Gewissenhaftigkeit (Psychologie)

Persönlichkeitspsychologie

Gewissenhaftigkeit (Psychologie)





News/Forschungsartikel zur Psychologie der Gewissenhaftigkeit.

Definition

Gewissenhaftigkeit ist das Wesensmerkmal von Vorsicht oder Wachsamkeit. Das Persönlichkeitsmerkmal der BIG 5 beinhaltet den Wunsch, eine Aufgabe gut zu erfüllen und Verpflichtungen gegenüber anderen und sich selbst ernst zu nehmen.

Gewissenhafte Menschen sind in der Regel effizient und organisiert, im Gegensatz zu locker und ungeordnet. Sie neigen zu Selbstdisziplin, handeln pflichtbewusst und zielstrebig, zeigen eher geplantes als spontanes Verhalten und sind in der Regel verlässlich.

Diese Persönlichkeitseigenschaft manifestiert sich in charakteristischen Verhaltensweisen wie Sauberkeit und Systematik, die auch Elemente wie Sorgfältigkeit, Gründlichkeit und Überlegung (die Tendenz, sorgfältig zu denken, bevor man handelt) enthält.

Gewissenhaftigkeit ist eine der fünf Eigenschaften des Fünf-Faktor-Modells der Persönlichkeit (Big 5) und ist ein Aspekt dessen, was traditionell als „einen Charakter haben“ bezeichnet wird.

Gewissenhafte Menschen sind in der Regel fleißig und zuverlässig. Sie sind auch eher Konformisten. Wenn sie ins Extrem getrieben werden, können sie auch zu Workaholics, Perfektionisten werden und zwanghaft in ihrem Verhalten werden.

Menschen, die wenig Gewissenhaftigkeit an den Tag legen, sind in der Regel entspannter, weniger zielorientiert und weniger erfolgsorientiert; sie zeigen auch eher antisoziales und kriminelles Verhalten.

Machen Hausaufgaben gewissenhafter?

05.10.2017 Laut einer im Fachblatt Journal of Research in Personality veröffentlichten Studie der Universität Tübingen kann die sorgfältige Erledigung der Hausaufgaben nicht zu einer besseren schulischen Leistung sondern auch zu einer ausgeprägteren generellen Gewissenhaftigkeit (Definition) – im Vergleich zu Schülern, die ihre Hausaufgaben ’schlampig‘ erledigen.

Nachhaltige Veränderung der Persönlichkeit

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Bild: George Hodan

Die Forscher um Dr. Richard Göllner und Prof. Dr. Ulrich Trautwein vermuten deshalb, dass die Schule auch die Persönlichkeit nachhaltig verändern kann.

Man weiß, dass das Persönlichkeitsmerkmal Gewissenhaftigkeit den Erfolg in der Schule fördern kann; doch die Psychologen wollten nun herausfinden, ob auch die Umkehrung gilt: Kann gewissenhaftes Hausaufgaben machen zu einer Veränderung der Persönlichkeitseigenschaft Gewissenhaftigkeit führen?

Dazu analysierten die Wissenschaftler Daten einer Langzeitstudie mit 2.800 Schülern aus Haupt- und Realschulen von Beginn der 5. Klasse an über drei Jahre. Die Schüler wurden befragt, wie sehr sie sich bei ihren Hausaufgaben angestrengt hatten, und für wie gewissenhaft sie sich hielten. Deren Eltern wurden ebenfalls über ihre Kinder befragt und um eine Einschätzung gebeten.

Die Psychologen berichten, dass diejenigen Mädchen und Jungen eine größere Gewissenhaftigkeit entwickelten, die sich während der Studiendauer bei ihren Hausaufgaben angestrengt hatten.

Dagegen verschlechterte sich dieses Persönlichkeitsmerkmal deutlich bei denjenigen Schülern, die sich in dieser Zeit weniger bei den Hausaufgaben angestrengt hatten.

Sowohl die Einschätzungen der Schüler selbst als auch die der Eltern unterlegen diese Entwicklungen.

Persönlichkeitsentwicklung

„Dies zeigt, dass Hausaufgaben nicht nur für die schulische Leistung wichtig und sinnvoll sind, sondern auch für die Persönlichkeitsentwicklung, vorausgesetzt, sie werden gründlich und genau erledigt“, schreibt Göllner.

„Die Frage, ob die Hausaufgabenerledigung auch zur Entwicklung von Gewissenhaftigkeit beitragen kann, kommt in Diskussionen zur Rolle von Hausaufgaben bislang völlig zu kurz“, sagt Trautwein. „Wir müssen genauer darüber nachdenken, welche Förderwirkung wir uns von Hausaufgaben versprechen und wie sie gewährleistet werden kann.“

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Tübingen, Journal of Research in Personality – doi:10.1016/j.jrp.2017.08.007 ; Okt. 2017

Warum Gewissenhaftigkeit zu einem längeren Leben führen kann

21.02.2021 Eine in Brain, Behavior, and Immunity veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass das Immunsystem einen direkten Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit – genauer dem Persönlichkeitsmerkmal Gewissenhaftigkeit – und dem langfristigen Sterberisiko herstellt.

Es wird immer deutlicher, wie wichtig die Persönlichkeit tatsächlich für unsere langfristige Gesundheit und die daraus resultierende Langlebigkeit ist. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass Menschen, die bei der Persönlichkeitseigenschaft Gewissenhaftigkeit (die Tendenz, verantwortungsbewusst, organisiert und fähig zur Selbstkontrolle zu sein … zur Definition) schlechter abschneiden, ein um ein 40 % erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu gewissenhafteren Gleichaltrigen haben.

Was nicht klar ist: Woran dies liegen könnte und welche biologischen Mechanismen für diesen Zusammenhang verantwortlich sein könnten, sagt Studienautor Dr. Páraic Ó Súilleabháin vom Institut für Psychologie und Gesundheit der University of Limerick, Ireland.

Immunsystem-Marker

Die Forscher wollten untersuchen, ob zwei – für das Immunsystem wichtige – biologische Marker erklären können, warum Persönlichkeitsmerkmale mit dem langfristigen Sterberisiko verbunden sind.

Konkret prüften sie, ob Interleukin-6 und c-reaktives Protein (CRP), von denen bekannt ist, dass sie eine wichtige Rolle bei altersbedingter Morbidität spielen, erklären können, warum unsere Persönlichkeitsmerkmale darauf Einfluss nehmen können, wie lange wir leben.

Die Studie stützte sich auf Daten aus der 14-jährigen Midlife in the United States Longitudinal Study mit 957 Erwachsenen.

Zusammenhang mit dem Persönlichkeitsmerkmal Gewissenhaftigkeit

Höhere Gewissenhaftigkeit war mit einem niedrigeren Mortalitätsrisiko verbunden, wobei jede um eine Standardabweichung höhere Gewissenhaftigkeit mit einem 35 % niedrigeren Sterberisiko verbunden war.

IL-6, aber nicht CRP, vermittelte diese Verbindung teilweise, wobei IL-6 für 18 % dieser Verbindung im vollständig angepassten Modell verantwortlich war.

Während es erste Hinweise darauf gab, dass die Biomarker sowohl Neurotizismus und Verträglichkeit als auch das Mortalitätsrisiko vermittelten, waren die indirekten Effekte bei der Kontrolle auf die soziodemographischen Variablen nicht signifikant.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Brain, Behavior, and Immunity (2021). DOI: 10.1016/j.bbi.2021.01.032

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