‚Glotzen‘ auf den Körper: Hinweis für sexuelle Objektifizierung

Menschen mit einem sexuell objektivierenden Blickverhalten weisen eher eine negative Einstellung auf

01.04.2022 Eine neue das Blickverhalten untersuchende Studie der Edith Cowan University (ECU) hat ergeben, dass das Betrachten von Körpern und nicht von Gesichtern mit einer negativen Einstellung in Bezug auf sexuelle Übergriffe verbunden ist.

Die von dem ECU-Psychologieforscher Dr. Ross Hollett geleitete Studie untersuchte mit Hilfe von Eye-Tracking-Technologie und Selbstauskünften, wie Männer und Frauen das andere Geschlecht betrachten.

Ein interessantes Ergebnis ist, dass ein übermäßiges Anstarren des Körpers ein Zeichen dafür ist, dass jemand glaubt, Frauen würden grobes sexuelles Verhalten tolerieren oder dazu auffordern.

Der Blick auf den Körper statt auf das Gesicht einer Person ist eine Form der sexuellen Objektifizierung oder der Bewertung von Menschen aufgrund ihres Körpers gegenüber ihrem Geist oder ihrer Persönlichkeit.

Dieses sexuell objektivierende Blickverhalten kann zu noch schädlicheren Einstellungen und Verhaltensweisen führen, sagte er.

Wohin schauen die Menschen?

Mit Hilfe der Eye-Tracking-Technologie wurden die Blicke von 167 heterosexuellen Teilnehmern auf teilweise und vollständig bekleidete Bilder von Männern und Frauen erfasst.

Außerdem sollten mehr als 1.000 heterosexuelle Teilnehmer ihr eigenes Körperblickverhalten gegenüber dem anderen Geschlecht selbst einzuschätzen. Die Teilnehmer bewerteten Aussagen wie „Sobald ich den Körper eines attraktiven Mannes/einer attraktiven Frau sehe, fällt es mir schwer, ihn nicht anzuschauen“ und „Egal wo ich bin, ich schaue normalerweise auf die Körper von Männern/Frauen“.

Mithilfe von Eye-Tracking konnten die Psychologen feststellen, dass männliche Teilnehmer eine starke Vorliebe für die Betrachtung der Körper von teilweise und vollständig bekleideten Frauen zeigten, anstatt deren Gesichter zu betrachten, so Hollett.

Im Gegensatz dazu zeigten die Frauen keine Vorliebe für den Blick auf den Körper, weder bei männlichen noch bei weiblichen Bildern. Vielmehr zeigten sie weitgehend ausgeglichene Blickprofile (ähnlicher Blick auf den Kopf und den Körper), mit Ausnahme einer Präferenz für den Blick auf den Kopf von vollständig bekleideten Männern.

Männer gaben auch häufiger an, den Körper von Frauen anzustarren, während Frauen selbst angaben, eher weniger den Körper von Männern anzustarren.

Einstellungen zu sexuellen Übergriffen

Um einen weiteren Kontext zu schaffen, untersuchten die Psychologen auch den Beziehungsstatus der Teilnehmer, ihre Antworten auf Aussagen darüber, ob Frauen sexuelle Übergriffe herausfordern und/oder dulden, und ob sie selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sind.

Hollett sagte, ein wichtiges Ergebnis sei der starke Zusammenhang zwischen dem Körperblickverhalten und der Einstellung zu sexuellen Übergriffen.

Insbesondere gingen Männer mit der Neigung, den Körper von Frauen anzustarren, eher davon aus, dass Frauen zu grobem sexuellem Verhalten geradezu einladen oder es tolerieren. Das heißt, sie stimmten eher Aussagen wie ‚Frauen finden erzwungenen Sex erregend‘ und ‚Frauen wünschen sich insgeheim, vergewaltigt zu werden‘ zu, so Hollett.

Gefährliches Signal

Die Forschung zeige damit, so Hollett, dass exzessive Körperbetrachtung ein wichtiges soziales Signal für potenziell schädliche Einstellungen und Verhaltensweisen sei.

„Wenn wir beobachten, dass jemand den Körper ‚anglotzt‘, können wir davon ausgehen, dass er mit größerer Wahrscheinlichkeit bestimmten Überzeugungen über sexuelle Übergriffe zustimmt, die ihn möglicherweise eher zu einem Täter werden lassen“, sagte er.

„Diese Studie hat gezeigt, dass sich ähnliche Verhaltensmuster ergeben, wenn man den Blick mit Hilfe von Selbstauskünften und der Eye-Tracking-Technologie misst, was darauf hindeutet, dass Heterosexuelle sich ihrer Blickgewohnheiten weitgehend bewusst sind und sie möglicherweise nutzen, um dem anderen Geschlecht sexuelles Interesse und Absichten mitzuteilen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Archives of Sexual Behavior, 2022; DOI: 10.1007/s10508-022-02290-y

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