Käse und das Gehirn

Käse und das Gehirn

Käseliebhaber und Käsehasser, und deren Gehirn-Aktivitäten

Das Belohnungssystem im Gehirn könnte auch für Ekel zuständig sein.

21.10.2016 Warum einige Menschen Käse hassen, ist bislang ein Mysterium gewesen. Laut einer im Fachblatt Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichten Studie einiger französischer Forschungsinstitute zeigen sich deutliche Unterschiede in den Gehirnen von Käseliebhabern und Käsehassern.

Aversion gegen Käse

Konfrontiert mit einem reifen Camembert, Ziegen-Käse oder einem pikanten und lang gereiften Ascheberger oder Nordseekäse: Man liebt sie oder hasst sie. Frankreich ist womöglich das Land mit der größten Käse-Vielfalt (es gibt fast 1.600 Käsesorten), trotzdem fühlen sich viele Menschen dort von diesem Lebensmittel angewidert.

Aversion ist ein äußerst mächtiger Faktor in der Tierwelt: Es ist ein Schlüsselelement für das Überleben, folglich ist es auch wichtig, die dabei stattfindenen Mechanismen im Gehirn zu untersuchen.

Viele Menschen mögen Käse nicht

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Bild: Michael Shivili

Warum Käse? Weil die Forscher annahmen, dass viele Menschen dieses Molkerei-Produkt nicht mögen. Deshalb überprüften sie ihre Intuition mit Hilfe von 332 Teilnehmern: Käse ist tatsächlich das Lebensmittel, das am häufigsten Aversionen auslöst.

Etwa 6,0 % der Befragten hatten eine Abneigung dagegen, wohingegen nur 2,7 % eine Aversion gegen Fisch und 2,4 % gegen Wurstwaren hatten. Unter denen mit einer Abneigung gegen Käse sagten 18 %, dass sie eine Milchzucker-Intoleranz hätten. In 47 % der Fälle mochte mindestens eines ihrer Familienmitglieder Käse auch nicht. Diese Zahlen legen nahe, dass es einen genetischen Ursprung für dieser Aversion gibt, die mit der Milchzucker-Intoleranz verbunden sein könnte.

Was geschieht im Gehirn?

Um herauszufinden, was im Gehirn geschieht, wurden fünfzehn Menschen, die Käse liebten und fünfzehn, die Käse nicht mochten, mit funktioneller Magnetresonanztomographie gescannt, während sie Bildern und Gerüchen von sechs verschiedenen Käsesorten und anderen Lebensmitteln (zur Kontrolle) ausgesetzt wurden.

Sie sollten angeben, ob sie den Geruch und Anblick der Lebensmittel mochten oder nicht mochten, und ob sie es – zu diesem Zeitpunkt – gerne essen würden.

Pallidum und Substantia nigra

Es zeigte sich, dass das ventrale Pallidum – eine kleine Struktur, die normalerweise bei Hunger aktiviert wird – völlig inaktiv bei den ‚Käsehassern‘ war, während diese verschiedene Käsesorten rochen und sahen. Bei den Kontroll-Lebensmitteln war das ventrale Pallidum dagegen aktiviert.

Weiterhin stellten die Wissenschaftler überrascht fest, dass Gebiete des Gehirns – der Globus Pallidus und die Substantia nigra, die am Belohnungssystem teilnehmen (wird aktiviert, wenn wir etwas lieben), bei den Käsehassern stärker involviert waren als bei den Käseliebhabern.

Belohnungssystem auch bei Ekel aktiv?

Diese Strukturen, die normalerweise bei Belohnungsprozessen beteiligt sind, können daher wohl auch als Reaktion auf einen aversiven Stimulus getriggert werden.

Um diese Doppelnatur zu erklären, schlagen die Forscher vor, dass diese Gebiete zwei Typen von Neuronen mit komplementärer Aktivität beinhalten: die einen verbunden mit dem belohnenden Aspekt des Essens, die anderen mit seiner aversiven Natur.

Diese Forschungsarbeit gewährt einen Einblick in die Regionen des Gehirns, die aktiviert werden, wenn einer Person ein aversives Essen geboten wird und legt nahe, dass das Belohnungsnetzwerk auch Ekel enkodieren kann, sagte Studienautor Dr. Jean-Pierre Royet.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Centre de Recherche en Neuroscience de Lyon, Laboratoire Neuroscience Paris Seine, INSERM, Université de Lyon, Sorbonne Universités, Université Pierre et Marie Curie, Frontiers in Human Neuroscience – DOI: 10.3389/fnhum.2016.00511; Okt. 2016

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