Freizeit als vergeudete Zeit ansehen untergräbt Vergnügen

Die Auffassung, dass Freizeitaktivitäten Zeitverschwendung sind, ist nicht förderlich für die psychische Gesundheit

23.08.2021 Das Gefühl, dass Freizeitvergnügen bzw. Muße Zeitverschwendung und unproduktiv ist, kann zu weniger Wohlbefinden bzw. Vergnügen und mehr Stress und Depressivität führen laut einer im Journal of Experimental Social Psychology veröffentlichten Forschungsarbeit.

Die Studien

In einer Reihe von Studien untersuchten die Wissenschaftler die Auswirkungen einer in der modernen Gesellschaft weit verbreiteten Überzeugung: dass Produktivität das ultimative Ziel und Amüsement Zeitvergeudung ist.

Menschen, die dieser Überzeugung am stärksten zustimmten, hatten nicht nur weniger Freude an ihren Freizeitaktivitäten, sondern berichteten auch über eine schlechtere psychische Gesundheit, schreiben Gabriela N.Tonietto von der Rutgers University und Kollegen.

Die Freizeitgestaltung bietet eine Vielzahl von Vorteilen für die psychische und physische Gesundheit, doch viele Menschen betrachten Freizeit als nutzlos und unproduktiv.

Vier Studien (n = 1.310) zeigen, dass die Überzeugung, Freizeit sei unproduktiv oder vergeudete Zeit, die Freude an den ausgeübten Freizeitaktivitäten schmälert.

Weniger Freude an Freizeitaktivitäten

Studien 1 und 2 belegen, dass Menschen mit einer allgemeinen Tendenz, Freizeit als verschwenderisch zu betrachten, im Durchschnitt weniger Freude an Freizeitaktivitäten haben, insbesondere an endmotivierter Freizeit (die als Selbstzweck ausgeübt wird) im Vergleich zu instrumentell motivierter Freizeit (die als Mittel zum Zweck ausgeübt wird).

Psychische Gesundheit; Glücksempfinden

Die Überzeugung, dass Freizeit vergeudet wird, wird auch mit schlechteren Ergebnissen für die psychische Gesundheit in Verbindung gebracht, einschließlich geringerem Glücksempfinden und mehr Depressionen, Ängsten und Stress.

Die Studien 3 und 4 zeigen, dass das Priming der Überzeugung, dass Freizeit unnütz oder unproduktiv ist, die Freude an endzeitlich motivierten Freizeitaktivitäten verringert; leider erhöht das Priming der Überzeugung, dass Freizeit produktiv ist, die Freude nicht. Daraus ergeben sich Konsequenzen für die Maximierung von hedonischem Nutzen und Wohlbefinden.

Zu den einzelnen Studien

In einer Studie bewerteten 199 College-Studenten, wie sehr sie eine Reihe von Freizeitaktivitäten genossen, und füllten Beurteilungen aus, die ihr Glücksgefühl, ihre Depressionen, Ängste und ihren Stress ermittelten.

Sie wurden auch gefragt, inwieweit sie fünf Aussagen zustimmten, die das Ausmaß der Freizeitverschwendung bewerteten (z. B. „Zeit, die für Freizeitaktivitäten aufgewendet wird, ist oft verschwendete Zeit.“).

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer Freizeitaktivitäten umso weniger genossen, je mehr sie sie für Zeitverschwendung hielten.

Dies galt unabhängig davon, ob die Freizeitaktivität aktiv (Sport) oder passiv (Fernsehen), sozial (mit Freunden zusammen sein) oder allein (meditieren) war.

Je mehr sie Freizeit als Zeitverschwendung empfanden, desto geringer war ihr Glücksgefühl und desto höher waren ihre Depressions-, Angst- und Stresswerte.

In einer Studie wurden 302 Online-Teilnehmer gefragt, wie sie Halloween einige Tage nach dem Feiertag im Jahr 2019 feiern würden. Einige der Aktivitäten, die zur Auswahl standen, waren ein reiner Spaß, wie z. B. der Besuch einer Party. Andere dienten einem größeren Ziel, wie z. B. mit den Kindern Süßes oder Saures zu spielen.

Die Teilnehmer wurden gebeten, zu bewerten, wie sehr sie ihr Halloween-Erlebnis genossen haben.

Die Ergebnisse zeigten, dass diejenigen, die der Meinung waren, Freizeit sei Verschwendung, weniger Freude an Aktivitäten wie Partys hatten, bei denen es nur um den Spaß ging.

Kulturübergreifend

Die negative Einstellung zur Freizeit ist nicht nur ein US-amerikanisches Problem. Eine Studie, die Menschen in den Vereinigten Staaten, Indien und Frankreich verglich, ergab, dass die Franzosen weniger häufig als die Menschen in den USA und Indien der Meinung waren, dass Freizeit vergeudet sei – was mit kulturellen Stereotypen übereinstimmt. Bei den Franzosen, die Freizeit und Muße als vergeudet ansahen, waren die negativen Auswirkungen jedoch die gleichen.

© psylex.de – Quellenangabe: Journal of Experimental Social Psychology (2021). DOI: 10.1016/j.jesp.2021.104198

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