Gehirn: Das Striatum von Psychopathen ist vergrößert

Psychopathische Personen haben eher eine größere Striatumregion im Gehirn

11.05.2022 Neurowissenschaftler der Nanyang Technological University, Singapur (NTU Singapur), der University of Pennsylvania und der California State University haben einen biologischen Unterschied zwischen Psychopathen und Nicht-Psychopathen nachgewiesen laut einer im Journal of Psychiatric Research veröffentlichten Studie.

Mithilfe von Magnetresonanztomographie-Scans (MRT) fanden sie heraus, dass eine Region des Vorderhirns – das sogenannte Striatum – bei psychopathischen Personen im Durchschnitt zehn Prozent größer war als bei einer Kontrollgruppe von Personen mit geringen oder keinen psychopathischen Zügen.

Psychopathie

Psychopathen oder Personen mit psychopathischen Zügen werden im Allgemeinen als Personen mit einer egozentrischen und antisozialen Persönlichkeit definiert. Sie zeichnen sich in der Regel durch einen Mangel an Reue für ihre Handlungen, einen Mangel an Empathie für andere und häufig durch kriminelle Tendenzen aus.

Das Striatum

Das Striatum ist ein Teil des Vorderhirns – der subkortikalen Region des Gehirns, die das gesamte Zerebrum (Großhirn oder auch Endhirn genannt) umfasst – und koordiniert mehrere Aspekte der Kognition, einschließlich der motorischen und Handlungsplanung, der Entscheidungsfindung, der Motivation, der Verstärkung und der Wahrnehmung von Belohnungen.

Frühere Studien haben auf ein übermäßig aktives Striatum bei Psychopathen hingewiesen, aber die Auswirkungen seiner Größe auf das Verhalten nicht schlüssig bestimmt. Die neue Studie zeigt einen signifikanten biologischen Unterschied zwischen Menschen mit psychopathischen Zügen und solchen ohne diese.

Für ihre Studie scannten die Neurowissenschaftler die Gehirne von 120 Teilnehmern in den Vereinigten Staaten und befragten sie anhand der Psychopathy Checklist – Revised, einem psychologischen Bewertungsinstrument, mit dem das Vorhandensein psychopathischer Züge bei Personen festgestellt werden kann.

Größeres Striatum, größerer Appetit auf Stimulation

Anhand von Analysen der MRT-Scans und der Ergebnisse der Befragungen zum Screening auf Psychopathie stellten die Forscher einen Zusammenhang zwischen einem größeren Striatum und einem erhöhten Bedürfnis nach Stimulation durch Nervenkitzel und Erregung sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit impulsiven Verhaltens her.

Das Striatum ist Teil der Basalganglien, die aus Neuronengruppen tief im Zentrum des Gehirns bestehen. Die Basalganglien empfangen Signale von der Großhirnrinde, die die Kognition, das Sozialverhalten und die Unterscheidung von sensorischen Informationen steuert, die Aufmerksamkeit erfordern.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich jedoch das Verständnis des Striatums erweitert, und es gibt Hinweise darauf, dass diese Region mit Problemen im Sozialverhalten in Verbindung steht.

In früheren Studien wurde nicht untersucht, ob eine Vergrößerung des Striatums bei erwachsenen Frauen mit psychopathischen Zügen zu beobachten ist.

Die Neurowissenschaftler erklärten, dass sie im Rahmen ihrer Studie mit 120 Personen 12 Frauen untersuchten und zum ersten Mal feststellten, dass Psychopathie bei Frauen ebenso wie bei Männern mit einem vergrößerten Striatum verbunden ist. In der menschlichen Entwicklung wird das Striatum normalerweise kleiner, wenn ein Kind heranreift, was darauf hindeutet, dass Psychopathie mit Unterschieden in der Entwicklung des Gehirns zusammenhängen könnte.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Psychiatric Research, 2022; 149: 185 DOI: 10.1016/j.jpsychires.2022.03.006

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