Postpartale Depression: Veränderung bei Immunzellen entdeckt

Transkriptomweite Studie zu postpartalen Depressionen deutet auf veränderte B-Zell-Aktivierung und Insulinresistenz hin

09.04.2022 Eine in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry veröffentlichte Studie untersuchte mehrere biologische Ebenen bei Frauen mit postpartaler Depression (PPD), um festzustellen, wie sich Frauen mit dieser Erkrankung von denen ohne PPD unterscheiden.

Die PPD betrifft eine von sieben Frauen und hat negative Folgen für die psychische Gesundheit von Mutter und Kind. Die genauen biologischen Mechanismen hinter der Erkrankung sind jedoch unbekannt.

RNA-Sequenzierung, DNA-Genotypisierung und Bewertung der DNA-Methylierung

In früheren Studien wurden nur Vollblutproben analysiert. In dieser Studie von Jerry Guintivano von der University of North Carolina Health Care und Kollegen wurden die verschiedenen Bestandteile des Blutes genauer untersucht. Es wurden Blutproben von 1.500 Frauen aus ganz North Carolina entnommen, die innerhalb der letzten sechs Wochen entbunden hatten. 482 von ihnen wurden mit postpartaler Depression diagnostiziert.

Die Forscher untersuchten mittels RNA-Sequenzierung, DNA-Genotypisierung und Bewertung der DNA-Methylierung – also auf drei Ebenen der biologischen Grundlagenforschung -, ob es Unterschiede zwischen den Bestandteilen der Blutproben von Frauen mit und Frauen ohne PPD gibt.

Unterschiede bei B-Zellen

Sie fanden heraus, dass die B-Zellen bei Frauen mit PPD signifikante Unterschiede aufwiesen. B-Zellen sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. Sie werden aktiviert, wenn ihr Rezeptor ein Antigen erkennt und sich an dieses bindet. Aktivierte B-Zellen produzieren dann Antikörper und schütten außerdem entzündungsfördernde und entzündungshemmende Faktoren aus.

„Das Zusammenspiel des Immunsystems während der Schwangerschaft ist wirklich heikel“, sagt Guintivano. „Es muss eine Infektion durch eine Erkältung verhindern und sich gleichzeitig so einstellen, dass es den Fötus nicht als Fremdkörper erkennt und ihn angreift. In der Zeit nach der Geburt werden dann all diese Hormone und Signalwege neu eingestellt, um den Zustand vor der Schwangerschaft wiederherzustellen.

Bei Frauen mit postpartaler Depression fanden die UNC-Forscher Tausende von individuellen B-Zell-Transkripten, die sich von denen von Frauen ohne PPD unterschieden und zum Teil durch genetische Varianten und DNA-Methylierung reguliert wurden. Um diese Ergebnisse zu bestätigen, führten sie eine Analyse der Signalwege durch, die auf eine veränderte B-Zell-Aktivierung und Insulinresistenz hindeutete.

Guintivano sagt, der nächste Schritt sei die Durchführung einer Längsschnittstudie, in der Frauen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, um zu sehen, wie sich die B-Zellen während der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt verändern. Laut Guintivano wäre keine dieser Forschungen möglich, wenn sich nicht viele Frauen an der Erforschung der postpartalen Depression engagieren würden.

© Psylex.de – Quellenangabe: Molecular Psychiatry (2022). DOI: 10.1038/s41380-022-01525-7

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