Menschen greifen zu gesünderen Lebensmitteln, wenn sie befürchten, negativ beurteilt zu werden

Fühlen Sie sich abgewertet? Wie die Anwesenheit von Außenstehenden eine gesündere Lebensmittelauswahl fördert

13.05.2022 Menschen entscheiden sich eher für ein gesundes als für ein ungesundes Lebensmittel, wenn sie mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen zusammen sind, weil sie befürchten, für ihre Wahl negativ beurteilt zu werden.

Neue Forschungsarbeiten unter Mitwirkung der Bayes Business School haben ergeben, dass die Anwesenheit von Personen aus unterschiedlichen Freundeskreisen oder sozialen Gruppen die Lebensmittelauswahl der Verbraucher beeinflusst.

Beurteilung durch gesündere Lebensmittelauswahl abschwächen

In der in Psychology & Marketing veröffentlichten Studie, in der die Wahl von Lebensmitteln mit Personen einer anderen Rasse und einer anderen Universität untersucht wurde, wird dies damit erklärt, dass die Menschen eine negativere Beurteilung durch Außenstehende erwarten. Die Untersuchung, bei der insgesamt rund 1.000 Personen befragt wurden, zeigt, dass Menschen sich selbst häufig in Bezug auf ihre Rasse, ihre Universitätszugehörigkeit und ihre berufliche Zugehörigkeit einordnen.

Bei Experimenten mit mehreren hundert Erwachsenen in einer US-amerikanischen Großstadt und Universität wurde festgestellt, dass die Teilnehmer in Gegenwart eines Beobachters einer anderen Rasse (im Gegensatz zur gleichen Rasse) oder einer anderen Universität (im Gegensatz zu ihrer eigenen Universität) eher einen gesunden Snack wählten. Dies lag daran, dass sie eine negativere Beurteilung durch eine Außengruppe erwarteten und daher versuchten, diese Beurteilung durch eine gesündere Lebensmittelauswahl abzuschwächen.

Die Experimente

Vier separate Experimente untermauerten die Ansicht der Autoren, dass die Anwesenheit einer fremden Person aus einer anderen sozialen Gruppe (im Vergleich zu einer fremden Person aus der eigenen Gruppe – z. B. der eigenen Universität) die Lebensmittelauswahl der Teilnehmer beeinflusste.

In einem Experiment wurden 180 Studenten vor die Wahl gestellt, ob sie als Snack M&Ms oder gesündere Rosinen essen wollten. In Anwesenheit eines unbekannten Kommilitonen von der eigenen Universität entschieden sich nur 12 Prozent der Studenten für die gesünderen Rosinen. In Anwesenheit eines unbekannten Studenten einer anderen Universität stieg diese Zahl jedoch auf mehr als das Doppelte, nämlich 31 Prozent.

Die anderen Experimente zeigten: Der Grund für dieses Muster liegt darin, dass sich die Menschen von Mitgliedern der Außengruppe stärker beurteilt fühlen und strategisch gesunde Lebensmittel wählen, um einen positiven Eindruck zu erwecken und dieser negativen Beurteilung entgegenzuwirken.

So wurde beispielsweise 200 Verbrauchern gesagt, dass die Menschen in ihrer Umgebung kritisch oder tolerant seien. In der wertenden Umgebung wählten die Verbraucher mit größerer Wahrscheinlichkeit Karotten statt Kekse als in der toleranten Umgebung, was darauf hindeutet, dass die erwartete Bewertung durch andere die Ergebnisse erklärt.

Studienautorin Dr. Janina Steinmetz von der Bayes University sagt, die Ergebnisse hätten praktische Auswirkungen für Vermarkter gesunder Lebensmittel und politische Entscheidungsträger, die eine gesunde Ernährung fördern wollen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Psychology & Marketing, 2022; DOI: 10.1002/mar.21667

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