Bipolare Störung im Gehirn: Langfristige Veränderungen der Konnektivität

Nachweis von Gehirnveränderungen bei Personen mit dem Risiko für eine bipolare Störung durch MRT-Scans erbracht

29.03.2022 Eine Bildgebungsstudie der Gehirne junger Menschen mit einem hohen Risiko für die Entwicklung einer bipolaren Störung hat zum ersten Mal Hinweise auf eine Schwächung der Verbindungen (also der Konnektivität) zwischen Schlüsselbereichen des Gehirns in der späten Adoleszenz gefunden.

Bislang war Medizinern bekannt, dass die bipolare Störung mit einer verminderten Kommunikation zwischen Gehirnnetzwerken einhergeht, die an der emotionalen Verarbeitung und dem Denken beteiligt sind, aber wie sich diese Netzwerke vor der Erkrankung entwickelten, war ein Rätsel.

In einer im American Journal of Psychiatry veröffentlichten Studie haben Forscher der UNSW Sydney, des Hunter Medical Research Institute (HMRI), der University of Newcastle und internationaler Einrichtungen nachgewiesen, dass sich diese Netzwerke bei jungen Erwachsenen mit hohem genetischem Risiko für die Entwicklung einer bipolaren Störung im Laufe der Zeit abbauen – was wichtige Auswirkungen auf künftige Interventionsstrategien hat.

Die Forscher nutzten die Technologie der diffusionsgewichteten magnetischen Bildgebung (dMRI), um die Gehirne von 183 Personen über einen Zeitraum von zwei Jahren zu scannen. Sie untersuchten die fortschreitenden Veränderungen in den Gehirnscans von Personen mit einem hohen genetischen Risiko für die Entwicklung der Krankheit über einen Zeitraum von zwei Jahren, bevor sie sie mit einer Kontrollgruppe von Personen ohne Risiko verglichen.

Menschen, bei denen ein Elternteil oder ein Geschwisterteil an einer bipolaren Störung erkrankt ist, gelten als Personen mit hohem genetischem Risiko und haben ein zehnmal höheres Risiko, an der Krankheit zu erkranken, als Menschen ohne diese enge familiäre Verbindung. Bei den Hirnbildscans von 97 Personen mit hohem genetischem Risiko für eine bipolare Störung stellten die Forscher eine Abnahme der Konnektivität zwischen den Hirnregionen fest, die für die Verarbeitung von Emotionen und die Kognition zuständig sind, und zwar in den zwei Jahren zwischen den Scans.

In der Kontrollgruppe von 86 Personen ohne familiäre Vorgeschichte psychischer Erkrankungen beobachteten sie jedoch das Gegenteil: eine Verstärkung der neuronalen Verbindungen zwischen denselben Regionen, wenn das jugendliche Gehirn reift, um die im Erwachsenenalter erforderlichen kognitiven und emotionalen Denkleistungen zu erbringen.

Aufgrund der neuen Ergebnisse planen die Forscher eine dritte Nachuntersuchung der Teilnehmer an der Studie. Außerdem sind sie dabei, Online-Programme zu entwickeln, die die Entwicklung von Resilienz unterstützen und jungen Menschen Fähigkeiten zur Bewältigung von Ängsten und Depressionen vermitteln, wodurch sie hoffen, deren Risiko für die Entwicklung einer bipolaren Störung zu verringern.

© Psylex.de – Quellenangabe: American Journal of Psychiatry, 2022; DOI: 10.1176/appi.ajp.21010047

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