Haustier und Mensch (Psyche, Psychologie)

Haustier und Mensch (Psyche, Psychologie)

Psychische Gesundheit

Forschungsartikel und News, die sich mit den psychologischen Auswirkungen von Haustieren auf die menschliche Psyche, auf das Wohlbefinden beschäftigen.

Haustiere: Immer gut für das psychische Wohl?

03.12.2016 Eine im Fachblatt Journal of Positive Psychology publizierten Studie der Ruhr-Universität Bochum untersuchte, welche Auswirkungen Haustiere auf unser psychisches Wohlbefinden haben.

Dazu befragten die Forscher vom Fachbereich für Psychologie 631 Halter und Halterinnen von Hunden, Katzen und Pferden. Der Online-Fragebogen erfasste positive Stimmung, Lebenszufriedenheit, subjektiv empfundene Vor- (‚Nutzenfaktoren‘) und Nachteile (‚Kostenfaktoren‘).

Auswirkungen auf das subjektive Wohlempfinden

„Die Frage, ob Haustiere uns guttun, uns glücklicher und zufriedener machen, ist nicht so einfach zu beantworten“, erklärt die Studienautorin Anna Kalitzki. „Wichtig ist dabei wohl die Frage, unter welchen Bedingungen bestimmte Tiere gut für unser Wohlbefinden sind.“

Die Psychologinnen stellten bei der Analyse der Daten fest:

  • Das psychische Wohlempfinden der Haustierhalter vergrößert sich, wenn sie die Haltung des Tieres als eine bedeutungsvolle ‚Aufgabe in ihrem Leben‘ sehen; es als eine ’soziale Rolle‘ auffassen.
  • Wenn die Haltung des Tieres ihrem Bedürfnis nach Autonomie entspricht.

Einen negativen Effekt hatte die Haustierhaltung auf die Psyche,

  • wenn die finanziellen Aufwendungen eher als Belastung gesehen wurden.
  • Auch hat eine stärkere Bindung zum Haustier eine negative Auswirkung auf das mentale Wohl. Die Psychologinnen nehmen an, dass dies durch Einschränkung oder Ersetzung der sozialen Bindungen zu anderen Menschen verursacht werden könnte.

Hund, Katze, Pferd

Unterschiede bei den Haustieren Hund, Katze und Pferd auf die Zufriedenheit der Halter gab es nicht, obwohl die Forscherinnen bestimmte ‚Kosten- und Nutzenfaktoren‘ identifizierten.

  • Pferde riefen bei ihren HalterInnen eher eine Sinnhaftigkeit (als Hunde oder Katzen) und förderten das Autonomieerleben, doch wurden sie auch eher als finanzielle und zeitintensive Belastung empfunden.
  • Katzen wurden als am wenigsten unterstützend erlebt, aber auch am wenigsten als Belastung empfunden.

Prof. Dr. Maike Luhmann von der Arbeitseinheit für Psychologische Methodenlehre sagt dazu: „In mancher Hinsicht kann man Haustiere durchaus mit Kindern vergleichen. Sie können eine Quelle purer Freude sein und einem das Gefühl geben, gebraucht und geliebt zu werden. Aber gleichzeitig kann der Umgang mit ihnen auch manchmal anstrengend sein und – je nach Lebensphase – eine finanzielle Belastung darstellen. Insgesamt scheinen sich die positiven und negativen Einflüsse auf das Wohlbefinden die Waage zu halten. Deshalb ist es für jeden Einzelnen wichtig, sich vor der Entscheidung für ein Haustier die verschiedenen Faktoren vor Augen zu führen und anhand der persönlichen Situation zu bewerten und zu gewichten.“

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Ruhr-Universität Bochum, IDW-Online, The Journal of Positive Psychology – doi.org/10.1080/17439760.2016.1257054; Dez. 2016

Keine Verbindung zwischen Haustieren und Kindergesundheit

07.08.2017 Eine im Fachblatt Anthrozoos veröffentlichte Studie untersuchte den weitverbreiteten Glauben, ein Hund oder eine Katze im Haus verbessere die psychische oder körperliche Gesundheit des Kindes.

Die Studie analysierte die Daten von mehr als 2.200 Kindern, die in Haustier-Haushalten in Kalifornien lebten und verglichen sie mit etwa 3.000 Haushalten ohne Hund oder Katze.

Physische und psychische Gesundheit

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Bild: Michal Jarmoluk

Die Forscher konnten keine Belege dafür finden, dass Kinder aus Familien mit Hunden oder Katzen in Bezug auf die psychische oder physische Gesundheit Vorteile zeigten, sagte Studienautorin Layla Parast von der gemeinnützigen RAND Forschungsorganisation.

Alle im Forscherteam waren überrascht, sagte sie, da sie alle Hunde oder Katzen hielten oder mit ihnen aufgewachsen seien. Sie seien im Wesentlichen von ihren eigenen persönlichen Erfahrungen ausgegangen, dass es eine Verbindung gäbe.

Ohne Einflussfaktoren

Die Forscher fanden bei der ersten Analyse heraus, dass Kinder in Haustier-Familien tendenziell eine bessere allgemeine Gesundheit und ein leicht höheres Gewicht hatten, sowie körperlich aktiver im Vergleich zu Kindern in Familien ohne Haustiere waren.

Kinder mit Haustieren hatten mit größerer Wahrscheinlichkeit die psychische Störung ADHS, waren gehorsamer und hatten eher Eltern, die weniger über psychologische Faktoren ihres Kindes – wie Gefühle, dessen Stimmung, Verhalten und Lernfähigkeit – besorgt waren.

Berücksichtigung der Störfaktoren

Aber nach der Berücksichtigung möglicher Störfaktoren, die einen Einfluss auf die psychische und körperliche Gesundheit des Kindes haben können – wie Familieneinkommen, Sprachkenntnisse oder Wohnverhältnisse, konnte kein Zusammenhang mehr zwischen der Gesundheit des Kindes und der Haustierhaltung festgestellt werden.

Während viele vorherige Studien eine Verbindung zwischen Haustierbesitz und einer besseren emotionalen und körperlichen Gesundheit, oder auch größerer Empathie nahegelegt haben, sagen die RAND-Forscher, hätte ihre Analyse eine größere Glaubwürdigkeit, weil sie die bislang größte Stichprobe zu diesem Thema untersuchte.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: RAND, Anthrozoos – http://dx.doi.org/10.1080/08927936.2017.1335103; Aug. 2017

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