Kognitive Kontrolle (Psychologie)

Psychologie-Lexikon - Kognitive Psychologie

Definition

'Kognitive Kontrolle' ist ein psychologisches Konstrukt aus den akutellen kognitiven Neurowissenschaften, das sich auf Prozesse bezieht, die es ermöglichen, dass die Informationsverarbeitung und das Verhalten von Moment zu Moment je nach aktuellen Zielen adaptiv variieren und nicht starr und unflexibel bleiben.

Kognitive Kontrollprozesse umfassen eine breite Gruppe von mentalen Operationen einschließlich Ziel- oder Kontextdarstellung und -erhaltung sowie strategische Prozesse wie Aufmerksamkeitszuweisung und Stimulus-Response-Mapping.

Die kognitive Kontrolle ist mit einer Vielzahl von Prozessen verbunden und ist nicht auf eine bestimmte kognitive Domäne beschränkt.

Beispiel

Zum Beispiel kann das Vorhandensein von Beeinträchtigungen in kognitiven Kontrollfunktionen mit spezifischen Defiziten in der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis, dem Sprachverständnis und der emotionalen Verarbeitung verbunden sein. Angesichts ihres wichtigen Einflusses könnte eine beeinträchtigte kognitive Kontrolle viele der weit verbreiteten Beeinträchtigungen von Menschen mit Schizophrenie und anderen psychologischen Störungen darstellen.

Basierend auf neuropsychologischen und neurophysiologischen Studien an Menschen und Aufzeichnungen von nichtmenschlichen Primaten wird angenommen, dass der präfrontale Kortex eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung der kognitiven Kontrolle im Gehirn spielt.

Auf einem Foto dargestellte Kälte erhöht die kognitive Kontrolle

10.04.2017 Wissenschaftler der Universität Ben-Gurion of the Negev konnten demonstrieren, dass die Wahrnehmung von kalten Temperaturen eine größere kognitive Kontrolle (Definition) erlaubt - wobei dies selbst durch ein Foto hervorgerufen werden kann.

Metaphorische Ausdrücke wie 'kalt berechnend' 'aufgeheizte Stimmung', 'emotionale Kälte' und 'kaltblütig' haben tatsächlich eine wissenschaftliche Gültigkeit, die die Forscher unter Dr. Idit Shalev, Prof. Nachshon Meiran und Eliran Halali vom Fachbereich für Psychologie in ihrer Studie demonstrierten.

Wirkung der Temperatur

Frühere Forschungsarbeiten konzentrierten sich auf die tatsächliche Wirkung der Temperatur auf das psychologische Phänomen - bekannt als 'kognitive Kontrolle', schreiben die Psychologen. Doch in der aktuellen Studie gelang es zum ersten Mal, die Effekte der wahrgenommenen Temperatur zu messen.


Windbuchen auf dem Schauinsland
von Richardfabi/Wiki

Kognitive Kontrolle ist die Fähigkeit, Reaktionen absichtlich zu hemmen oder Entscheidungen zu fällen, die die langfristigen optimalen Interessen für sich selbst maximieren. Zum Beispiel, wenn jemand großen Hunger hat und einen belegtes Sandwich sieht, es aber nicht isst, beweist dies kognitive Kontrolle.

Messung der Kontrolle

Die Forscher führten zwei Experimente im Rahmen der Studie durch. In der ersten sollten 87 Studenten in einer 'Antisakkaden-Aufgabe' in die entgegengesetzte Richtung gucken in die sich ein Gegenstand bewegte; dabei wurde die kognitive Kontrolle gemessen.

Im zweiten Experiment schauten sich 28 Studenten Bilder einer Winterlandschaft, einer temperaturneutralen konkreten Straße und einer warmen sonnigen Landschaft an, und sollten sich selbst bildlich in diese Gegenden versetzen.

Kein physischer Trigger nötig

Die Befunde zeigen, dass beim Anschauen der kalten Landschaft eine größere kognitive Kontrolle erreicht wurde - und dies ohne einen physischen Trigger. Sie kann also allein über Wahrnehmungsprozesse aktiviert werden, sagte Shalev.

Die Forscher vermuten, dass die Beziehung zwischen kognitiver und Temperaturkontrolle durch soziale Nähe erklärt werden könnte. Während Signale der Wärme eine entspannte Einstellung hervorrufen, lösen kühle Signale Vorsicht und ein mögliches Bedürfnis nach einer größeren kognitiven Kontrolle aus, schlossen sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Ben-Gurion of the Negev; April 2017

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