Komplexe kognitive Verhaltenstherapie kann Langzeitdepressionen radikal reduzieren

Wirksamkeit von kognitiven Verhaltenstherapien unterschiedlicher Komplexität bei der Verringerung von Depressionen bei Erwachsenen

29.03.2022 Erweiterte Versionen der am häufigsten verwendeten verbalen Psychotherapie bei Depressionen führen zu einer signifikanten Verringerung der Erkrankung über einen Zeitraum von sechs Monaten hinaus, so das Ergebnis einer Metastudie mit über 15.000 Teilnehmern.

Die Auswertung von Daten aus 157 Studien zur kognitiven Verhaltenstherapie unter der Leitung von Wissenschaftlern der University of Manchester und der University of South Wales wurde im British Journal of Psychiatry veröffentlicht.

Komplexe und ultrakomplexe kognitive Verhaltenstherapien

In der Studie wurde die kognitive Verhaltenstherapie allein und mit einer (komplex) oder zwei (ultrakomplex) zusätzlichen Komponenten wie Training sozialer Fähigkeiten, Selbstbehauptungstraining, Entspannungstechniken und Psychoedukation verglichen.

Alle drei Protokolle, so das Ergebnis, verringerten die depressiven Symptome um beachtliche 8,44 Punkte auf dem Beck Depression Inventory, einer 21 Punkte umfassenden Selbstauskunftsskala, die die Symptome der Depression misst.

Langzeitwirksamkeit und Einflussfaktoren

Allerdings konnte nur die komplexe bzw. ultrakomplexe kognitive Verhaltenstherapie mit einer bzw. zwei zusätzlichen Komponenten die Wirkung langfristig aufrechterhalten, indem sie die Depression im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie allein nach sechs Monaten um mindestens 5 bzw. 8 Punkte reduzierten.

Darüber hinaus war die kognitive Verhaltenstherapie mit zwei zusätzlichen Komponenten wirksamer, wenn sie von nicht auf psychische Gesundheit spezialisierten Personen wie Krankenschwestern durchgeführt wurde und bei Personen mit komorbiden psychischen Gesundheitsproblemen.

Auch das Alter schien die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie zu beeinflussen: Teilnehmer, die jünger als 59 Jahre waren, sprachen besser auf die kognitive Verhaltenstherapie mit zwei bzw. einer zusätzlichen Komponente an.

Die Analysen zeigten auch, dass Teilnehmer mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status besser auf komplexe und ultrakomplexe kognitive Verhaltenstherapie ansprachen.

Hauptautor Dr. Ioannis Angelakis sagte: „Unsere Studie zeigt, dass kognitive Verhaltenstherapie Depressionen nach der Behandlung deutlich reduzieren kann, aber erst mit einer oder zwei zusätzlichen Komponenten langfristig wirksam wird.

Er fügte hinzu: „Wenn jüngere Menschen eine komplexe kognitive Verhaltenstherapie erhalten, sollten sich die politischen Entscheidungsträger auch darauf konzentrieren, Fachleute, die nicht im Bereich der psychischen Gesundheit tätig sind, bei der Durchführung dieser zusätzlichen Hilfe zu unterstützen.

Eine Krankenschwester, die komplexe kognitive Verhaltenstherapie anbietet, kann auch die Rolle des Hauptbetreuungskoordinators für ein breiteres Spektrum von Gesundheitsproblemen übernehmen, sagte er.

„Das könnte erklären, warum die komplexe kognitive Verhaltenstherapie effektiver zu sein scheint, wenn sie von ihnen durchgeführt wird, aber es sind weitere Forschungen erforderlich, um dies besser zu verstehen.“

© Psylex.de – Quellenangabe: The British Journal of Psychiatry (2022). DOI: 10.1192/bjp.2022.35

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