuchung der Netzhaut

Mit Hilfe des Elektroretinogramms (ERG) – einem diagnostischen Test, der die elektrische Aktivität der Netzhaut als Reaktion auf einen Lichtreiz misst – fanden die Forscher heraus, dass Kinder mit ADHS insgesamt eine höhere ERG-Energie aufwiesen, während Kinder mit Autismus weniger ERG-Energie zeigten.

Optometrist Dr. Paul Constable von der Flinders University sagt, die vorläufigen Ergebnisse seien vielversprechend für eine verbesserte Diagnose und Behandlung in der Zukunft.

„Autismus-Spektrum-Störungen und ADHS sind die häufigsten neurologischen Entwicklungsstörungen, die im Kindesalter diagnostiziert werden. Da sie aber oft ähnliche Merkmale aufweisen, kann die Diagnose beider Erkrankungen langwierig und kompliziert sein“, sagt Constable.

„Unsere Forschung zielt darauf ab, dies zu verbessern. Indem wir erforschen, wie Signale in der Netzhaut auf Lichtreize reagieren, hoffen wir, genauere und frühere Diagnosen für verschiedene neurologische Entwicklungsstörungen zu entwickeln.

“ Netzhautsignale haben spezifische Nerven, die sie erzeugen; wenn wir also diese Unterschiede identifizieren und sie auf spezifische Bahnen lokalisieren können, die verschiedene chemische Signale nutzen, die auch im Gehirn verwendet werden, dann können wir deutliche Unterschiede bei Kindern mit ADHS und ASS und möglicherweise anderen neurologischen Entwicklungsstörungen aufzeigen.“

Die in Frontiers in Neuroscience veröffentlichte Studie liefert erste Belege für neurophysiologische Veränderungen, die nicht nur ADHS und ASS von typisch entwickelten Kindern unterscheiden, sondern auch Hinweise darauf, dass sie anhand von ERG-Merkmalen voneinander unterschieden werden können, schließen die Wissenschaftler.

© Psylex.de – Quellenangabe: Frontiers in Neuroscience, 2022; 16 DOI: 10.3389/fnins.2022.890461

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