Glücksgefühl nach Kauf gering, wenn Geld knapp ist

Konsumpsychologie: Geldausgeben und Glücklichsein; die Rolle der wahrgenommenen finanziellen Probleme

01.03.2022 Egal, ob sie sich ein neues Hemd, einen neuen Computer oder eine Reise kaufen, Menschen empfinden weniger „Kauffreude“ bzw. ein geringeres Glücksgefühl, wenn sie finanziellen Stress verspüren laut einer im Journal of Consumer Research veröffentlichten Studie der Fuqua School of Business der Duke University.

Dieses Gefühl der finanziellen Einschränkung führt dazu, dass die Menschen ihren Kauf überdenken und darüber nachdenken, was sie mit dem Geld sonst noch hätten machen können, was auch als Opportunitätskosten bezeichnet wird, so Studienautor Gavan Fitzsimons. Aufgrund der Frage, wofür der Verbraucher das Geld sonst hätte verwenden können, ist er jedes Mal etwas weniger zufrieden mit der gekauften Sache, wenn er an diesen Kauf denkt.

Diese Unzufriedenheit veranlasste die Verbraucher auch dazu, schlechtere Bewertungen für diese Käufe zu hinterlassen – eine wichtige Erkenntnis für Unternehmen, wenn sie Kundenfeedback einholen, um mehr Verkäufe zu erzielen

Finanzieller Stress in allen Einkommensschichten

Die Forscher führten mehr als 40 Studien durch, in denen sie die Wahrnehmung der Menschen hinsichtlich ihrer finanziellen Situation und ihrer jüngsten Einkäufe untersuchten. Unabhängig davon, ob sie einen materiellen Gegenstand oder ein Erlebnis kauften und ob sie 100 oder 1.000 Dollar bezahlten, waren die Ergebnisse einheitlich: Menschen, die sich finanziell unter Druck gesetzt fühlten, erlebten weniger Freude nach einem Kauf.

Das Gefühl, unter finanziellem Druck zu stehen, bezieht sich auf die Wahrnehmung der finanziellen Situation einer Person und betrifft Menschen aller sozioökonomischen Schichten, so die Autoren.

Finanziell eingeschränkte Menschen kaufen eher Dinge, um ihr Glücksempfinden zu steigern, aber die Forschungsergebnisse zeigen, dass genau das Gegenteil eintritt, schreiben die Wissenschaftler.

Planung verschafft etwas Abhilfe

Die Autoren entdeckten zumindest eine Möglichkeit, wie finanziell eingeschränkte Verbraucher durch ihre Einkäufe glücklicher werden könnten: durch Planung. Wenn Menschen, die sich finanziell eingeschränkt fühlen, ihre Kaufentscheidung bewusster treffen und im Voraus planen, anstatt einen Artikel unüberlegt auf der Stelle zu kaufen, denken sie bereits über mögliche Alternativen nach, wie sie das Geld hätten ausgeben können, so Fitzsimons. Das hilft ihnen, mehr Freude an ihrem Kauf zu haben, als sie es sonst getan hätten.

Sind sie so glücklich, wie sie es sein würden, wenn sie nicht unter finanziellen Zwängen stünden? Nicht ganz. Aber wenn die Menschen planen und im Voraus darüber nachdenken, wie sie das Geld ausgeben, können sie mehr Freude an ihren Einkäufen haben.

Kann man mit Geld Glück kaufen?

Die Messung des „Glücks durch Kaufen“ der Verbraucher ist nur eine neue Methode, mit der Wissenschaftler versuchen, eine immerwährende Frage über die Beziehung zwischen Wohlstand und Wohlbefinden zu klären: Kann man mit Geld Glück kaufen? Diese Studien bieten einige neue Anhaltspunkte, sagen die Forscher.

Psychologen wissen seit langem, dass weniger Geld mit einem geringeren Wohlbefinden verbunden ist, zumindest bis zu einem gewissen Grad, schreiben die Autoren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass begrenzte finanzielle Ressourcen das Wohlbefinden nicht nur durch die Einschränkung der Kaufmöglichkeiten beeinträchtigen, sondern auch durch die Verminderung des Glücks, das sie aus ihren Einkäufen ziehen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Consumer Research, 2021; DOI: 10.1093/jcr/ucab075

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