Bildhaftes Sprachverständnis stützt sich auf motorische Regionen des Gehirns

Studie untersuchte Auswirkungen eines Schlaganfalls mit motorischen Störungen auf das Verstehen neuer und konventioneller Handlungsmetaphern

24.01.2022 „Nach einem Strohhalm greifen“; „den Löffel abgeben“; „das Recht mit Füßen treten“ oder „gegen die Wand laufen“. Unsere Sprache ist voll von bildhaften Ausdrücken, die eine Bedeutung haben, indem sie an körperliche Aktionen des menschlichen Körpers erinnern.

In den letzten zehn Jahren hat eine Reihe wissenschaftlicher Studien gezeigt, dass Gehirnregionen, die anscheinend nur für körperliche Bewegungen zuständig sind, auch an unseren sprachlichen Fähigkeiten beteiligt sind.

Beispielsweise wirkt eine Verletzung des sensomotorischen Kortex sich auch auf das Verständnis von Aktionsverben aus, die mit diesem Bereich zusammenhängen. So kann ein Schlaganfallüberlebender, der seine Hand nur eingeschränkt bewegen kann, auch schlechter handbezogene Verben wie „handhaben“ oder „greifen“ identifizieren oder benennen.

Nun ist ein Team von Neurowissenschaftlern einen Schritt weiter gegangen und hat gezeigt, dass die für körperliche Bewegungen zuständigen Gehirnregionen auch an der Fähigkeit beteiligt sind, nicht-wörtliche, metaphorische Sprache zu verstehen.

Geringeres Verständnis von Handlungsmetaphern bei Überlebenden eines motorischen Schlaganfalls unterstützt die Theorie der verkörperten Sprache

Um die Hypothese zu testen, dass Metaphern wie die wörtliche Sprache auf sensomotorischen Repräsentationen beruhen, untersuchten die Forscher die Fähigkeiten der Teilnehmer, vier Kategorien von Metaphern zu verstehen: übliche handlungsbezogene Metaphern (z. B., „auf Holz klopfen“); neuartige handlungsbezogene Metaphern (z. B. „sie überschütteten ihn mit Jubel“); gängige nicht-handlungsbezogene Metaphern (z. B. „sie war ein kalter Fisch“); und neuartige nicht-handlungsbezogene Metaphern (z. B. „sie wog weniger als ihr eigener Schatten (nur noch ein Schatten ihrer selbst)“).

Eine Studiengruppe von 14 rechtshändigen erwachsenen Schlaganfallüberlebenden mit leichter bis mittelschwerer Schwäche der rechten Körperhälfte wurde mit einer Kontrollgruppe von 23 Teilnehmern ohne neuromotorische Beeinträchtigungen verglichen. Die Forscher sagten voraus, dass Handlungsmetaphern in der Schlaganfallgruppe weniger genau sein würden als in der gesunden Gruppe und dass neuartige Handlungsmetaphern weniger genau sein würden als bereits erlernte Metaphern.

Auf einem Bildschirm wurde den Teilnehmern ein geschriebener metaphorischer Satz gezeigt, und sie sollten dann aus vier handgezeichneten Bildern dasjenige auswählen, das die metaphorische Bedeutung des Satzes korrekt wiedergibt. Um den Gebrauch der Hand oder der oberen Extremität zu vermeiden, sollten alle ihre Antwort laut aussprechen, wobei der Versuchsleiter dann die entsprechende Antwort auswählte. Das Stimulus-Set bestand aus insgesamt 55 Metaphern, und alle Teilnehmer bearbeiteten die Aufgabe innerhalb von 15 Minuten.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Schlaganfallgruppe eine signifikant geringere Genauigkeit für Handlungsmetaphern aufwies als für Nicht-Handlungsmetaphern. Die Schlaganfallgruppe zeigte auch eine signifikant geringere Genauigkeit beim Verstehen der weniger vertrauten neuen Metaphern. Diese Ergebnisse stützen die Theorie, dass motorische Hirnregionen nicht nur für das wörtliche, handlungsbezogene Sprachverständnis wichtig sind, sondern auch für das handlungsbezogene Verständnis von Metaphern.

Diese Ergebnisse zeigen, wie Konzepte im Gehirn repräsentiert werden, so Studienautorin Lisa Aziz-Zadeh von der University of Southern California. Sie unterstützen die Vorstellung, dass selbst abstrakte Konzepte auf sensomotorischen Repräsentationen beruhen können.

© Psylex.de – Quellenangabe: Brain and Language (2022). DOI: 10.1016/j.bandl.2022.105081

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