Depressionen sind nicht immer mit Entzündungen verbunden

Kein Anstieg der Entzündungswerte bei klinischer Depression im höheren Lebensalter

30.03.2022 Mehrere frühere Studien haben höhere Entzündungswerte bei älteren Menschen mit Depressionen festgestellt. Nun hat eine neue Studie von Penn Medicine ergeben, dass klinisch depressive ältere Menschen im Durchschnitt keine erhöhten Entzündungswerte aufweisen, wenn sie nicht bereits an anderen entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis leiden.

Die neue in Nature Translational Psychiatry veröffentlichte Studie legt nahe, dass Depressionen bei vielen älteren Menschen unabhängig von Entzündungen auftreten. Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen Depression und Entzündung auf das vermehrte Auftreten von Entzündungserkrankungen zurückzuführen, die im Allgemeinen bei älteren Menschen häufig auftreten.

„Es ist nach wie vor richtig, dass entzündliche Erkrankungen zu Depressionen beitragen können, aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eine Untergruppe von Menschen mit Depressionen im fortgeschrittenen Alter gibt, die keine erhöhten Entzündungswerte aufweisen“, sagte die Hauptautorin der Studie Dr. Yvette Sheline, McLure-Professorin für Psychiatrie und Verhaltensforschung an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania.

Zusammenhang zwischen Depression und Entzündung nicht eindeutig

Die neue Studie zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Depression und Entzündung nicht so eindeutig ist, wie die bisherige wissenschaftliche Literatur vermuten lässt. Sheline und Kollegen nutzten ein Online- und persönliches Screening von über 1.100 depressiven Personen, um eine Gruppe von 63 Personen im Alter von 50 bis 80 Jahren zu rekrutieren, die die Kriterien für eine schwere depressive Störung erfüllten, aber keine anderen entzündlichen Erkrankungen aufwiesen.

Beim Vergleich dieser Gruppe mit 29 gesunden Personen desselben Alters fanden die Forscher trotz hochempfindlicher Messungen keine signifikanten Unterschiede in den Blutspiegeln für 29 verschiedene, mit Entzündungen verbundene Immunproteine.

Zusätzlich verabreichte Entzündungshemmer erreichten keine Verbesserung

Die Forscher wählten dann 60 der depressiven Patienten nach dem Zufallsprinzip aus und gaben ihnen entweder ein Standard-Antidepressivum oder das Antidepressivum plus ein entzündungshemmendes Medikament oder ein Placebo für acht Wochen. Sie stellten fest, dass die beiden mit Antidepressiva behandelten Gruppen zwar eine signifikante Verbesserung der Depressionswerte im Vergleich zu Placebo aufwiesen, dass aber kein signifikanter Unterschied zwischen der Gruppe mit dem Antidepressivum und der Gruppe mit dem Antidepressivum plus Entzündungshemmer bestand.

Außerdem waren in allen drei Gruppen die Blutspiegel der Entzündungsmarker der Probanden vor der Behandlung niedrig und gingen durch die Behandlung nicht signifikant zurück. Die Forscher untersuchten sogar den Liquor der Probanden auf den Gehalt des Entzündungsproteins IL-1β und fanden auch hier sowohl vor als auch nach der Behandlung niedrige Werte.

Die Studie deutet daher darauf hin, dass Depressionen bei vielen älteren Menschen unabhängig von Entzündungen auftreten und wahrscheinlich nicht durch entzündungshemmende Behandlungen gelindert werden, es sei denn, es liegt zusätzlich zur Depression auch eine Entzündung vor.

Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass in ihrer Studie Patienten mit Depressionen im fortgeschrittenen Alter mit entzündlichen Erkrankungen ausgeschlossen wurden, so dass die Möglichkeit offen bleibt, dass Entzündungen aufgrund solcher Erkrankungen zur Depression beitragen können.

© Psylex.de – Quellenangabe: Translational Psychiatry (2022). DOI: 10.1038/s41398-022-01883-4

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