Charakteristika von Online-Mobbern

Jeder kann zum Cybermobber werden, nicht nur aus dem Gleichgewicht geratene Menschen

27.04.2022 Laut einer neuen Studie der University of Michigan neigen Menschen mit einem hohen Maß an vorsätzlicher oder impulsiver Aggression im Internet eher dazu, andere zu mobben.

Aber jeder kann ein Online-Mobber werden – nicht nur bestimmte Gruppen von Menschen, berichtet eine neue psychologische Studie.

Forscher der School of Information und der Law School untersuchten, welche psychologischen Merkmale das Verhalten von Internetnutzern bei aggressiven Online-Konflikten vorhersagten.

Online-Belästigung bzw. Online-Mobbing (Cybermobbing oder Internetmobbing) kann von einem kurzen, einzelnen Vorfall zwischen Fremden bis hin zu anhaltenden Drohungen reichen. Die Forscher der U-M wollten mehr über diese Verhaltensweisen und ihre Folgen erfahren.

„Wir konzentrieren uns auf spezifische Verhaltensweisen, die höchstwahrscheinlich schädlich sind, und nicht nur auf das Etikett ‚Belästigung'“, sagte die leitende Autorin der Studie Song Mi Lee.

Befragung

Mehr als 300 Erwachsene füllten Selbstauskünfte über Situationen der Missbilligung oder des Ärgers gegenüber anderen Menschen aus. Etwa 162 von ihnen zeigten mindestens ein belästigendes Verhalten.

Zu den untersuchten Faktoren gehörten Impulsivität, moralische Ablehnung, Enthemmung, reaktive/proaktive Aggression und impulsive/geplante Aggression.

Die Befragten wurden gefragt, ob sie jemanden beleidigend beschimpft haben, rufschädigende Gerüchte über jemanden verbreitet haben, peinliche Fotos oder Videos von jemandem ohne dessen Erlaubnis weitergegeben haben und mehr.

„Wir glauben, dass dieser Ansatz genauere Selbstauskünfte erfasst als die unverblümte, aber zweideutige Frage „Haben Sie jemals andere online belästigt?“. sagte Lee. „Wir wollen mit der Vorstellung aufräumen, dass Belästiger und Mobber eine bestimmte Gruppe oder eine besondere Spezies sind. Jeder hat die Fähigkeit, anderen in Online-Räumen Schaden zuzufügen“.

Die Ergebnisse

Einige gängige Annahmen über die Täter von Online-Mobbing und Belästigung waren an demografische Faktoren geknüpft, wie z. B. weiße Männer oder Personen mit bestimmten politischen Ansichten. Viele frühere Studien konzentrierten sich darauf, wie bestimmte Bevölkerungsgruppen dazu neigen, sich belästigend zu verhalten, so Lee.

Die Studie zeigt jedoch ein anderes Bild – psychologische Faktoren wie aggressive Tendenzen sind stärkere Prädiktoren für belästigendes Online-Verhalten. Die aktuelle Iteration der Umfrage mit einer landesweit repräsentativen Stichprobe unterstützt dieses Ergebnis ebenfalls.

Lee sagte, dass sich soziale Medienplattformen bisher auf nachträgliche Abhilfemaßnahmen bei Online-Belästigung verlassen haben, wie z. B. das Löschen von Beiträgen oder das Sperren gemeldeter Nutzer – nachdem der Schaden bereits angerichtet wurde.

„Wir untersuchen, ob wir präventive Maßnahmen gegen Online-Schäden ergreifen können, was ein tieferes Verständnis dafür erfordert, wer andere online belästigt bzw. mobbt und warum“, sagte sie.

© Psylex.de – Quellenangabe: University of Michigan

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