Alzheimer und das Gedächtnis

Alzheimer und das Gedächtnis

Neurologische Erkrankungen – Demenzkrankheiten

Gedächtnis bei Alzheimer-Krankheit erhalten

Das menschliche Gedächtnis zu retten, ist ein Gebiet der modernen Medizin, in das am meisten Interesse fließt.

Die Entdeckung eines Proteins, das bei der Kontrolle des Gedächtnisses involviert ist, kann zu einem ganz neuen Ansatz für die Erhaltung des Gedächtnisses führen. Der von Wissenschaftlern der UCLA/University of Toronto gemachte Befund ist bemerkenswert, weil Forscher wenig darüber wissen, wie das Gehirn Zellen veranlaßt, Erinnerungen zu kodieren und zu speichern.

Neuer Ansatz, um Gedächtnis zu erhalten

Wie in der 20. April Ausgabe von Science berichtet wird, könnte ein neuer Ansatz für die Erhaltung des Gedächtnisses bei Menschen mit Alzheimer Krankheit, Demenz oder anderen Gehirnschäden bevorstehen.

„Eine Erinnerung zu schaffen, ist keine bewusste Tat“, erklärte Alcino Silva, Forscher und Professor für Neurobiologie und Psychiatrie an der David Geffen School of Medicine bei UCLA. „Lernen löst eine Kaskade von Chemikalien im Gehirn aus, wodurch Erinnerungen erhalten werden, und andere verloren gehen können.

Frühere Studien haben das CREB-Protein mit der Festigung von Erinnerungen, fügte Silva, ein Mitglied des UCLA Hirnforschungsinstituts (mehr zur Hirnforschung) hinzu. Die Forscher vermuteten, dass es auch eine Schlüsselrolle beim Weiterleiten der Erinnerungen an Gehirnzellen spielt, die bereit sind, sie zu speichern.

Speichern von Erinnerungen

Silva und seine Kollegen verwendeten ein Mausmodell, um ihre Hypothese zu untersuchen. Sie implantierten CREB in ein Virus, das sie in einige der Zellen in der Amygdala, einer für das emotionale Gedächtnis entscheidenden Gehirnregion, der Tiere einfügten.

Danach testeten sie die Fähigkeit der Maus sich an einen bestimmten Käfig zu erinnern, die sie schon einmal besucht hatte. Der Käfig wurde mit gemusterten Wänden und einem einzigartigen Geruch ausgestattet.

Um sich vorzustellen, welche Gehirnzellen die Erinnerungen der Maus über den Käfig speicherten, benutzten die Wissenschaftler einen genetischen Marker, der neue Neuronenaktivität anzeigt. Als das Team nach dem Versuch die Amygdala der Tiere untersuchte, fanden sie wesentliche Mengen an CREB und dem Marker in den Neuronen.

CREB beeinflusst Speicherung im Gedächtnis

„Wir entdeckten, dass die Menge an CREB davon beeinflusst wird, ob das Gehirn etwas im Gedächtnis speichert“, sagte Silva. „Wenn wenig CREB in einer Zelle ist, wird sie weniger wahrscheinlich etwas im Gedächtnis behalten. Wenn viel CREB in einer Zelle ist, speichert sie eher etwas im Gedächtnis.“

Menschliche Auswirkungen der neuen Forschung könnten sich als tiefgreifend erweisen.

CREB Niveau beeinflussen bei Alzheimer Patienten

Durch künstliche Manipulation des CREB-Niveaus in Gruppen von Zellen können wir feststellen, wo das Gehirn seine Erinnerungen speichert, erklärte er. „Dieser Ansatz könnte potentiell verwendet werden, um das Gedächtnis bei Menschen, die an Alzheimer oder Demenz oder einer anderen Schädigung des Gehirns leiden, zu erhalten. Wir könnten dann in der Lage sein, Erinnerungen in gesunden Zellen zu speichern, weg von kranken Zellen in Regionen in denen das Gehirn stirbt.“

Unser Gedächtnis definiert, wer wir sind. Wenn wir verstehen, wie das Gehirn im Gedächtnis speichert, so ist dies grundlegend dafür, was es heißt, menschlich zu sein, bemerkte Silva.

Ein Gedächtnis ist kein statischer Schnappschuss, sagte er. Erinnerungen dienen einem Zweck. Sie dienen dem Erwerb von Informationen, die uns helfen, mit ähnlichen Situationen zukünftig (besser) umzugehen.

Quelle: Science – 2007

Was kommt zuerst, Beta-Amyloid-Plaques oder Gedächtnis- und Denkprobleme?

31.12.2019 Die wissenschaftliche Gemeinschaft nimmt seit langem an, dass Beta-Amyloid, ein Protein, das verklumpen und klebrige Plaques im Gehirn bilden kann, das erste Anzeichen von Alzheimer ist.

Beta-Amyloid führt dann zu weiteren Veränderungen im Gehirn, einschließlich der Neurodegeneration und schließlich zu Gedächtnis- und Denkproblemen. Aber eine neue Studie stellt diese Theorie in Frage.

Die in Neurology veröffentlichte Studie legt nahe, dass subtile Unterschiede im Denken und Gedächtnis vor oder neben der Entwicklung von Amyloid-Plaques im Gehirn auftreten können.

An der Studie nahmen 747 Personen in einem Durchschnittsalter von 72 Jahren teil. Die Forscher ließen die Teilnehmer zu Beginn der Studie neuropsychologische Tests durchführen und maßen ihre Gesamtpunktzahl und auch ihre Prozesspunktzahl, um festzustellen, ob sie subtile Denk- und Gedächtnisprobleme hatten.

Was ist ein Prozessscore? Während eine Person bei Denk- und Gedächtnistests innerhalb des normalen Bereichs liegen kann, spiegeln Prozesswerte wider, wie diese Person Probleme löst, indem sie Fehler bei der Bewältigung von Aufgaben messen.

Bei der Betrachtung sowohl der Gesamtpunktzahl als auch der Prozesspunktzahl teilten die Forscher die Teilnehmer in drei Gruppen ein: 305 Personen mit normalen Gedächtnis- und Denkleistungen, 153 mit subtilen Denk- und Gedächtnisunterschieden und 289 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Bei den Teilnehmern wurden zu Beginn der Studie Gehirnscans durchgeführt, um das Ausmaß der Amyloid-Plaques im Gehirn zu bestimmen, und dann wurden die Teilnehmer vier Jahre lang jährlich gescannt.

Nach Anpassung an Alter, Bildung, Geschlecht, genetisches Risiko für die Alzheimer-Krankheit und Amyloidspiegel zu Beginn der Studie stellten die Forscher fest, dass Menschen mit subtilen Gedächtnis- und Denkunterschieden eine schnellere Anhäufung von Amyloid im Vergleich zu Menschen mit normalen Denk- und Gedächtnisleistungen hatten.

Bei einem Test zur Messung des Amyloidspiegels und bei dem der Durchschnittswert für Teilnehmer mit subtilen Denk- und Gedächtnisstörungen bei 1,16 lag, stieg der Amyloidspiegel in dieser Gruppe über vier Jahre hinweg um 0,03 über die Amyloidveränderungen bei Personen mit normalen Denk- und Gedächtnisleistungen hinaus an.

Menschen mit subtilen Unterschieden wiesen auch eine schnellere Verdünnung des entorhinalen Cortex auf, einer Hirnregion, die bei der Alzheimer-Krankheit sehr früh betroffen ist.

Andererseits stellten die Forscher auch fest, dass Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zu Beginn der Studie zwar mehr Amyloid im Gehirn hatten, aber keine schnellere Akkumulation von Amyloid im Vergleich zu Menschen mit normalen Gedächtnis- und Denkleistungen aufwiesen. Sie zeigten jedoch eine schnellere Verdünnung des entorhinalen Cortex sowie eine Schrumpfung des Hippocampus.

Die Studie konnte subtile Unterschiede bei Gedächtnis und Denken bei den Studienteilnehmern erkennen, und diese Teilnehmer wiesen im Laufe der Zeit eine schnellere Amyloid-Ansammlung bei den Gehirnscans auf, was darauf hindeutet, dass Amyloid nicht unbedingt an erster Stelle im Prozess der Alzheimer-Krankheit steht, sagte Studienautorin Kelsey R. Thomas vom VA San Diego Healthcare System in San Diego.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Neurology – American Academy of Neurology

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