Depression und Sterblichkeit, Mortalität

Depression und Sterblichkeit: Wohlstand, Rauchen und Bewegung beeinflussen Sterberisiko

Depression und Sterblichkeit, Mortalität

11.10.2023 Forscher der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta haben den Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und Mortalität (Sterblichkeit) in einer großen, heterogenen, landesweit repräsentativen Stichprobe von US-Erwachsenen untersucht.

In der in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlichten Studie stellte das CDC-Team fest, dass Erwachsene mit mittelschweren bis schweren depressiven Symptomen im Vergleich zu Erwachsenen ohne depressive Symptome ein höheres Risiko im Hinblick auf die Gesamtsterblichkeit, die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und von ischämischen Herzkrankheiten haben.

Für die Studie wurden Daten aus der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) aus den Jahren 2005 bis 2018 verwendet, die 23.694 Teilnehmer im Alter von 20 Jahren und älter (Durchschnittsalter 44,7 Jahre) umfasste. Depressive Symptome wurden mit dem Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9) erfasst, einem validierten Screening-Instrument zur Messung depressiver Symptome.

Zu den weiteren untersuchten Charakteristika der Kohorte gehörten Bildung, Familienstand, Verhältnis von Armut zu Einkommen, Krankenversicherung, familiäre Vorbelastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nierenerkrankungen, Einnahme von Antidepressiva und Alkoholkonsum. Der NHANES-Datensatz wurde bis 2019 mit dem National Death Index abgeglichen, um die Mortalitätsergebnisse zu verfolgen.

Leichte depressive Symptome traten bei 14,9 % der Teilnehmer auf, während mittelschwere bis schwere depressive Symptome bei 7,2 % festgestellt wurden.

Erhöhte Sterblichkeit bei depressiven Symptomen

Für die Gesamtmortalität ergab das bereinigte Basismodell, dass leichte depressive Symptome mit einer Hazard Ratio von 1,42 im Vergleich zu Personen ohne depressive Symptome verbunden waren, während mittelschwere bis schwere depressive Symptome eine Hazard Ratio von 1,78 aufwiesen.

Für die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen lagen die Gesamt-Hazard-Ratios bei 1,49 für leichte depressive Symptome und bei 1,79 für mittelschwere bis schwere depressive Symptome. Bei der Sterblichkeit durch ischämische Herzkrankheiten zeigten leichte depressive Symptome keinen Einfluss, während mittelschwere bis schwere depressive Symptome ein Hazard Ratio von 2,21 aufwiesen. Beide waren stark mit dem Armutsniveau korreliert.

Lebensstilfaktoren wie Rauchen, körperliche Aktivität und gesunder Schlaf wurden als wichtige Faktoren identifiziert, die den Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und Sterblichkeit vermitteln. Die Zusammenhänge waren in den verschiedenen Untergruppen weitgehend einheitlich.

Die Studie legt nahe, dass die Behandlung depressiver Symptome und der damit verbundenen Risikofaktoren wichtig sein könnte, um die Belastung durch Depressionen und deren Auswirkungen auf die Sterblichkeit zu verringern. Es ist unklar und wird in dem Bericht nicht erwähnt, wie bestimmte Risikofaktoren angegangen werden sollen, wie z. B. der wichtigste Faktor für die depressionsbedingte Sterblichkeit in den Daten – die Einkommensungleichheit.

© Psylex.de – Quellenangabe: JAMA Netw Open. 2023;6(10):e2337011. doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.37011

News zu Depression und Sterblichkeit, Mortalität

Ist Depression tatsächlich mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden?

18.05.2017 Über drei Jahrzehnte Forschung legen nahe, dass Depression die Sterblichkeit erhöht. Allerdings wirft eine neue Forschungsarbeit Zweifel an dieser vermuteten Verbindung auf, da sie keine Hinweise auf eine direkte Verbindung zwischen Depression und der Gesamt-Mortalität gefunden hat.

Die Forscher Beyon Miloyan von der Johns Hopkins University und Eiko Fried vom Fachbereich Psychologie der Universität Amsterdam überprüften die Daten und Resultate von 293 Studien mit über 3,6 Millionen Teilnehmern und 400.000 Todesfällen.

Unzureichende Qualität, Publikationsbias


Bild: Gerd Altmann

Die Wissenschaftler stellten bei 95 Prozent der Studien eine unzureichende Qualität fest. Mit quantitativen und qualitativen Methoden konnten die Forscher eine ausgeprägte Publikationsbias (statistisch verzerrte Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften infolge einer bevorzugten Veröffentlichung von Studien mit “positiven” bzw. signifikanten Resultaten) feststellen.

Speziell Studien, die die stärksten Verbindungen zwischen Depression und Sterblichkeit identifizierten, enthielten nur kleine Stichproben, eine geringe Anzahl von Todesfällen und kurze Nachlaufzeiten.

Komorbiditäten

Darüber hinaus entdeckten die Forscher, dass nur etwa 5 Prozent der 293 Studien ihre statistischen Modelle auf andere psychische Störungen wie Angststörungen oder Drogensucht angepasst hatten, die bei depressiven Patienten sehr häufig vorkommen: Komorbiditätsraten übersteigen 50 Prozent.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass zwei Drittel der Studien auf der Grundlage medizinischer Erkrankungen vorselektierter Teilnehmer entstanden. Viele Symptome einer Depression wie Schlaflosigkeit und Erschöpfung werden mit verschiedenen körperlichen Krankheiten geteilt oder können als Nebenwirkungen von Medikamenten zur Behandlung bestehender Erkrankungen auftreten.

Dies, so sagen Miloyan und Fried, könnte zu dem Schluss führen, dass Depression die Ursache des Todes ist, obwohl der Tod besser auf bereits vorhandene Krankheiten zurückzuführen wäre.

Kein Zusammenhang in qualitativ hohen Studien

Wurden nur die Daten aus den wenigen Studien von akzeptabler Qualität analysiert, konnte kein überzeugender Beleg dafür gefunden werden, dass Depressionen direkt mit der Gesamtmortalität verbunden sind, schreiben sie.

Stattdessen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass andere Variablen, insbesondere gesundheitliche Verhaltensweisen und Komorbidität, mit der höheren Sterblichkeitsrate bei depressiven Individuen zusammenhängen könnten.

Ungesunder Lebensstil

Zum Beispiel ist bekannt, dass Depressionen Hand in Hand mit einem ungesunden Lebensstil wie Rauchen, Trinken und körperliche Inaktivität einhergehen, sagte der Psychologe Fried. Insbesondere Rauchen sei mit einem erhöhten Risiko der Entwicklung von Depressionen und mit vielen Todesursachen (v.a. mit KrebsLungenkrebs) verbunden worden.

Solche komplexen Wechselwirkungen zwischen Variablen, die mit Depression und Tod verbunden sind, die in der Forschungsliteratur weitgehend ignoriert wurden, implizieren, dass es verfrüht ist, starke kausale Schlussfolgerungen zu ziehen, schreiben die Psychologen im Fachblatt World Psychiatry.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Johns Hopkins University, Universität Amsterdam, World Psychiatry – DOI: 10.1002/wps.20439; Mai 2017

Depressivität stark verbunden mit höherem langfristigen Risiko vorzeitigen Todes für Frauen und Männer

23.10.2017 Ein internationales Forscherteam untersuchte die Daten aus 60 Jahren zur psychischen Gesundheit von 3.410 Erwachsenen während 3 Perioden (1952-1967, 1968-1990 und 1991-2011) aus einer Region des atlantischen Kanadas und verknüpfte sie mit den Todesfällen der Canadian Mortality Database.

Sie fanden heraus, dass ein Zusammenhang zwischen Depression und einem erhöhten Sterberisiko in allen Jahrzehnten der Studie bei Männern nachgewiesen werden konnte, während er bei Frauen erst ab den 1990er Jahren auftrat.

Umkehrung durch Remission?

traurigkeit
Bild: iWorksphotography Gary Ross

Die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Depressionen schien in den Jahren nach einer depressiven Episode am stärksten zu sein, weshalb die Autoren vermuten, dass dieses Risiko auch verringert werden könnte, indem eine Remission (Linderung) der Depression erreicht wird.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Einschreibung in die Studie betrug etwa 49 Jahre.

Die Lebensspanne für junge Erwachsene mit Depressionen im Alter von 25 Jahren war über den Zeitraum von 60 Jahren deutlich kürzer und reichte

  • von 10 bis 12 Lebensjahre weniger in der ersten Gruppe,
  • 4 bis 7 Jahren weniger in der zweiten Gruppe und
  • 7 bis 18 Lebensjahre weniger in der 1992er Gruppe,

sagte Dr. Ian Colman von der Universität Ottawa im Fachblatt Canadian Medical Association Journal.

Starker Anstieg bei Frauen

Am beunruhigendsten ist der Anstieg des Todesrisikos um 50% für depressive Frauen zwischen 1992 und 2011.

Obwohl Depressionen auch mit einer schlechteren Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkoholkonsum in Verbindung gebracht wurden – alles Faktoren, die zu chronischen Gesundheitsproblemen führen können – erklärten diese Faktoren nicht die erhöhte Sterblichkeit im Zusammenhang mit Depressivität in dieser Studie.

Die Wissenschaftler erklären sich den Zusammenhang mit der Mortalität bei den depressiven Frauen eher mit dem gesellschaftlichen Wandel.

In den letzten 20 Jahren der Studie, in denen das Sterberisiko von Frauen deutlich zugenommen hat, haben sich die Rollen sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz dramatisch verändert, und viele Frauen übernehmen mehrere Aufgaben und Erwartungen, sagt Dr. Colman.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Ottawa; Canadian Medical Association Journal – doi: 10.1503/cmaj.170125; Okt. 2017

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