Negative Reaktionen / Emotionen auf aversive Musik

Schüttelfrost und Aggressionen – „Ich hasse genau diesen Teil hier“: Verkörperte, subjektive Erfahrungen beim Hören von aversiver Musik

01.04.2022 Die positiven Wirkungen und die Zufriedenheit, die das Hören von Musik hervorruft, werden sowohl in der Alltagserfahrung der Menschen als auch in der musikpsychologischen Forschung häufig erwähnt. Doch nicht alle durch Musik hervorgerufenen Gefühle sind angenehm.

Eine gemeinsame Studie von Forschern der Universitäten Jyväskylä und Oslo untersuchte das Hören von aversiver (nicht gemochter) Musik. Bislang haben sich nur wenige Studien mit diesem Thema befasst.

Die kürzlich in der Fachzeitschrift Psychology of Music veröffentlichte Studie befasst sich mit den Erfahrungen, die Menschen beim Hören von aversiver Musik machen. An der Studie nahmen 102 Freiwillige im Alter zwischen 18 und 65 Jahren teil. Unter den Befragten waren sowohl Musiker als auch Nicht-Musiker.

Unangenehme Gefühle und körperliche Reaktionen durch Musik

Eine Analyse der offenen Beschreibungen ergab zwei Arten von Hörern: diejenigen mit einer stark negativen Einstellung gegenüber ihnen unangenehmer Musik und diejenigen mit einer eher neutralen Einstellung. Die Daten zeigen, dass die stark negative Einstellung auf unangenehme Gefühle und körperliche Reaktionen zurückzuführen ist, die durch die Musik ausgelöst werden, auf autobiografische Aspekte des Hörers in Bezug auf Identität, soziale Werte und ästhetische Vorlieben sowie auf den Kontext des Hörens.

Bei einigen Personen kann das Hören von aversiver Musik sogar offenen Hass und aggressives Verhalten auslösen, das sich im schlimmsten Fall gegen andere Menschen richtet, oder die Musik ruft eine Kampf- oder Fluchtreaktion in der Situation hervor, in der sie gespielt wird.

Obwohl die Forschung auf ein unbestreitbar positives Potenzial von Musik hinweist, wissen wir nur wenig über ihre negativen Auswirkungen, erklärt die leitende Forscherin der Studie, Henna-Riikka Peltola, Assistenzprofessorin für Musikwissenschaft an der Universität Jyväskylä.

Kampf-oder-Flucht-Reaktion

Tatsächlich kann Musik bei manchen Hörern eine recht primitive Kampf-oder-Flucht-Reaktion auslösen, sagt Peltola. „Zu den interessantesten Ergebnissen unserer Studie gehörten neben den negativen Gefühlen auch die Verbindungen zwischen diesen Gefühlen und dem Verhalten der Menschen. Viele der Befragten gaben auch an, dass sie sich für ihre starken Reaktionen auf eine scheinbar so harmlose Sache wie Musik ein wenig schämen.“

„Dies könnte darauf hindeuten, dass Musik in unserer Gesellschaft automatisch als etwas Unterhaltsames und Angenehmes angesehen wird, während andere Arten von Erfahrungen als außergewöhnlich oder irgendwie falsch angesehen werden.

Den Forschern zufolge sollten die möglichen negativen Auswirkungen des Musikhörens daher in künftigen Untersuchungen eingehender untersucht werden. Positive emotionale Erfahrungen und das wohltuende Potenzial von Musik beruhen auf der eigenen Wahl des Hörens und den eigenen ästhetischen Vorlieben des Hörers. Ein ähnlicher Nutzen kann nicht erreicht werden, wenn man einfach irgendeine beliebige Musik hört, da die Auswirkungen völlig gegensätzlich sein können.

Musik in öffentlichen Räumen zum Beispiel, so Peltola, kann bei manchen Menschen wirklich starke Aversions- und Stressreaktionen hervorrufen, was ihr Wohlbefinden in keiner Weise steigert.

© Psylex.de – Quellenangabe: Psychology of Music (2021). DOI: 10.1177/0305735620988596

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  1. Atonale Musik, insbesondere Free Jazz in Restaurants verursachen bei mir echte Aggressionen, die nur durch fluchtartiges verlassen gemindert werden.

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