ADHS und körperliche Erkrankungen

ADHS bei Erwachsenen ist mit zahlreichen körperlichen Erkrankungen verbunden

12.07.2021 Erwachsene mit ADHS haben ein höheres Risiko für eine Vielzahl von körperlichen Erkrankungen, einschließlich Erkrankungen des Nervensystems, der Atemwege, des Bewegungsapparates und des Stoffwechsels. Dies ergab eine große registerbasierte Studie des Karolinska Institutet, die in The Lancet Psychiatry veröffentlicht wurde.

Frühere Studien legen ein erhöhtes Risiko für eine Reihe von körperlichen Erkrankungen bei Erwachsenen mit ADHS nahe, aber nur wenige dieser Zusammenhänge wurden gründlich erforscht. Darüber hinaus fehlen detaillierte Behandlungsrichtlinien für Erwachsene mit ADHS und gleichzeitig auftretenden körperlichen Erkrankungen weitgehend. Nun haben Forscher des Karolinska Institutet mögliche Zusammenhänge zwischen ADHS und einer Reihe von körperlichen Erkrankungen im Erwachsenenalter untersucht, und ob genetische oder umweltbedingte Faktoren beteiligt sind.

Über vier Millionen Personen (Vollgeschwister und mütterliche Halbgeschwisterpaare), geboren zwischen 1932-1995, wurden durch schwedische Register identifiziert und zwischen 1973-2013 verfolgt. Die klinischen Diagnosen wurden aus dem schwedischen nationalen Patientenregister gewonnen. Die Forscher untersuchten das Risiko für 35 verschiedene körperliche Erkrankungen bei Personen mit ADHS im Vergleich zu Personen ohne ADHS und bei Geschwistern von Personen mit ADHS im Vergleich zu Geschwistern von Personen ohne ADHS.

Verbunden mit vielen Erkrankungen

Personen mit ADHS hatten ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für alle untersuchten körperlichen Erkrankungen außer Arthritis. Die stärksten Verknüpfungen wurden für Erkrankungen des Nervensystems, der Atemwege, des Muskel-Skelett-Systems und des Stoffwechsels gefunden. Die am stärksten mit ADHS verbundenen Diagnosen waren alkoholbedingte Lebererkrankungen, Schlafstörungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Epilepsie, Fettlebererkrankung und Adipositas. ADHS wurde auch mit einem leicht erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Parkinson und Demenz in Verbindung gebracht.

Diese Ergebnisse sind wichtig, weil eine Stimulanzien-Therapie bei ADHS-Patienten mit gleichzeitig auftretenden Herzerkrankungen, Bluthochdruck und Leberversagen sorgfältig überwacht werden muss, sagt Studienautor Henrik Larsson.

Zugrundeliegende genetische Faktoren

Das erhöhte Risiko wurde größtenteils durch zugrundeliegende genetische Faktoren erklärt, die sowohl zu ADHS als auch zur körperlichen Erkrankung beitrugen, mit Ausnahme von Störungen des Nervensystems und altersbedingten Krankheiten. Vollgeschwister von Personen mit ADHS hatten ein signifikant erhöhtes Risiko für die meisten körperlichen Erkrankungen.

Die Forscher wollen nun die zugrundeliegenden Mechanismen und Risikofaktoren sowie den Einfluss von ADHS auf die Behandlung und Prognose von körperlichen Erkrankungen bei Erwachsenen untersuchen.

© psylex.de – Quellenangabe: Ebba Du Rietz et al, Mapping phenotypic and aetiological associations between ADHD and physical conditions in adulthood in Sweden: a genetically informed register study, The Lancet Psychiatry (2021). DOI: 10.1016/S2215-0366(21)00171-1

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