Die Psyche des Chefs

Psychologie-Lexikon – Wirtschaftspsychologie

Chef / Boss (Psychologie, Psyche)







Definition: Die Führungspsychologie ist ein Teilbereich der Wirtschaftspsychologie. Sie erforscht und untersucht Erleben, Wahrnehmung und Verhalten des Menschen im Hinblick auf die Beeinflussung durch Vorgesetzte, Führungspersonal.

Chefs, Politiker, Führer mit maskulinen Stimmen bevorzugt, sogar wenn es Frauen sind

Männliche und weibliche führende Politiker und leitende Chefs mit männlicheren Stimmen werden sowohl von Männern als auch von Frauen bevorzugt.

Selbst in Führungsrollen, die normalerweise von Frauen eingenommen werden, bevorzugen Männer und Frauen Chefs / Politiker mit tiefen Stimmen, laut einer Studie von Rindy Anderson von der Duke University und Casey Klofstad von der University of Miami, die in PLOS ONE erschienen ist.

Stimmhöhe der weiblichen Führungskraft

Obwohl frühere psychologische Studien gezeigt haben, dass Menschen Führer mit eher maskulinen Stimmen bevorzugen, fügt diese Forschungsstudie einen Vorbehalt hinzu: Was geschieht, wenn die Führungsposition eine ist, die normalerweise von einer Frau besetzt ist oder als feminin wahrgenommen wird, wie ein Mitglied des Schulamts oder Präsident(in) eines Elternbeirats?

In hypothetischen Wahlen für solche Positionen, baten die Psychologen die Teilnehmer darum, zwei Stimmen zuzuhören, die die Phrase „ich möchte Sie auffordern, für mich diesen November zu stimmen“ aufsagten, und die sich lediglich in ihrer Stimmhöhe unterschieden.

Frauen mit dunkleren Stimmen werden bevorzugt

Sie stellten fest, dass sowohl Männer als auch Frauen die weiblichen Kandidaten mit maskulinen Stimmen bevorzugten. Männer bevorzugten auch Männer mit maskulinen Stimmen, aber Frauen unterschieden nicht zwischen den Männerstimmen, die sie hörten.

Laut den Autoren schlagen ihre Ergebnisse vor, dass der Einfluss der Stimmhöhe auf die Wahrnehmung der Führungskapazität konsistent über verschiedene Bereiche hinweg und unabhängig vom sozialen Kontext ist.

Biologische Psychologie beeinflusst unsere Entscheidungen

Klofstad erklärt, „wir denken oft nicht daran, wie unsere Biologie unsere Entscheidungsfindung beeinflussen kann. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Stimmhöhe – ein physiologisches Merkmal – beeinflussen kann, wie wir unsere führenden Politiker wählen“.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: PLOS ONE, Dez. 2012

Wie ein guter Chef sein sollte?

Bescheidenheit

Bescheidene Chefs sind effektiver und werden laut neuen psychologischen Forschungsergebnissen mehr gemocht.

Die neue Studie ist im Academy of Management Journal herausgegeben worden.
In der Studie fragten Forscher 16 Vorstandsvorsitzende, 20 Manager der mittleren Ebene und 19 Chefs der unteren im Detail zu beschreiben, wie bescheidene Führungspersonen am Arbeitsplatz arbeiten, und wie sich ein bescheidener Boss im Unterschied zu jemandem benimmt, der nicht bescheiden ist.

Obwohl die Chefs aus völlig verschiedenen Geschäftbereichen kamen, die sich von Industrie über Gesundheitsversorgung bis zu Finanzdienstleistungen erstreckten, stimmten sie alle darin überein, dass die Essenz der Demut einer Führungsperson die Fähigkeit ist, ein Rollenbild zu präsentieren, um den Angestellten zu zeigen, wie man weiter wachsen und lernen kann.

Zu wachsen und zu lernen schließt oft Fehler ein und kann peinlich sein, sagte Owens, Professor für Organisation und humane Ressourcen der University of Buffalo School of Management. Aber Führungspersonen, die ihre Ängste überwinden und ihre Gefühle mitteilen, während sie sich durch den chaotischen internen Wachstumsprozess durcharbeiten, werden psychisch vorteilhafter von ihren Angestellten wahrgenommen. Sie legitimieren die eigenen Wachstumsentwicklungen ihrer Angestellten und haben Organisationen höherer Performance.

Doppel-Bind

Die Studie fand heraus, dass einige bescheidene Führungspersonen wirksamer als andere waren.

Chefs, die jung, farbig oder weiblich waren, mussten andauernd ihre Kompetenz den Angestellten beweisen, ihr bescheidenes Verhalten wurde sowohl eher erwartet als auch weniger geschätzt. Im Gegensatz dazu hatten erfahrene weiße Männer, die bescheiden waren, einen hohen psychologischen Vorteil bzw. Erfolg dadurch, dass sie Fehler zugaben, Angestellte lobten und zu lernen versuchten.

Die Studie fand auch heraus, dass die weiblichen Führungspersonen oft ein „Doppel-Bind“ erfahren laut Owens. Es wird erwartet, dass sie mehr Bescheidenheit als ihre männlichen Pendants zeigen, aber dann wird ihre Kompetenz in Frage gestellt.

Die Forscher geben Führungspersonen den psychologischen Rat: Sie können keine Bescheidenheit vortäuschen. Entweder wollen sie auch selbst „echt“ wachsen und sich entwickeln oder sie wollen es nicht, und Angestellte reagieren dementsprechend.
Quelle: Academy of Management Journal, Dez., 2011

Studie: Schlechte Chefs können Dich zu einem guten Boss machen

04.12.2018 Eine im Journal of Applied Psychology veröffentlichte Studie legt nahe, dass Missbrauch und Misshandlung durch den Boss eines Unternehmens nicht unbedingt zu missbräuchlichem Verhalten von Führungskräften auf niedrigerer Ebene führen.

Wenn ihnen Führungsmöglichkeiten angeboten werden, sind frühere Opfer von Arbeitsplatzmisshandlungen eher bereit, ihre eigenen Untergebenen besser zu behandeln, indem sie aus dem schlechten Verhalten ihres Chefs lernen.

Moral und Integrität

chef
Bild: Gerd Altmann

Angestellte, die sich auf ihre Moral und Integrität verlassen, um dem missbräuchlichen Muster ihres Bosses zu trotzen, setzen oft nicht auf dieses Muster, wenn sie selbst Untergebene haben.

In mehreren Experimenten über mehrere Jahre hinweg untersuchte die psychologische Forschungsarbeit die Unterschiede bei Einstellung und Verhalten von Führungskräften, die von Vorgesetzten misshandelt worden waren, und Führungspersonen, die nicht gemein behandelt worden waren. Die Psychologen verglichen, wie diese beiden Gruppen mit ihren Mitarbeitern umgingen.

Psychische Distanz

Sie fanden heraus, dass schlecht behandelte Bosse, die sich absichtlich von ihren Vorgesetzten distanzierten, Respekt und Freundlichkeit gegenüber ihren eigenen Mitarbeitern zum Ausdruck brachten, trotz der schlechten Behandlung durch ihren eigenen Vorgesetzten.

Die Lektion hier ist natürlich nicht, mehr mobbende Manager einzustellen, sondern zu versuchen, Menschen, die gemobbt bzw. misshandelt wurden, zu ermutigen, unter anderem zu sagen: „Schau, ich bin nicht wie mein Boss“, sagte Shannon Taylor von der Universität Texas (El Paso).

Man kann eine Haltung einnehmen – nicht nur, indem man das schlechte Verhalten meldet, sondern auch, indem man diesen missbräuchlichen Führungsstil aktiv ablehnt, schreiben die Wissenschaftler.

Taylor sagte, er erwarte nicht, dass der Missbrauch am Arbeitsplatz verschwindet, aber er stellt fest, dass die Unternehmen lernen und versuchen, das Problem durch Ausbildung und Aufrechterhaltung eines positiven Arbeitsklimas zu lösen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Journal of Applied Psychology – https://dx.doi.org/10.1037/apl0000360

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